Gene, die für Brustkrebs verantwortlich sind, wirken sich auch auf Gebärmutterkrebs aus

Frauen mit einer sogenannten BRAC1-Mutation sollten besonder vorsichtig sein. Forscher fanden heraus, dass diese Frauen ein erhöhtes Risiko für eine tödliche Form von Gebärmutterkrebs haben. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Alexander Stindt
Frauen mit einer BRCA1-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterkrebs
Frauen mit einer bestimmten Gen-Mutation, die als Brustkrebsgen mit der Bezeichnung BRCA1 bekannt ist, haben ein erhöhtes Risiko für eine tödliche Form von Gebärmutterkrebs. Bisher wurde die Gen-Mutation lediglich mit einem deutlich erhöhten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung gebracht.

Wenn Frauen unter der Gen-Mutation BRCA1 leiden, haben sie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken. Wissenschaftler fanden jetzt bei einer Untersuchung heraus, dass durch Veränderungen in dem Gen zudem das Risiko für eine gefährliche Form von Gebärmutterkrebs steigt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“.

Frauen mit einer sogenannten BRAC1-Mutation sollten besonders vorsichtig sein. Forscher fanden heraus, dass diese Frauen ein erhöhtes Risiko für eine tödliche Form von Gebärmutterkrebs haben. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Frauen mit einer sogenannten BRAC1-Mutation sollten besonders vorsichtig sein. Forscher fanden heraus, dass diese Frauen ein erhöhtes Risiko für eine tödliche Form von Gebärmutterkrebs haben. (Bild: Henrie/fotolia.com)

BRCA1 steigert deutlich das Risiko von Brust- und Eierstockkrebs
Eine sogenannte BRCA1-Gen-Mutation ist dafür bekannt, dass sie deutlich das Risiko von Brust- und Eierstockkrebs erhöht. Das Risiko ist tatsächlich so hoch, dass einige Frauen mit dieser Mutation sich ihre Brüste und Ovarien (Eierstöcke) präventiv entfernen lassen, um Brust-und Eierstockkrebs zu verhindern, erklären die Studienautoren. Die neueste Studie stellt jetzt als erste eine schlüssige Verbindung zwischen der Mutation und einem leichten Anstieg bei der Entwicklung eines aggressiven Gebärmutterkrebs fest, sagen die Wissenschaftler.

BRCA2-Mutation erhöht ebenfalls das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs
Die Autoren der Studie betrachteten die Daten von fast 1.100 Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutationen. Alle teilnehmenden Probanden waren aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien. Die Mediziner beobachteten die Gesundheit der Frauen für einen Zeitraum von fünf Jahren. Eine BRCA2-Mutationen erhöht ebenfalls das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs, erklären die Experten. Während des Untersuchungszeitraums wurde bei acht teilnehmenden Frauen Gebärmutterkrebs diagnostiziert. Die Rate ist zwar etwas erhöht aber statistisch nicht anders als bei Frauen in der allgemeinen Bevölkerung.

Häufung von sehr aggressiven Gebärmutterkrebs bei den Probanden
Fünf dieser Krebserkrankungen waren aber eine seltene und sehr aggressive Form der Erkrankung, sagen die Mediziner. Diese wird als sogenanntes Endometriumkarzinom bezeichnet. Diese Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut trat in vier von fünf Fällen bei Frauen mit einer BRCA1-Mutation auf. Wir waren überrascht als wir die Daten sahen, sagt Autor Dr. Noah Kauff Leiter des Clinical Cancer Genetics Program am Duke Cancer Institute.

Ergebnisse der Studie waren äußerst überraschend
Selbst wenn wir die Frauen seit 25 Jahren medizinisch überwacht hätten, würden wir erwarten, solch eine Krebserkrankung bei höchsten einer Person festzustellen, erläutert Autor Dr. Kauff. Die neuen Ergebnisse könnten in Zukunft behandelnden Ärzten und den Frauen mit einer BRCA1-Mutation helfen, bessere Entscheidungen im Bezug auf ihre Therapie zu treffen.

Frauen mit BRCA1 können sich Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter entfernen lassen
Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es für Frauen mit einer BRCA1-Mutation wichtig sein könnte, ihre Gebärmutter zur selben Zeit entfernen zu lassen, wenn auch ihre Eierstöcke und Eileiter entfernt werden, sagen die Experten. Sollten betroffene Frauen immer noch die Hoffnung haben, Kinder durch assistierende Reproduktionsmethoden zu bekommen oder andere medizinische Gründe vorliegen, ist natürlich auf die Entfernung der Gebärmutter zu verzichten, fügt Dr. Kauff hinzu.

Rechtfertigt das erhöhte Risiko eine zweite Operation?
Es ist allerdings unklar, ob bei Frauen, die sich bereits Brüste, Eierstöcke und Eileiter entfernt haben , eine weitere Operation zur Entfernung der Gebärmutter wirklichen Nutzen hat. Dr. Kauff sagt dazu, dass dringend weitere Studien zu diesem Thema durchgeführt werden müssen, um festzustellen, ob ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterkrebs von drei bis fünf Prozent, die Kosten und die möglicherweise auftretenden Komplikationen einer zweiten Operation rechtfertigen. (as)

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