Gesundheit: Stau macht krank

Fabian Peters

Forscher warnen vor gesundheitlichen Risiken der Verkehrsstaus

25.05.2011

Verkehrstaus sind eine Gefahr für die Gesundheit, besonders bei Männern. Zu diesem Ergebnis kommt die im Auftrag des Navigationsgerät-Herstellers „TomTom“ durchgeführte Studie„The Stress of Driving“, die die Auswirkungen von dichtem Verkehr und Stau auf die Stressbelastung der Autofahrer untersucht.

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Vor allem bei Männern steigt der Stresspegel im Stau erheblich. Die aktuelle Studie des Navigationsgerät-Herstellers TomTom zeigt, dass die Stressbelastung durch dichten Verkehr bei deutlich mehr Männern ansteigt, als bei Frauen. Es drohen ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, warnte Studienleiter David Moxon.

60 Prozent der Männer bei dichtem Verkehr gestresst
Im Rahmen der von TomTom in Auftrag gegebenen Studie hat David Moxon, den Anstieg der Stressbelastung bei dichtem Verkehrsaufkommen und Stau mittels sogenannter Stress-Marker im Speichel der Probanden analysiert. Dabei stellte der Wissenschaftler fest, dass der Stresspegel – also die Stress-Marker im Speichel – bei 8,7 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer während eines Staus deutlich anstieg. Insbesondere bei den Männern verursache das dichte Verkehrsaufkommen physiologischen Stress in ungesundem Ausmaß, so das Ergebnis der Studie. Der Gesundheitspsychologe David Moxon führt dabei die erhöhte Stressanfälligkeit der Männer während des Autofahrens auf evolutionsbedingte Ursachen zurück, denn die männlichen Autofahrer würden fortwährend zu einem „Kampf- oder Flucht-Verhalten“ angetrieben. Dadurch steigt ihr Stresspegel insbesondere bei dichtem Verkehrsaufkommen sehr schnell an, oft ohne das die Betroffenen dies überhaupt bemerken, berichten die Forscher.

Stressbelastung von Autofahrern oft unbemerkt
Die Autofahrer bemerken die erhöhte Stressbelastung im Stau selber häufig nicht. Auch wenn bereits Symptome wie Atemnot, Brustschmerzen, Muskelschmerzen und Schwindelgefühle auftreten, empfindet mehr als die Hälfte der gestressten Autofahrer persönlich keine erhöhte Belastung. Obwohl die Stress-Marker im Speichel eindeutig einen erhöhten Stresspegel belegten, gaben 67 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer 20 Minuten nach der Fahrt an, durch den dichten Verkehr überhaupt nicht gestresst worden zu sein, berichten die Wissenschaftler um David Moxon. Den Experten zufolge ist die erhöhte Stressbelastung bei Stau und dichtem Verkehr von sich aus schon problematisch für die Gesundheit. Doch dass sich die Autofahrer dieser Belastung nicht bewusst sind, könne die Risiken noch weiter erhöhen. Denn Autofahrer, die den Stress nicht bemerken, setzten sich womöglich häufiger als nötig belastenden Verkehrssituationen aus. Durch die anhaltende Ausschüttung von Stress-Hormonen können dabei die Immunfunktionen beeinträchtigt werden und es drohen Erhöhungen des Blutdrucks und ein Anstieg des Blutzuckerspiegels, warnen die Experten. Neben den gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen, kann von den gestressten Autofahrern mitunter auch eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer ausgehen. Denn gestresste Fahrer werden laut Aussage der Wissenschaftler aggressiver und teilweise unberechenbarer.

Partielle Ablenkung zur Stressreduzierung
Die Forscher haben im Auftrag von TomTom auch die Methoden unter die Lupe genommen, mit denen Autofahrer gegebenenfalls versuchen, ihr persönliches Stressempfinden zu reduzieren. Dabei bildet „partielle Ablenkung“ eine der geläufigsten und erfolgversprechendsten Möglichkeiten, mit der erhöhten Stressbelastung im Stau umzugehen, erklärten Moxon und Kollegen. 82 Prozent der Autofahrer nutzen laut Aussage der Forscher Musik um ihre Anspannung zu bekämpfen, 21 Prozent unterhalten sich mit ihren Beifahrern. Auch Telefonieren und Essen sind beliebte Methoden, um den Stress im Straßenverkehr zu reduzieren. Außerdem bilde Gesang eine gute Möglichkeit den persönlichen Stresspegel zu senken, schreiben Moxon und Kollegen. Diese Methode werde von zwei Drittel aller Frauen genutzt. Sie schaffen es, ihren Stresspegel durch das Singen deutlich zu senken, so das Ergebnis der aktuellen Studie. Offenbar sollten auch die Männer im Stau hin und wieder ein Liedchen schmettern, damit ihre Stressbelastung sinkt und gesundheitliche Konsequenzen langfristig vermieden werden können. (fp)