Gesundheit: Die Zeit der Zecken hat begonnen

Fabian Peters

Gesundheitsexperten empfehlen Schutzmaßnahmen in der beginnenden Zeckensaison

30.03.2011

Immer wieder haben Experten in den vergangenen Wochen davor gewarnt, dass mit dem wärmeren Wetter auch die Zecken wieder aktiv werden. Durch die Beachtung weniger Grundregeln lässt sich das Risiko eines Zeckenbisses und die Gefahr der Krankheitsübertragung jedoch minimieren, betonte aktuell der Leiter des Gesundheitsamts am Unterallgäuer Landratsamt, Dr. Wolfgang Glasmann, gegenüber der Zeitung „Augsburger Allgemeine“.

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Da durch einem Zeckenbiss (auch Zeckenstich) auch Krankheiten wie Borreliose oder eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns/der Hirnhäute) übertragen werden können, sollten insbesondere Menschen, die häufig im Freien arbeiten oder hier ihre Freizeit verbringen, einige Schutzregeln beachten, mahnen Experten. Nicht nur zur Vorbeugung von Zeckenbissen sondern auch bei der Entfernung anhaftender Zecken, seien die Details entscheidend, um das Risiko zu minimieren.

Risiko von Zeckenbissen deutschlandweit äußerst unterschiedlich
Zunächst ist festzuhalten, dass das wesentliche Gesundheitsrisiko eines Zeckenbisse in der Übertragung gefährlicher Krankheitserreger – insbesondere der Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – besteht. Die Gefahr einer FSME-Erkrankung nach einem Zeckenbiss ist jedoch in den verschiedenen Regionen Deutschlands äußerst unterschiedlich. Nach Aussage von Dr. Glasmann werden aktuell 136 der 440 Landkreise und kreisfreien Städten hierzulande als FSME-Risikogebiete eingestuft. Seit 1998 habe sich die Anzahl dieser Risikogebiete von damals 63 verdoppelt, betonte der Experte. Dabei ist nach Aussage des Mediziners in Süddeutschland das Risiko einer FSME-Erkrankung durch einen Zeckenbiss besonders hoch. „In Süddeutschland konzentrieren sich die Fälle, in Norddeutschland gibt es faktisch keine“, erklärte Dr. Glasmann. Die meisten FSME-Risikogebiete erstrecken sich über Bayern, Baden-Württemberg und Teile Thüringens.

Entsprechende Kleidung hilft beim Schutz vor Zecken
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, warten die kleinen Blutsauger meist in Wiesen, Gras und Sträuchern auf ihre Opfer. Klimatisch fühlen sich die Zecken nach Aussage des Experten in Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit besonders wohl. Meist krabbeln die kleinen Spinnentiere an Grashalmen hinauf und sobald ein Mensch oder ein Tier vorbeistreift, bleiben die Zecken haften. Die in Europa verbreitetste Zeckenart ist dabei der gemeine Holzbock, der auch als Hauptüberträger der FSME gilt. Um sich bei einem Aufenthalt im Freien vor Zeckenbissen zu schützen, empfehlen Experten körperbedeckende Kleidung – langärmelige Oberteile und lange Hosen mit geschlossenen Bündchen sowie festes Schuhwerk. Bei der Rückkehr sollte der ganze Körper gründlich nach den kleinen Blutsaugern abgesucht werden. Oft beißen die Zecken sich nicht sofort zu fest, sondern wandern über den Körper und suchen nach weichen Hautfalten wie den Kniekehlen, Achseln oder der Leistengegend, betonte der Fachmann.

Zecken mit schmaler Pinzette oder Zeckenzange entfernen
Wer einen Zeckenbiss bei sich entdeckt, sollte den anhaftenden Blutsauger am besten umgehend mit einer schmalen Pinzette oder einer Zeckenzange entfernen, raten die Experten. Schnelles Handeln minimiert dabei das Risiko einer Borreliose oder FSME-Erkrankung, da laut Dr. Glasmann in den ersten 24 Stunden nach dem Zeckenbiss erfahrungsgemäß kaum Krankheitserreger übertragen werden. Von der Behandlung der Zecke mit Öl oder Klebstoff ist ebenso wie von Drehungen oder Quetschungen des Tiere beim Entfernen abzusehen, weil ansonsten vermehrt Krankheitserreger in die Wunde ausgestoßen werden. Auch ist darauf zu achten, dass die Zecke vollständig entfernt wird, um das Übertragungsrisiko möglichst gering zu halten und Entzündungen zu vermeiden. Wer sich die Entfernung der Zecke nicht zutraut, sollte Hilfe beim Arzt suchen, erklärte Dr. Glasmann. Außerdem empfiehlt der Fachmann ,die Einstichstelle in den ersten Wochen nach dem Zeckenbiss zu beobachtet. Eine auffällige Rötung der Bisswunde könnte auf eine Entzündung hindeuten, ein sich allmählich ausbreitender rote Fleck um die Wunde herum, sei indes ein typisches Anzeichen für Borreliose, betonte der Experte. In beiden Fällen ist laut Aussage von Dr. Glasmann ebenfalls die Hinzuziehung eines Arztes geboten.

FSME durch Zeckenbiss – Bei Symptomen dringend Arzt aufsuchen
Das Infektionsrisiko bei einem Zeckenbiss ist besonders hoch, da beim Saugvorgang unverdauliche Nahrungsreste des Blutes in die Wunde des Wirtes abgegeben werden. So drohen Borreliose- und FSME-Erkrankungen mit äußerst langfristigen gesundheitlichen Folgen. Vor kurzem hatte Dr. Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologie an der Städtischen Klinik Pforzheim auf einer Pressekonferenz der Universität Hohenheim berichtet, dass von den FSME-Patienten „rund 70 Prozent (…) langwierige Folgeschäden“ erleiden. Auf die anfangs grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen können bei unterlassener Behandlung massive gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Lähmungen, Atemprobleme, Bewusstseinsstörungen, Sprach- und Gleichgewichtsstörungen bis hin zum Koma oder Tod der Patienten folgen. Nach Aussage des Neurologen leidet „die Hälfte der Patienten (…) auch zehn Jahre nach der Infektion an Lähmungen, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen oder Schluck- und Sprechstörungen“. Außerdem seien 30 Prozent der Studienteilnehmer einer Langzeitstudie innerhalb von zehn Jahren an den Folgen der Frühsommer-Meningoenzephalitis verstorben, erklärte Dr. Reinhard Kaiser.

Risiko chronischer Borreliose nach einem Zeckenbisse
Auch das Risiko der durch Zecken übertragenen Borreliose ist nach Ansicht der Experten nicht zu unterschätzen. Zwar ist Borreliose mit Antibiotika in der Anfangsphase relativ gut therapierbar, doch werde die Erkrankung oftmals nicht als solche erkrankt. Es droht ein chronischer Krankheitsverlauf, bei dem die Borreliose-Erreger anfangen im Körper zu streuen und zahlreiche weiterer Symptomen wie zum Beispiel wechselnde Gelenkschmerzen, Störungen des Tastsinns, Sehstörungen und Herzproblemen verursachen können Dabei könne die Borreliose nicht nur weitere Organe, Gelenke und Muskeln sondern auch das zentrale und periphere Nervensystem befallen, warnen die Experten. Typisch für eine Borreliose ist die sogenannte Wanderröte, welche sich meist erst um den Zeckenbiss als großer roter Fleck manifestiert, im weiteren Krankheitsverlauf jedoch auf dem Körper wandern kann. Wer nach einem Zeckenbiss Anzeichen einer Borreliose bei sich bemerkt, sollte ebenfalls dringend einen Arzt aufsuchen. (fp)