Gesundheit: Schwindel richtig erkannt lässt sich gut therapieren

Fabian Peters
Bei korrekter Diagnose ist Schwindelgefühl meist gut behandelbar
Schwindelgefühle kennen die meisten Menschen. Treten diese wiederholt und ohne erkennbare Ursache auf, sollte dringend eine ärztlich Abklärung erfolgen. Denn hinter den Beschwerden können durchaus ernste Ursache stecken. Auch lässt sich der Schwindel nach richtiger Diagnose in vielen Fällen erfolgreich therapieren, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC).

Auf der 88. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie wird die Bedeutung der ausführlichen Anamnese bei Schwindelgefühlen einen besonderen Themenschwerpunkt bilden. Denn nur anhand einer korrekten Diagnose lässt sich der Schwindel zielgerichtet behandeln, betonen die Experten. Für die Anamnese bleibe jedoch im Arbeitsalltag der Mediziner oft zu wenig Zeit, so die Fachgesellschaft weiter.

Schwindel ist ein weit verbreitetes Beschwerdebild, das bei korrekter Diagnose der Ursachen jedoch relativ gut therapierbar ist. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Schwindelgefühl ein weit verbreitetes Symptom
Mehr als jeder zehnte Patient suche wegen Schwindelgefühlen pro Jahr einen Hausarzt auf und bei den über 70-Jährigen klage jeder dritte über entsprechende Beschwerden, berichten die Experten. Bei den über 80-Jährigen sei sogar jeder Zweite betroffen. Schwindel beeinträchtige vor allem ältere Menschen in ihrer Lebensqualität und könne zu sozialem Rückzug führen. Das Schwindelgefühle entstehe durch widersprüchliche Informationen der am Gleichgewichtssystem beteiligten Sinnesorgane. Als solche gelten das Gleichgewichtsorgan des Ohres und die zuständigen Nervenbahnen im Gehirn, die Augen, sowie die Stellungsfühler der Muskulatur, Sehnen und Gelenke.

Schwindel bei unterschiedlichsten Erkrankungen festzustellen
„Unsere Balance hängt stark vom Funktionieren verschiedener Körpersysteme ab“, erklärt Privatdozent Dr. med. Stefan Volkenstein, Oberarzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie der Ruhr-Universität Bochum (RUB). In der Pressemitteilung anlässlich der 88. Jahrestagung der DGHNO KHC weist der Experte außerdem ausdrücklich darauf hin, dass Schwindel keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom ganz unterschiedlicher Erkrankungen sei. „Diese beeinträchtigen die Körpersysteme, die für unser Gleichgewicht verantwortlich sind“, so Dr. Volkenstein weiter.

Therapie des Schwindels eine interdisziplinäre Herausforderung
Als mögliche Ursachen für Schwindel nennt der Oberarzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde zum Beispiel Erkrankungen im Innenohr, dem Sitz des Gleichgewichtsorgans, Störungen des Gleichgewichtszentrums im Gehirn, aber auch psychische Leiden. Zudem können Abnutzungserscheinungen der Halswirbelsäule im Alter, die sich auf die Gefäße und Nervenbahnen auswirken, welche für das Gleichgewicht eine Rolle spielen, ebenfalls zu Schwindelgefühlen führen. „Die Therapie des Schwindels ist daher eine interdisziplinäre Herausforderung“, betonte Dr. Volkenstein.

Schwindelgefühl bei älteren Menschen ein besonders Problem
Meist liegen die ursächlichen Erkrankungen laut Aussage des Experten im Bereich der HNO-Heilkunde, Neurologie und der Inneren sowie Allgemeinmedizin. So vielfältig wie die Ursachen, seien auch die Formen und die Dauer der Schwindelgefühle. Insbesondere bei älteren Menschen werde das Schwindelgefühl und Gangunsicherheit aber viel zu oft als hinzunehmende Begleiterscheinung des Alters abgetan. Erst kürzlich habe eine große Kohorten-Studie in Deutschland Schwindel als einen der Faktoren identifiziert, der die Lebensqualität älterer Menschen besonders stark beeinträchtigt. Das Schwindelgefühl halte Menschen zum Beispiel davon ab, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Schwindelgefühle müssen laut Dr. Volkenstein „auch deshalb unbedingt ernst genommen und richtig diagnostiziert werden.“

Zentrales Schwindelgefühl und Lagerungsschwindel
Bei den älteren Menschen liegen die Ursachen des Schwindels häufig in sensorischen Defiziten wie beispielsweise ruckelndem Sehen bei der sogenannte bilateralen Vestibulopathie, einer beidseitigen Schädigung des Gleichgewichtsorgans, erklärt der Mediziner. Auch sei zwischen zentralem Schwindel und gutartigem Lagerungsschwindel zu unterscheiden. Bei zentralem Schwindel liege der Ursprung für die Störung des Gleichgewichtssinns im Gehirn und mögliche Auslöser seien zum Beispiel Tumore des Hirnstamms oder Multiple Sklerose. Die Ursache des sogenannten gutartigen Lagerungsschwindels, der bei Veränderungen der Kopflage auftritt, liege indes in fehlplatzierten Kristallen im Innenohr. Allerdings lassen sich die Ursachen der Beschwerden mitunter nicht so einfach bestimmen. Der Schlüssel zur richtigen Diagnose liege hier bei allen Patienten mit Schwindelsymptomen in einer ausführlichen Anamnese durch den Arzt, betont Dr. Volkenstein.

Welche Therapieoptionen bestehen?
In einem ausführlichen Gespräch müsse der Arzt die Art, Dauer und das Auftreten der Symptomatik systematisch abklären. Auch seien bestehende Vorerkrankungen und mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten zu ermitteln. Anschließend werde eine klinische Verdachtsdiagnose erhoben, die in vielen Fällen vor allem durch HNO-ärztliche und neurologische Untersuchungsmethoden und bildgebende Verfahren abgesichert wird, erläutert die DGHNO KHC. „Richtig diagnostizierte Schwindelsyndrome haben eine gute Prognose und können häufig mit Medikamenten oder auch einem Schwindeltraining zur Sturzprophylaxe behandelt werden“, so Volkenstein weiter. Als letzte Option seien auch operative Therapieverfahren zu erwähnen, welche allerdings nur zum Einsatz kommen, wenn alternative Therapieverfahren ausgeschöpft sind. (fp)