Das Leben um 17 Jahre verlängern

Heilpraxisnet

Lebenserwartung um bis zu 17 Jahre verlängern

19.08.2014

Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums haben errechnet, wie viel Lebenszeit welcher Lebenswandel kostet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Rauchen das schlimmste aller Laster ist. Wer die Finger von Zigaretten lässt, auf Alkohol und auf rotes Fleisch verzichtet sowie Übergewicht vermeidet, kann bis zu 17 Jahre länger leben.


Verbleibende Lebenserwartung berechnet
Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben in einer Studie errechnet, wie viel Lebenszeit welcher Lebenswandel kostet. Dafür berechneten die Epidemiologen um Prof. Rudolf Kaaks vom DKFZ im Rahmen einer europaweiten Studie (EPIC) zum einen, wie sich jedes einzelne Risikoverhalten auf die Lebenserwartung eines heute 40-Jährigen auswirkt und zum anderen, welche Folgen eine Kombination verschiedener Risikofaktoren mit sich bringt. „Wir haben die verbleibende Lebenserwartung berechnet – und wie man sie durch ein ungesundes Leben im Schnitt verkürzt“, so Kaaks laut Presseberichten. Demnach verschenken Männer bis zu 17 und Frauen fast 14 Jahre.

Risikofaktoren einzeln und in Kombination
„Wir wollten in der Studie die Hauptrisikofaktoren, die schon bekannt sind, quantitativ betrachten: Welchen Anteil am Auftreten von häufigen chronischen Erkrankungen – und damit am Verlust von Lebenserwartung – kann man diesen Faktoren zuweisen“, so Kaaks. Bei der Studie handele es sich um die erste, die errechnet, wie viel Lebenszeit unterschiedliche Risikofaktoren sowohl einzeln als auch in Kombination kosten. Kaaks erklärte: „Unsere Ergebnisse zeigen zum Beispiel den statistischen Unterschied der Lebenserwartung von Rauchern – im Vergleich zu denen, die nie geraucht haben.“ Ihm gehe es dabei aber weder um eine Voraussage real verbleibender Lebenszeit noch um eine individuelle Risikoberechnung. Es geht um Statistik mit Durchschnittswerten.

Rauchen fordert die meisten Lebensjahre
Den Berechnungen zufolge haben Nichtraucher mit einem Body Mass Index zwischen 22,5 und 24,9 – das liegt im eher oberen Bereich des Normalgewichts –, die wenig Alkohol tranken, körperlich aktiv waren und wenig rotes Fleisch, stattdessen aber viel Obst und Gemüse verzehrten, die größte Lebenserwartung. Männer, die derzeit 40 Jahre alt sind und so leben, können im Schnitt 87,5 Jahre alt werden, Frauen sogar 88,7. Werden die einzelnen Lebensstil-Faktoren betrachtet, zeigt sich, dass Rauchen die meisten Lebensjahre fordert. Ein Mann, der täglich mehr als zehn Zigaretten raucht, verliert dadurch im Schnitt 9,4 Lebensjahre. Bei einer Frau sind es durchschnittlich 7,3 Jahre. Und auch wenn weniger als zehn Zigaretten pro Tag konsumiert werden, sinkt die Lebenserwartung beider Geschlechter um etwa fünf Jahre. Laut einer früheren Veröffentlichung des DKFZ schädigt Rauchen nahezu jedes Organ im Körper. Besonders stark betroffen sind demnach die Atemwege und das Herz-Kreislaufsystem: Rauchen verursacht bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle und ist die bedeutendste Ursache für die Entwicklung chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen. Zudem wird durch Rauchen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

Übergewicht und Alkoholkonsum begünstigen zahlreiche Krankheiten
Bei Männern mit Adipositas reduziert sich die Lebenszeit um 3,1 und bei Frauen um 3,2 Jahre. Übergewicht begünstigt unter anderem das Entstehen von Diabetes. Und bei starkem Alkoholkonsum, der von den Forschern mit mehr als vier Drinks pro Tag definiert wird, sinkt die Lebenserwartung um rund drei Jahre. Durch Alkoholkonsum werden zahlreiche Krankheiten, wie etwa Fettleber oder Gastritis begünstigt beziehungsweise verursacht sowie die Gefahr eines bösartigen Tumors in Leber, Magen und Darm sowie im Mund- und Rachenbereich erhöht. Frauen, die viel rotes Fleisch essen, müssen damit rechnen, dass sie dadurch 2,4 Jahre und Männer 1,4 Jahre verlieren. In zahlreichen älteren Studien wurde der Verzehr von rotem Fleisch mit erheblichen gesundheitlichen Risiken, wie beispielsweise einer Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs oder Diabetes in Zusammenhang gebracht. Überraschenderweise machte sich in der aktuellen Untersuchung ein Mangel an körperlicher Aktivität den Forschern zufolge nicht signifikant bei der Lebenserwartung bemerkbar.

Alle wollen älter aber nicht alt werden
Wie Kaaks erläuterte, erweist sich bei all diesen ungesunden Lebensgewohnheiten als problematisch, dass es oft „nicht allein bei einer einzigen bleibt.“ Die Wissenschaftler ermittelten daher auch, zu welchen Konsequenzen eine Kombination mehrerer riskanter Lebensstil-Faktoren führt. „Demzufolge büßt ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, gegenüber dem Mitmenschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre Lebenserwartung ein. Bei einer Frau wären es 13,9 Jahre“, so der Heidelberger Epidemiologe. Da wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil oft als „erhobener Zeigefinger“ empfunden werden, meint Kaaks: „Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet.“ Zudem verweist der Wissenschaftler darauf, was neben der Lebenserwartung eine vielleicht noch größere Rolle spielt, die Lebensqualität: „Wir wollen alle immer älter werden, aber wir wollen nicht alt sein.“ (ad)

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de