Gender-Medizin: Jüngere Frauen mit Übergewicht

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Gender-Medizin: Immer mehr jüngere Frauen mit Übergewicht

07.03.2015

Immer mehr jüngere Frauen haben starkes Übergewicht (Adipositas). Ein Grund dafür ist, dass Frauen in bestimmten Lebensphasen, wie etwa in der Pubertät, hormonell zu Insulinresistenz und Gewichtszunahme neigen. Darauf weist eine Gender-Medizinerin anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März hin.

Frauen neigen in bestimmten Lebensphasen zu Gewichtszunahme
Immer mehr jüngere Frauen haben starkes Übergewicht (Adipositas). Der Lebensstil sowie Umweltfaktoren spielen dabei eine Rolle, aber auch bestimmte Lebensphasen, während denen Frauen hormonell zu Insulinresistenz undGewichtszunahme neigen, etwa in der Pubertät, bei einer Schwangerschaft oder in der Menopause. Damit einher geht das erhöhte Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes, veränderten Blutfetten und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darauf weist die Leiterin der Gender Medicine-Unit der MedUni Wien, Alexandra Kautzky-Willer anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März hin.

Bauch- und Leberfett als Risikofaktor unterschätzt
Im Gegensatz zur Behandlung von Männern mit Übergewicht werde bei Frauen insbesondere das Bauch- und Leberfett als Risikofaktor noch unterschätzt. Der Expertin zufolge hat der Bauchumfang bei Frauen sogar eine bessere Vorhersagekraft für Komplikationen wie Diabetes als bei Männern. Deshalb sei es bei übergewichtigen Frauen wichtig, bereits sehr früh, insbesondere vor oder während einer Schwangerschaft, an einen Zuckerbelastungstest zu denken, um das Risiko für Diabetes abzuklären, da schwangere Übergewichtige vermehrt insulinresistent sind. Dies ist auch von Bedeutung, um eine mögliche Unterversorgung mit wichtigen Vitaminen oder Spurenelementen aufzudecken. „Viele Frauen, die übergewichtig sind, haben dennoch einen Mangel an bestimmten Vitaminen, etwa Vitamin D, aber auch an Folsäure oder einen Mangel an Jod, was zum Beispiel in der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Embryos beeinträchtigen kann“, erklärte Kautzky-Willer

„Gesunde Ernährung und mehr Bewegung“
Dennoch spielen der Lebensstil und Umweltfaktoren bei Übergewicht eine große Rolle. „Es lohnt sich immer, den Lebensstil zu verändern und auf gesunde Ernährung und mehr Bewegung umzustellen, – je früher desto besser – aber selbst noch bei extremem Übergewicht oder zu Beginn einer Schwangerschaft“, so die Medizinerin. Den Angaben zufolge wurde in aktuellen Studien festgestellt, dass Schlafmangel, Stress und Schichtdienst ein hohes Risiko für eine Gewichtszunahme besonders bei Frauen sind. Kautzky-Willer erläuterte: „Chronischer Stress verursacht komplexe Veränderungen des Hormonhaushalts und gerade bei Frauen oft stressbedingte Heißhunger- und Ess-Attacken, die schließlich Übergewicht zur Folge haben.“

Geschlechtertrennung bei Präventionsprogrammen
Zudem wird auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall besonders bei Frauen stark mit Übergewicht und Depressionen assoziiert. Adipositas erhöht zudem die Gefahr, an Bluthochdruck, Arteriosklerose (Arterienverkalkung) oder Fettstoffwechselstörungen zu erkranken. Um dem vorzubeugen, raten Gesundheitsexperten immer wieder zu einer gesünderen Ernährung und mehr Bewegung. Bei Präventionsprogrammen ist offenbar die Geschlechtertrennung sinnvoll. Kautzky-Willer erläuterte: „Aktuelle, internationale Studien haben gezeigt, dass hier geschlechtergetrennte Programme bessere Ergebnisse zeigen, etwa bei der Motivation übergewichtiger Männer, in einem Fußballklub gemeinsam abzunehmen und sich zu bewegen.“

Verlorene Lebensjahre durch Übergewicht
Überflüssige Pfunde in jungen Jahren wirken sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern besonders gravierend aus. Dies haben vor kurzem kanadische Wissenschaftler von der Universität in Montreal nach der Auswertung einer Ernährungsstudie festgestellt. Den Forschern zufolge sterben Männer, die im Alter zwischen 20 und 40 einen Body Mass Index (BMI) über 35 haben, 8,4 Jahre früher als ihre schlanken Altersgenossen. Frauen kostet ihre Adipositas in diesem Alter 6,1 Lebensjahre. (ad)

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>Bild: neroli / pixelio.de