Gesunde Wirkung von Knoblauch bestätigt

Fabian Peters

Knoblauch mit überschätzter Wirkung auf die Gesundheit?

08.08.2012

Knoblauch wird seit Jahrhunderten wegen seiner positiven Wirkung auf die Gesundheit als Heilpflanze geschätzt. Die Inhaltsstoffe der Knollen gelten unter anderem als antimikrobiell, entzündungshemmend und antioxidativ. Auch soll der regelmäßige Verzehr von Knoblauch vor Gefäßleiden und somit vor Thrombosen, Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauferkrankungen schützen. Aktuellen Medienberichten zufolge, wird die positive Wirkung des Knoblauchs möglicherweise jedoch bisweilen überschätzt.

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Nicht alle Behauptungen zu den positiven gesundheitlichen Effekten des Knoblauchs stimmen, berichtet „Welt Online“ unter Berufung auf die Aussagen von Ernährungswissenschaftlern des Verbandes für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) in Gießen, des Verbands für Ernährung und Diätetik in Aachen und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Zwar seien zahlreiche gesundheitliche Vorteile des Knoblauchs eindeutig wissenschaftlich belegt, doch insbesondere von den enthaltenen Vitamin ist aufgrund der geringen Menge keine besondere Wirkung zu erwarten. Beispielweise müssten schon mehrere hundert Gramm Knoblauch pro Tag verzehrt werden, um auf die empfohlene Tagesdosis Vitamin C zu kommen.

Knoblauch: Heilpflanze seit über 3.000 Jahren
Seit mehr als 3.000 Jahren wird die gesundheitsfördernde Wirkung des Knoblauchs zu Heilzwecken genutzt. Das Lauchgewächs „wurde bereits in altägyptischen Schriften aus der Zeit um 1550 vor Christus als Heilmittel genannt und gilt bis heute als Prophylaktikum und Heilmittel für viele Erkrankungen“, zitiert „Welt Online“ die Expertin Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik in Aachen. Die positive Wirkung auf die Gesundheit werde durch die Inhaltsstoffe der Knolle, wie die zahlreichen Vitamine (Vitamin A, B, C), die Mineralstoffe (zum Beispiel Kalium und Selen), aber auch die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe wie Polyphenolen oder Sulfide, erreicht. Zudem habe Knoblauch einen hohen Gehalt an Adenosin, das als ein Baustein für den Zellstoffwechsel von Bedeutung ist.

Vitamine und Mineralstoffe im Knoblauch mit geringer Wirkung
Doch nicht alle gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe des Knoblauchs fallen bei den relativ geringen Verzehrmengen gleichermaßen ins Gewicht, so Stefan Weigt vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung in Gießen. Wie Weigt erläutertet, sind die Konzentrationen der Mineralstoffe und Vitamine verhältnismäßig gering und es müssten schon sehr große Mengen Knoblauch verzehrt werden, um auf die empfohlene Tagesdosis zu kommen. Beispielsweise wären rund 800 Gramm Knoblauch nötig, um den Tagesbedarf an Vitamin C zu decken. Allerdings enthält Knoblauch neben den Mineralstoffen und Vitaminen zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, die einen äußerst positiven Effekt auf die Gesundheit entfalten. „In puncto sekundärer Pflanzenstoffe können die Knollen richtig auftrumpfen, und zwar vor allem mit den Sulfiden", so die Aussage des UGB-Experten.

Sulfide zeigen äußerst positive Effekte auf die Gesundheit
Die schwefelhaltige Verbindungen sind nicht nur in Knoblauch sondern auch in Zwiebeln und Lauch enthalten. .Ihre Konzentration im Knoblauch ist jedoch besonders hoch. Dabei können die „Sulfide in vielerlei Hinsicht einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Beispielsweise wirken sie antimikrobiell und entzündungshemmend“, so die DGE-Expertin Antje Gahl. Die Sulfide könnten demnach Infektionskrankheiten wie Erkältungen vorbeugen und bei deren Behandlung helfen. Wissenschaftlich belegt sei die positive Wirkung für Erkältungen unter anderem durch Untersuchungen der Universität Arizona (USA). Auch hätten Studien der Universität Sheffield (Großbritannien) gezeigt, dass Knoblauch dem Entstehen von Parodontose und anderen Mundschleimhauterkrankungen entgegenwirkt. Durch die antimikrobiell wirkenden Sulfide, werde das Wachstum der Erreger gehemmt.

Senkung der Blutfettwerte durch Knoblauch-Verzehr
Hinzu kommt eine positive Wirkung des Knoblauch auf die Blutfettwerte. So haben mehrere Studien eindeutig erwiesen, dass die Inhaltsstoffe des Lauchgewächses die Blutfettwerte senken und daher vorbeugend gegenüber Erkrankungen der Blutgefäße, wie beispielsweise Arteriosklerose, wirken. Die Cholesterinwerte lassen sich durch den regelmäßigen Knoblauch-Verzehr insgesamt deutlich senken, bestätigte auch Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik. Es sei erwiesen, dass die Sulfide im Knoblauch „den Cholesterol- und Triglyceridspiegel im Blut – also die Blutfettwerte – reduzieren“, so die Expertin. Dies wurde unter anderem auch von einer Arbeitsgruppe am Nationalen Kardiologischen Forschungszentrum in Moskau festgestellt, die nach zwölf Wochen Knoblauch-Therapie bei einer Testgruppe mit 42 Freiwilligen eine Senkung des Gesamtcholesterins um 7,6 Prozent beobachtete.

Knoblauch schützt vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und Thrombosen
Stefan Weigt vom UGB erklärte, dass der regelmäßige Verzehr von Knoblauch über die Senkung der Blutfettwerte möglicherweise vor Arteriosklerose schützen kann. Diese Gefäßkrankheit wird bedingt durch Ablagerungen von Blutfetten und Kalk an den Gefäßwänden. Die Elastizität der Blutgefäße leidet und es zeigen sich zunehmenden Verengungen, die den Blutfluss behindern oder sogar vollständig blockieren können. Die Folge der Arterien-Degeneration können Thrombosen, Herzschmerzen aufgrund einer Angina pectoris, Schlaganfälle, ein Herzinfarkt oder der plötzliche Herztod sein. Regelmäßiger Knoblauch-Verzehr reduziert demnach auch das Risiko entsprechender Herz-Kreislauferkrankungen, erläuterte der UGB-Experte. Zwar sei eine unmittelbare Schutzwirkung des Knoblauchs gegenüber den genannten Krankheiten bisher nicht eindeutig wissenschaftlich belegt, aber die Senkung der Blutfettwerte habe einen nicht von der Hand zu weisenden positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System. Dies ist vermutlich auch einer der Gründe dafür, dass Menschen aus Mittelmeerländern, in denen traditionell viel Knoblauch gegessen wird, statistisch gesehen seltener an Herz-Kreislauferkrankungen leiden, berichtet „Welt Online“.

Knoblauch zur Vorbeugung von Krebs?
Neben den bereits dargestellten gesundheitsfördernden Effekten des Knoblauchs ist auch dessen antioxidative Wirkung durchaus positiv zu bewerten. So liefern aktuelle Studien Hinweise darauf, dass Knoblauch eine vorbeugende beziehungsweise sogar lindernde Wirkung gegenüber Darmkrebs entfalten kann. Dem Knoblauch werde nicht ohne Grund nachgesagt, „dass er dank seiner antioxidativ wirkenden sekundären Pflanzenstoffe Zellschädigungen und das Entstehen von Tumorzellen hemmen kann“, so die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Antje Gahl. Zwar fehle hier noch der endgültige Beweis, doch „die Analyse einer Reihe von Tierversuchen und statistischen Erhebungen legt nahe, dass Knoblauch das Krebsrisiko senkt.“ Beim Magen- und Darmkrebs gelte dies quasi als belegt, so Gahl. Die Antioxidantien im Knoblauch haben die Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren, welche als zellschädigend gelten und zur Entartung von Zellen beitragen können.

Regelmäßiger Knoblauch-Konsum besonders wichtig
Um einen positiven gesundheitlichen Effekt des Knoblauch-Verzehrs zu erzielen, ist es laut Aussage der Experten vor allem wichtig, Knoblauch regelmäßig zu konsumieren. „Am besten täglich – wobei eine mittlere Dosis von um die vier Gramm empfohlen wird“, betonte Margret Morlo. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die gesundheitsfördernden Schwefelverbindungen und andere sekundäre Pflanzenstoffe erst beim zerkleinern der Zähen aktiviert werden, ergänzte Stefan Weigt. Pressen, Zerschneiden oder Zerquetschen sind hier ähnlich gut geeignet. Des Weiteren sei zu bedenken, dass Knoblauch im rohen Zustand am meisten gesundheitsfördernde Substanzen enthält. Je länger das Knoblauch erhitzt wird, umso mehr verliert es demnach seine positive Wirkung auf die Gesundheit. Wer rohes Knoblauch nicht verträgt, sollte dies daher nur kurz anschwitzen, um möglichst viele seiner Wirkstoffe zu erhalten.

In der Naturheilkunde wird Knoblauch auch zur Behandlung von Würmern, Darmpilz und Dysbiose (Gleichgewichtsstörung) der Darmflora eingesetzt, wobei die Anwendung meist in Form eines Einlaufs aus drei zerquetschten Knoblauchzehen aufgekocht in einem Liter Wasser erfolgt. Die Flüssigkeit wird auf Handtemperatur abgekühlt und mit Hilfe eines in der Apotheke erhältlichen Irrigators eingeführt.

Knoblauch-Geruch einziger Nachteil
Trotz der vielseitigen gesundheitsfördernden Wirkung des regelmäßigen Knoblauch-Konsums, hat die dieser auch einen Nachteil, der vor allem die Mitmenschen betrifft. Der durch Poren und Atem freigesetzte Geruch wird vom Umfeld oftmals als unangenehm und störend empfunden. Ein Tipp ist hier kurzes Aufkochen mit Vollmilch, was auf natürliche Weise geruchsdämpfend wirken soll. Des Weiteren gilt die Zubereitung mit Spinat oder als Knoblauchsuppe mit Erbsen oder Linsen, als weitgehend geruchsfrei. Allerdings lassen sich die Ausdünstungen meist nicht gänzlich vermeiden, so dass im Sinne der Gesundheit die Mitmenschen im Zweifelsfall mit den Knoblauch-Geruch leben müssen. (fp)

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Bild 1: Petra Bork / pixelio.de
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