Gesund, lecker aber meist unterschätzt: Die Erbse

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Die Erbse: Nicht nur für Könige und Prinzessinnen

(aid) Besondere Kennzeichen: Keine! Die Erbse ist ein solider Durchschnittstyp, verlässlich, gesund und sympathisch. Trotzdem hat sie es nie so ganz geschafft, über den Beilagenstatus hinauszukommen.

Während andere alte Gemüsearten wie Pastinake oder Rote Bete laufend von der modernen Küche wiederentdeckt und neuinterpretiert werden, verfolgt die Erbse hartnäckig der Ruf des etwas farblosen Sattmachers. Das hat vielleicht auch mit den bekanntesten Gerichten auf Erbsenbasis zu tun, die eher nach Notversorgung klingen als nach kulinarischem Highlight: Erbsensuppe, Erbsen zu Fischstäbchen und Kartoffelpüree oder noch schlimmer – Erbswurst.

Keine einfache Beilage: Erbsen schmecken und sind gesund. Bild: Dani Vincek - fotolia
Keine einfache Beilage: Erbsen schmecken und sind gesund. Bild: Dani Vincek – fotolia

Möglicherweise begleitet die Erbse den Menschen auch einfach schon zu lange, als dass man ihren wahren Wert noch zu schätzen wüsste. Immerhin isst man sie schon seit über 9.000 Jahren, wie Funde im heutigen Syrien belegen. In Mitteleuropa wurde sie ab dem 13. Jahrhundert zum Fleisch des kleinen Mannes, weil sie ein billiger Proteinlieferant war und sich getrocknet gut lagern ließ. Als Pflanze, die sich ihren Stickstoff selbst aus der Luft holte, passte sie zudem perfekt in die Dreifelderwirtschaft der Bauern und war eine willkommene Ergänzung zum täglichen Getreidebrei, wenn auch als langweiliges Mus.

Immerhin glänzt sie heute mit einem beeindruckenden Sorten- und Varietätenreichtum, der mehr als 100 Arten bzw. Unterarten umfasst. Die Liste reicht von Ackererbsen als hochwertiges Eiweißfuttermittel für Tiere über Markerbsen, die meist als Konserve angeboten werden, bis zur Zuckererbse, bei der man die fleischig süße Hülse mit den noch unentwickelten Körnern isst.

In dieser Form war ihr sogar ein kurzer Höhenflug als angesehene Delikatesse vergönnt. Dafür sorgte Ende des 17. Jahrhunderts der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. Er liebte die unreifen kleinen Erbsen samt süßlicher Schote über alles und ließ sie sogar in Glashäusern anbauen und züchten, um das Trendgemüse aus Italien das ganze Jahr über genießen zu können. Doch der Ruhm verblasste nach wenigen Jahren, die Erbse blieb letztlich ein Gemüse für Jedermann. Dazu trugen auch neue Verfahren zur Haltbarmachung bei wie die Konserve und später auch das Tiefkühlen, bei dem sie sogar ihre leuchtend grüne Farbe behält und fast alle wichtigen Inhaltsstoffe.

Wenn auch nicht in der Spitzengastronomie, so erlebt die Erbse zurzeit immerhin auf deutschen Äckern ein Comeback. Nach jahrzehntelangem Rückgang der Anbauflächen setzten Landwirte in den vergangenen Jahren wieder verstärkt auf Erbsen als proteinreiches Futtermittel. Auch der Anbau von Frischerbsen für den Handel ist seit 2013 deutlich gestiegen. Ganz offensichtlich hängen die Deutschen mehr an ihrem Lieblingsdurchschnittsgemüse als sie zugeben. Und das hat die sympathische Erbse auch wirklich verdient. Jürgen Beckhoff, aid

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