Gesunder Lebenswandel durch minimale Tricks

Sebastian

Lebenswandel: Besser Tricks als rationale Appelle

22.09.2012

Ernährungswissenschaftler und Gesundheitsexperten weisen immer wieder auf die Vorzüge des gesunden Lebensstils hin. Kaum einer kann trotz der zahlreichen Tipps tatsächlich seinen ehemals ungesunden in einen gesunden Lebenswandel verändern. Wie Verhaltensforscher herausfanden, kann die kognitive Einschätzung daran nicht viel verändern. Für den Gesundheitswandel reichen ein paar kleine Tricks, um den inneren Konflikt zu überlisten.

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„Gute Ratschläge erteilte mir mein Arzt, nachdem die Laborwerte erhöhte Leberwerte zeigten. Doch mich daran halten konnte ich mich nicht“, berichtet eine Patientin. So oder so ähnlich ergeht es auch den meisten Menschen, wenn sie grundlegendes im Leben ändern sollen. Die Wissenschaftlerin Theresa Marteau von der britischen Universität Cambridge und ihr Team resümieren in dem in „Science“ veröffentlichten Fachartikel, dass „ein paar kleine Tricks ausreichen, um den Lebenswandel zu ändern“. Im Verlauf einer Forschungsarbeit stellten sie fest, dass allein „gute Ratschläge nicht ausreichen, um das Leben gesünder zu gestalten“.

Ernährungsprogramme bringen meist nur wenig
Die Tricks sind so einfach und doch effektiv. Die einfachste Regel dabei ist, es den Menschen so einfach wie möglich zu machen, um sich zu verändern. Es reiche zum Beispiel schon aus, die Salatbar statt dem Fleischstand in nächste Reichweite aufzubauen oder die Treppe nicht hinter dem Fahrstuhl, sondern in unmittelbarer Nähe zu bauen. Diese simplen „Tricks“ würden nach Auffassung der Forscher eher zu einer Lebensveränderung führen, als Gesundheitsinformationen oder gut gemeinte Ermahnungen, wie die Verhaltensforscher im Fachjournal schreiben.

Diät- oder Ernährungsprogramme nutzen nur wenig. Ursächlich hierfür ist die Art und Weise, wie Menschen auf der bewussten, aber auch unbewussten Ebene kognitiv treffen, so Studienautorin Marteau. Selten entscheiden sich demnach Menschen auf der Metaebene aus sachlichen Gründen, sondern meist aus Gewohnheit, Gewohnheit oder geringen Anlässen.

„Rationelle Appelle helfen nicht, um den Konflikt zwischen gesunden Lebensstil und Faulheit zu führen“. Das habe bereits die Verhaltensforschung in mehreren Wissenschaftsarbeiten belegt. Obwohl rationell getroffene Urteile schneller zum Erfolg führen müssten, „überwiegt die Gewohnheit, da sie ohne weitere Überlegungen funktioniert“. Menschen müssen auch nicht immer nachdenken, um den Weg in die eigenen vier Wände zu finden, begründen die Autoren den „Gewohnheitsmensch“.

Äußere Begebenheiten verändern Gewohnheiten
Effektiver wäre es, wenn der Weg zur gewünschten Entscheidung durch äußere Einflüsse vereinfacht würde. So könnten neue und gesündere Gewohnheiten alte ablösen. Dabei sind die Möglichkeiten zur Beeinflussung „schiere endlos“, so Marteu. Diese reichen von einer ansehnlicheren Aufmachung gesunder Produkte und deren schnell erreichbare Platzierung in der Kantine oder Einkaufsmarkt bis hin zur Umgestaltung der architektonischen Beschaffenheit von Bürogebäuden, „die zu mehr aktiver Bewegung in den Pausen einlädt“.

Schmale Gläser verleiten zum weniger trinken
Bei einer Studie habe sich herausgestellt, dass bloße Abschalten des Aufzüge oder das verlangsamte Schließen der Fahrstuhltüren, sehr viel mehr Menschen die Treppe nutzten. Auch das Trinken von schmalen Gläsern zeigte, dass die Probanden weniger tranken, als bei breiten Gläsern mit dem gleichen Fassungsvolumen. Wurde die Salatbar näher an den Sitzplätzen aufgestellt und der Dessert-Bereich weiter nach hinten verschoben, nutzen mehr Menschen die Salatbar, um gesunde Speisen zu verzehren.

So könne das Verhalten unbewusst zu einer sehr viel gesünderen Lebenshaltung gesteuert werden. Der mitunter anstrengende Konflikt zwischen den Wünschen und dem Sinnvollen müsse dann nicht geführt werden. (sb)