Studien: Malaria-Risiko durch mutierte Erreger

Alfred Domke

Erhöhte Malaria-Gefahr durch genetisch veränderte Erreger

16.11.2013

Viele Menschen in tropischen Ländern haben einen natürlichen Schutz gegen eine bestimmte Form der Malaria, wenn ihnen ein bestimmtes Eiweiß im Blut fehlt. Diese natürliche Resistenz könne aber mit genetisch veränderten Erregern umgangen werden, wie amerikanische Forscher herausfanden.

Natürlicher Schutz vor Malaria
In tropischen Ländern haben viele Menschen einen natürlichen Schutz gegen eine bestimmte Form der Tropenkrankheit., die Malaria tertiana. Ihnen fehlt ein bestimmtes Eiweiß auf den roten Blutkörperchen. Sie werden als Duffy-negativ bezeichnet und bislang galten sie als immun gegen eine Erkrankung. Doch veränderte Malaria-Erreger könnten die natürliche Widerstandskraft gegen die Krankheit austricksen, wie Forscher aus den USA mit Hilfe von Genstudien heraus gefunden haben.

Milde Form der Malaria
Bei diesen Erregern handelt es sich um Parasiten namens Plasmodium vivax, welche Malaria tertiana verursachen. Bei dieser Form handelt es sich um eine eher gutartig und mild verlaufende Variante der Malaria und es kommen seltener Komplikationen oder lebensgefährliche Zustände vor, als bei anderen Formen. Aber auch hierbei kommt es zu hohem Fieber, das in regelmäßigen Schüben auftritt sowie zu Übelkeit und Erbrechen. Die Krankheitserreger können sich in der Leber verstecken und die Patienten später erneut krank machen. Die Experten stellten ihre neuen Erkenntnisse auf einem Kongress für Tropenmedizin in Washington vor.

Neues Phänomen oder nur neu entdeckt
Wie es in der Kongress-Mitteilung heißt, hätten die Forscher in den vergangenen fünf Jahren beobachten können, dass Afrikaner und Südamerikaner, die Duffy-negativ sind, dennoch an Malaria tertiana erkrankten. In den Ländern südlich der Sahara gilt rund 95 Prozent der Bevölkerung als Duffy-negativ. Bei ihnen können die Parasiten die roten Blutkörperchen nicht entern und sich nicht vermehren. Doch Peter Zimmermann von der Case-Western Reserve University in Cleveland (US-Staat Ohio) teilte nun mit: „Wir haben bislang unbekannte Gen-Mechanismen in Plasmodium-vivax-Parasiten entdeckt, die ihnen andere Möglichkeiten eröffnen könnten, in rote Blutzellen einzudringen.“ Das könne eine Erklärung dafür sein, warum auch diese Menschen an Malaria erkranken. Noch sei den Angaben zufolge unklar, ob dies ein neues Phänomen ist, oder ob es nur jetzt erst entdeckt wurde.

220 Millionen Malaria-Erkrankungen
Die Todesrate bei Malaria tertiana ist deutlich geringer als bei der gefährlicheren Malaria tropica. Doch die Zahl der von einer Ansteckung bedrohten Menschen weltweit wird bei beiden Formen etwa gleich eingeschätzt. Im Jahr 2010 erkrankten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 220 Millionen Menschen an einer der verschiedenen Malaria-Formen und etwa 660.000 Patienten starben an den Folgen. Übertragen wird die Tropenkrankheit durch den Stich der Anopheles-Mücke.

Ergebnisse werden demnächst veröffentlicht
Für ihre Studien untersuchten Zimmermann und Kollegen unter anderem das Erbgut von Plasmodien von der afrikanischen Insel Madagaskar. Sie stellten fest, dass bei über fünfzig Prozent der Parasiten ein Gen in doppelter Ausführung vorlag, welches für das Eindringen in die roten Blutkörperchen verantwortlich ist. Und auf ein bisher unbekanntes Gen stießen sie bei Plasmodien aus dem südostasiatischen Kambodscha. Diese könnte den Krankheitserregern die Zell-Invasion ermöglichen. Die Forscher wollen ihre Ergebnisse demnächst im Fachjournal „PLOS Neglected Tropical Diseases“ veröffentlichen.

Erkrankungen bis 2030 um 75 Prozent senken

Noch bis zum morgigen Sonntag findet das Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für Tropenmedizin und -hygiene (ASTMH) statt. Es wurden dort auch die Ziele der WHO für die Entwicklung von Malaria-Impfstoffen vorgestellt. So sollen demnach bis 2030 Impfstoffe auf dem Markt sein, die die Erkrankungen weltweit um 75 Prozent senken sollen. 27 Produkte würden derzeit in klinischen Studien untersucht.

Pharmakonzern entwickelt Malaria-Impfstoff
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) hat offenbar einen Impfstoff mit der Bezeichnung "RTS,S" entwickelt, der speziell für afrikanische Kinder bestimmt sei. Der Impfstoff sei im Vergleich zu anderen Entwicklungen am weitesten fortgeschritten, weshalb der Konzern den Einsatz des neuen Mittels nach eigenen Angaben nun stark vorantreiben wolle. Demnach solle die Einschätzung des Impfstoffes durch die Europäische Arzneimittelbehörde bereits im kommenden Jahr erfolgen, sodass das Mittel bei einem positiven Ausgang schon ab 2015 in Afrika eingesetzt werden könne. (ad)

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Bild: Michael Bührke / pixelio.de