Gesundheit: EU verharmlost Bisphenol-A

Heilpraxisnet

Umweltschutz Verein Global 2000: Europäische Behörde verharmlost erneut Gefahr durch Massenchemikalie Bisphenol A.

Augen zu, Ohren zu: Die EFSA ignoriert wissenschaftliche Fakten zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Gestern veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihren seit Juli überfälligen Bericht zur Sicherheit von Bisphenol A (BPA). Trotz zahlreicher Studien, die die Risiken von BPA belegen, bleibt die EFSA bei ihrem industriefreundlichen Standpunkt, BPA stelle keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. "Die EFSA verabsäumt einmal mehr ihre Aufgabe, die Gesundheit der europäischen Bevölkerung zu schützen", empört sich Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von GLOBAL 2000. Zahlreiche Studien belegen, dass die Massenchemikalie BPA bereits in kleinsten Dosen wie ein Hormon im menschlichen Körper wirkt und beträchtlichen Schaden anrichten kann. Wissenschaftler und Mediziner haben mehrfach einen strengeren Umgang mit BPA eingemahnt. "Die EFSA beugt sich erneut ungeniert den wirtschaftlichen Interessen, die hinter einer unbeschränkten Verwendung von Bisphenol A stehen", so Hoffmann weiter.

Nachdem GLOBAL 2000 bereits vergangenes Jahr BPA in Schnullern und anderen Kinderprodukten nachgewiesen hat, kündigte Gesundheitsminister Stöger vergangene Woche ein nationalstaatliches Verbot für BPA in kindernahen Produkten an. Theoretisch besteht noch die Möglichkeit, dass der europäische Gesundheitskommissar BPA zumindest für besonders gefährdete Gruppen wie Kinder und Schwangere verbietet. "Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Daher muss das österreichische Gesundheitsministerium ein BPA-Verbot für kindernahe Produkte unbedingt umsetzen", so Hoffmann.

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BPA kommt in zahlreichen Alltagsprodukten vor. Es kann im Blut, Urin und Gewebe nahezu aller Menschen egal welcher Nationalität oder welchen Alters nachgewiesen werden. Hunderte Studien an verschiedensten Säugetieren, aber auch Studien an Menschen legen nahe, dass BPA für viele schwerwiegende Gesundheitsprobleme, wie Unfruchtbarkeit, Herz-Kreislauferkrankungen, Entwicklungsstörungen bei Kindern und Krebs mitverantwortlich ist. Das deutsche Umweltbundesamt kam bereits 2009 zu der Erkenntnis, dass die derzeit von der EFSA als sicher erachtete tägliche Aufnahmemenge von Bisphenol A um das 2000fache zu hoch angesetzt wäre, um Gesundheitsfolgen für Menschen ausschließen zu können. (pm, 04.10.2010)