Gesunde Zähne: Durch diese Mundhygiene schweren Erkrankungen vorbeugen

Alfred Domke

Gesunde Zähne, gesunder Körper: Auf die richtige Mundhygiene kommt es an

Der Einfluss der Zahngesundheit auf die allgemeine Gesundheit ist lange Zeit unterschätzt worden. Saubere Zähne und gesundes Zahnfleisch sind auch wichtig für einen gesunden Körper. Wer schlechte Zähne hat, hat unter anderem ein größeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden. Gesundheitsexperten erklären worauf es bei der Mundhygiene ankommt.


Parodontitis kann zu schweren Erkrankungen führen

In Deutschland leiden rund drei von vier Erwachsenen unter Parodontitis. Diese chronische Entzündung des Zahnhalteapparats schädigt nicht nur die Zähne, sondern kann laut wissenschaftlichen Untersuchungen auch lebensgefährliche Erkrankungen auslösen. So können die Keime über die Entzündungsherde im Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen und auf diese Weise unter anderem Diabetes, Gefäßverkalkungen oder einen Herzinfarkt begünstigen. Zudem haben US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass bei manchen Frauen ein hohes Brustkrebsrisiko durch Parodontitis besteht. Um vorzubeugen, sollte auf die richtige Mundhygiene geachtet werden.

Die richtige Mundhygiene schützt nicht nur vor Karies und Zahnfleischproblemen, sondern auch vor schwerwiegenden Krankheiten. Experten erläutern, worauf es beim Zähneputzen ankommt. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Karies und Zahnschmerzen vorbeugen

Durch richtige Mundhygiene kann man nicht nur oben genannten Krankheiten, sondern natürlich auch Karies, Zahnfleischentzündungen, Zahnschmerzen und unangenehmem Mundgeruch vorbeugen.

Nichts eignet sich dafür so gut wie regelmäßiges Zähneputzen.

Doch was gehört alles zur richtigen Zahnpflege? Sollte man besser manuell oder elektrisch putzen? Welche Zahnpasta ist zu empfehlen? Bringen Zahnpflege-Kaugummis etwas? Experten haben einige sinnvolle Tipps.

Zähne zweimal täglich putzen

Eine gewissenhafte Mundhygiene kann grundsätzlich gar nicht früh genug beginnen, denn schon Milchzähne müssen äußerst gründlich gereinigt werden.

Zahnärzte raten, die Zähne mindestens zweimal täglich zu putzen. Und zwar am besten nach dem Frühstück und vor allem nach dem Abendessen. Laut Fachleuten ist die Zahnpflege abends wesentlich wichtiger als am nächsten Morgen.

Wie lange man putzen soll, ist unter anderem von Faktoren wie der Menge der Zähne im Mund, dem eigenen Geschick, der Putztechnik und auch den benutzten Hilfsmitteln abhängig. Die optimale Putzzeit wird meist mit zwei bis fünf Minuten angegeben.

Zwar gingen Experten bis vor kurzem davon aus, dass man nach einer Mahlzeit mit säure- oder zuckerhaltigen Lebensmitteln eine halbe Stunde bis zum Zähneputzen warten sollte, da die Säure Mineralien aus dem Zahnschmelz löse und man mit dem Putzen diesen Vorgang noch verschlimmere – Zahnschmelz werde weggeputzt.

Doch mittlerweile wird diese Empfehlung von Zahnmedizinern kritisch diskutiert, weil die Vorteile des Putzens direkt nach dem Essen die möglichen Nachteile zu überwiegen scheinen.

Zahnzwischenräume richtig reinigen

Zu bedenken ist, dass die Zahnbürste nur ungefähr 70 Prozent der Schmutzbeläge erwischt – der Rest sitzt zwischen den Zähnen. Daher sollte man mindestens einmal täglich die Zahnzwischenräume richtig reinigen.

Zahnseide ist dafür am besten geeignet. Allerdings muss man aufpassen, dass man das Zahnfleisch nicht verletzt. Als Alternativen eignen sich auch Zahnhölzer, Zahnsticks oder Zahnzwischenraumbürsten.

Auch Mundspülungen reinigen Zahnzwischenräume. Um seine eigenen Putzerfolge zu kontrollieren kann man hin und wieder eine Anfärbetablette verwenden, die zeigt, welche Bereiche nicht sauber geworden sind.

Elektrische Zahnbürsten vor allem im Alter sinnvoll

In der Regel empfehlen Zahnärzte Bürsten mit weichen bis mittelharten, abgerundeten Borsten und kurzem Kopf. Mit diesen erreicht man auch die hinteren Zähne leichter.

Viele Fachleute meinen, dass elektrische Zahnbürsten bessere Ergebnisse bringen. Und zwar vor allem deshalb, weil die Bürstenköpfe vibrieren oder rotieren, so dass die eigenen Bewegungen unterstützt und erleichtert werden.

Zudem können elektrische Zahnbürsten gerade bei eingeschränkter Beweglichkeit, zum Beispiel im Alter, sinnvoll sein.

Kinder sollten die richtige Putztechnik allerdings erst mit einer Handzahnbürste lernen, bevor sie später vielleicht auf eine elektrische Zahnbürste umsteigen.

Zähneputzen im Alter

„Für Menschen, deren Geschicklichkeit im Alter abgenommen hat oder deren Feinmotorik durch eine Behinderung eingeschränkt ist, gibt es Spezialzahnbürsten“, erläutert die Initiative proDente auf ihrer Webseite.

„Ein größerer, robuster Griff erleichtert das Festhalten der Zahnbürste. So kann sie besser geführt werden. Der Bürstenkopf sollte ein abgerundetes Kopfende haben, um Verletzungen im Mund zu vermeiden“, heißt es dort weiter.

Und: „Er darf zudem nicht zu klein sein, damit die Zähne auch bei kürzerer Putzzeit ausreichend sauber werden.“

Nicht zu viel Druck ausüben

Von zu viel Druck beim Putzen wird abgeraten, denn dadurch kann unter Umständen der Zahnschmelz geschädigt werden.

So kann Schrubben auch zu Schäden am Zahnfleisch und am Zahnhals führen, weil dadurch die Zahnhartsubstanz weggescheuert wird.

Der Druck beim Putzen sollte 150 Gramm entsprechen, das kann man ausprobieren, indem man mit der Zahnbürste auf eine Küchenwaage drückt.

Wenn die Borsten der Zahnbürste schon nach vier Wochen verbogen sind, ist das ein Anzeichen für zu viel Druck. Eine Zahnbürste sollte normalerweise etwa alle drei Monate ausgetauscht werden.

Auch nach einer Erkältung sollte die Bürste am besten ausgewechselt werden, um sich nicht erneut zu infizieren.

Auf die richtige Technik kommt es an

Von Experten wird dazu geraten, immer in der gleichen Reihenfolge zu putzen, damit sich eine Routine einstellt und kein Bereich vergessen wird. Kropp empfiehlt die sogenannte KAI-Technik.

Das bedeutet, dass erst die Kauflächen, dann die Außenflächen und dann die Innenseiten der Zähne gereinigt werden.

Es wird grundsätzlich von Rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zahn) geputzt. Rütteln und Streichen ist laut Zahnmedizinern besonders sinnvoll.

Auf der Webseite der Bundeszahnärztekammer ist ein Video zu finden, das in 60 Sekunden erklärt, wie die KAI-Systematik funktioniert.

Zuckerfreie Kaugummis und gesunde Ernährung

Dass Kaugummikauen für gesunde Zähne sorgen kann, liegt nicht daran, dass durch die zuckerfreien Produkte Zahnbeläge entfernt werden, sondern dass dadurch der Speichelfluss angeregt wird.

Speichel hat eine antibakterielle und reinigende Wirkung und sorgt dafür, dass Mineralien, die beispielsweise durch Zucker oder Säuren entzogen werden und den Zahn dadurch anfälliger für Karies machen, wieder im Zahnschmelz angelagert werden.

Sie sollten etwa fünf bis zehn Minuten lang nach dem Essen gekaut werden. Kaugummis sind zwar eine gute Ergänzung zur Zahnpflege, ersetzen das Zähneputzen aber nicht.

Das sieht auch Dr. Stephan Ziegler, Zahnarzt und Leiter der KU64-Zahnarztpraxis aus Berlin so.

Der Mediziner, der in einem Beitrag von „Heilpraxisnet“ über Irrtümer der Zahn- und Mundhygiene aufklärte, sagte: „Grundsätzlich kann kein anderes Mittel die Reinigungskraft einer Zahnbürste ersetzen.“

Neben zuckerfreien Kaugummis können auch einige Ernährungstipps für ein strahlendes Lächeln helfen. So können unter anderem Karotten, Mineralwasser und Vollkornprodukte dazu beitragen, die Zähne gesund zu halten.

Gute Zahncreme muss nicht teuer sein

Nicht zuletzt kommt es bei der Mundhygiene auch auf die richtige Zahnpasta an. Diese sollte Fluorid enthalten. Das schützt vor Karies.

Für Kinder bis sechs Jahre sollte Zahncreme maximal 500 ppm (parts per Million – Teile von einer Million) enthalten, Zahnpasta für Erwachsene 1.450.

Sogenannte Weißmacher-Zahncremes mit groben Putzkörpern können den Zahnschmelz schädigen und sind daher laut Fachleuten nicht zu empfehlen.

Gute Qualität muss auch nicht teuer sein. So stellten die Verbraucherschützer der Stiftung Warentest in einer Untersuchung fest, dass Zahnpasten für 65 Cent mitunter besser sind, als Produkte, die ein Vielfaches davon kosten. (ad)