Gesunde Ernährung: Auf den Körper hören – Wie funktioniert intuitives Essen?

Dr. Utz Anhalt
Experte rät zum Essen nach Gefühl
Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse rät dazu, intuitiv zu essen. Das heißt, zu essen, wonach es einem verlangt, zu essen, wenn man Hunger hat und aufhören, wenn man satt ist.

Wer radikal seine Ernährung auf wenig Kalorien umstellt, kennt Heißhunger. Man achtet peinlich auf wenig Fett, Zucker oder Kohlenhydrate, und der Drang nach Chips, Döner oder Hamburger wird immer größer, bis man zum Imbiss rennt und sich den Bauch voll schlägt.

Hilft intuitives Essen gegen Heißhunger? (Bild: JenkoAtaman/fotolia.com)

Das Gefühl verloren
Übergewichtige hätten ihr gesundes Gefühl für die Nahrungsmengen verloren, die der Körper braucht. Dabei sei dieses Wissen intuitiv vorhanden. Säuglinge schreien, wenn sie Hunger haben und beruhigen sich, wenn sie satt sind.

Überreize
In den westlichen Gesellschaften sind wir ständig mit Nahrung und Werbung für Lebensmittel umgeben. Durch diesen Dauerreiz verwechseln wir Apettit mit Hunger.

Bewusst essen
Intuitiv zu essen bedeutet, bewusst zu essen. Zum Beispiel können Sie sich bei jedem Snack und jedem Nachnehmen überlegen: Brauche ich das wirklich? Will ich das wirklich?

Verbote bringen nichts
Medizinische Mythen kursieren über unzählige Wege, schlank zu werden. Die meisten Diäten scheitern jedoch langfristig, weil sie auf Verboten beruhen. Die Betroffenen zwingen sich dazu, diese Regeln einzuhalten und essen irgendwann wieder wie zuvor.

Sich vollstopfen?
Intuitives Essen bedeutet nicht, sich vollzustopfen, sondern die Mahlzeiten zu sich zu nehmen, die einem schmecken und zu essen, wenn man Hunger hat.

Klappt intuitiv essen?
So einfach ist es mit dem intuitiven Essen aber nicht. Übergewichtige haben in der Regel eine genetische Anlage zu mehr Appetit. Sie fühlen sich erst nach größeren Mengen satt oder gar nicht. Menschen, die zu einem so großem Appetit neigen, müssen aktiv gegensteuern. Die neuen Angewohnheiten wie nicht nachzunehmen, müssen sie erst trainieren.

Natürliche Intuition?
Das intuitive Essen geht davon aus, dass uns der Körper automatisch sagt, was er braucht. Das ist zwar nicht falsch, doch reagieren wir evolutionär auf Speisen, die uns im Übermaß fett machen.

Zucker und Fett
Für die frühen Jäger und Sammler waren Fette und Kohlenhydrate ebenso wertvoll wie rar. Nur Früchte und Honig boten Quellen für Zucker, und die Wildtiere und fetthaltigen Pflanzen boten wesentlich weniger Fette als das unerschöpfliche Angebot im Supermarkt.

Natürliche Gier nach Junkfood
Unsere natürliche Intuition würde sich folgerichtig auf einen Hamburger mit Pommes aus der Friteuse mit einem Eisbecher und Sahne als Nachspeise richten.

Bedürfnisse vom Überreiz trennen
Unsere Vorfahren waren also selten einem Überangebot an Nahrung, Fett und Zucker ausgesetzt. Deshalb können wir uns nicht einfach auf unsere „Intuition“ verlassen, sondern müssen die Signale des Körpers, der Hunger suggeriert oder nach bestimmten Lebensmitteln verlangt, erst einmal trennen von dem ebenfalls „natürlichen“ Drang nach Zucker und Fetten.

Reflektierte Intuition
Es geht also nicht darum, zuzugreifen, wenn der „Körper es sagt“, sondern darum, zu reflektieren, welches Bedürfnis der Körper ausdrückt.

Intuition und „Lebensweisheiten“
Wenn wir Intuition als spontanes Denken verstehen, lauern darin auch Gefahren – in jedem anderen Lebensbereich ebenso wie beim Essen. Die Hirnforschung zeigt: Gedächtnis, assoziatives Denken, in den Synapsen abgespeicherte Lebensmuster sind keinesfalls eine objektive Wirklichkeit. Wenn zum Beispiel eine Grillhaxe mit Bratkartoffeln und Speck in uns ein Wohlgefühl auslöst, weil wir damit schöne Kindheitserlebnisse verbringen, tut sie mitnichten unserem Körper gut.

Kalorien zählen
Auf unsere Intuition verlassen können wir erst, wenn wir uns zuvor ein gesundes Essverhalten angewöhnt haben. Die harte Wahrheit lautet: Wenn wir unter unserer exakt berechenbaren Kaloriengrenze bleiben, nehmen wir ab, wenn wir sie überschreiten, nehmen wir zu. Um Übergewicht zu reduzieren, kommt es also darauf an, gezielt und weniger zu essen. (Dr. Utz Anhalt)