Gesundheitsbelastung: So übersteht die Leber die jährlichen Weihnachtstage

Alfred Domke

Alkohol und fettes Essen: An Weihnachten wird die Leber oft sehr beansprucht

Vor allem in der Weihnachtszeit wird häufig zügellos geschlemmt: Fetter Braten, Plätzchen, Glühwein und Eierpunsch. Das sorgt nicht nur für zusätzliche Pfunde, sondern belastet auch die Leber. Das Organ wird oft ohnehin schon das ganze Jahr überbeansprucht, wie auch die Zunahme der Fettlebererkrankungen zeigt. An und nach den Festtagen sollten daher einige Tipps beachtet werden.


Zunahme der Fettlebererkrankungen

Laut Gesundheitsexperten leidet mehr als ein Drittel der Deutschen an einer Fettleber. Die alkoholbedingte Fettleber entsteht durch starken übermäßigen Alkoholkonsum. Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFL) tritt meist bei Menschen auf, die sich viel zu wenig bewegen, an starkem Übergewicht leiden oder sich falsch ernähren. Laut der Deutschen Leberstiftung ist die Zahl der Patienten mit einer NAFL dramatisch angestiegen: Jeder vierte Bundesbürger über 40 ist demnach bereits betroffen und auch bei vielen Kindern ist das lebenswichtige Organ Leber immer häufiger krankhaft verändert.

Die Zahl der Bundesbürger mit einer nicht-alkoholischen Fettleber ist dramatisch angestiegen. Auch immer mehr Kinder sind betroffen. Experten warnen daher zur Weihnachtszeit vor zu ausgiebigem Schlemmen. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

An den Festtagen achten viele Bundesbürger nicht auf Kalorien

„Süße Weihnachten“ verzeichnen in Deutschland eine steigende Tendenz:

Laut der im Oktober 2017 europaweit angelegten Studie „Christmas Survey 2017“ zählen in Deutschland Süßigkeiten, Bargeld und Gutscheine zu den beliebtesten Geschenken bei Männern; bei Frauen sind es Süßigkeiten, Bücher und Kosmetikartikel.

Ohne Süßwaren geht es hierzulande beim Fest der Liebe offensichtlich gar nicht!

Zur Weihnachtszeit wird meist kräftig geschlemmt. Wie die Deutsche Leberstiftung in einer Mitteilung schreibt, gaben 78 Prozent der Deutschen in einer Umfrage an, dass sie an Weihnachten nicht auf Kalorien achten.

Und diese Sorglosigkeit, die sich bei vielen Bundesbürgern nicht nur auf die „besinnlichen Tage“ beschränkt, spiegelt sich im alarmierenden Anstieg der sogenannten nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL) wider.

Diese Entwicklung nimmt die Deutsche Leberstiftung zum Anlass, auf die Gefahren des allzu sorglosen Verzehrs von Süßem, Fettem und Alkoholischem hinzuweisen.

Verfettete Leber kann zu Krebs führen

„Die Produktion von Stopfleber bei Enten und Gänsen, wobei durch Zwangsfütterung die Leber der Tiere auf etwa das Zehnfache ihres Gewichtes anschwillt, ist in Deutschland zu Recht verboten“, so Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.

„Doch beim Menschen ist genau diese krankhafte Veränderung des lebenswichtigen Organs die häufigste Lebererkrankung in Deutschland. Neben Bewegungsmangel ist falsche Ernährung – und dazu zählen insbesondere auch Süßigkeiten und fettes Essen – eine der wesentlichen Ursachen für die Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleber“, erklärt der Experte.

„Eine verfettete Leber kann sich entzünden und zur Leberzirrhose oder zum Leberzellkrebs führen“, warnt der Mediziner.

Auch viele Kinder leiden an einer Fettlebererkrankung

„Besonders besorgniserregend ist, dass bereits etwa jedes zehnte Kind in Deutschland an einer Fettlebererkrankung leidet. Wir raten dringend, bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen immer auch eine Fettlebererkrankung abzuklären“, so Professor Manns.

Viele bemerken lange nichts von ihrer krankhaften Leber. Denn das Organ leidet stumm und erst wenn die Leber stark vergrößert ist, kommt es zu Symptomen wie Druckgefühl im Oberbauch, Müdigkeit und Appetitlosigkeit.

„Eine einfache Ultraschalluntersuchung kann Leberveränderungen sichtbar machen. Auch die Leberwerte (GPT, GOT und GGT), die im Rahmen einer Blutuntersuchung beispielsweise beim Kinderarzt festgestellt werden, können auf die Erkrankung hinweisen“, erläutert der Mediziner.

Mehr Bewegung und gesündere Ernährung

Bislang gibt es keine zugelassenen Medikamente zur Behandlung einer nicht-alkoholischen Fettleber. Therapien zielen in erster Linie auf eine Lebensstil-Veränderung, die mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung umfasst.

So hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass Fasten eine Fettleber abbauen kann.

Auch Artischocken-Tee oder Kapseln mit Mariendistel sollen gut für die Leber sein.

Dennoch muss nicht auf alles verzichtet werden – es sollte jedoch in Maßen und nicht ständig genossen werden.

Für die Weihnachtszeit 2017 empfehlen die Leber-Experten daher Spaziergänge anstelle des Sitzens im Fernsehsessel, öfter einen Salat anstatt der Wurst vom Weihnachtsmarkt und die Frage, ob jedes Weihnachtsgeschenk tatsächlich zusammen mit einem Schokoladen-Weihnachtsmann überreicht werden muss. (ad)