Gesundheitsbericht: In Bayern lebt man gesund

Sebastian

Gesundheitsbericht Bayern

In Bayern lebt man gesund: Bayern stellt sein ersten Gesundheitsbericht vor

(10.11.2010) Der bayrische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) zeigt sich angesichts des neuen Gesundheitsberichts zufrieden: Die Menschen rauchen weniger, bewegen sich mehr und verfügen zudem über eine deutlich höhere Lebenserwartung. Allerdings gibt es auch negatives zu berichten: Der Alkoholkonsum und Übergewicht bei Jugendlichen ist deutlich angestiegen.

In Bayern lebt es sich besser und gesünder
In Bayern lebt man gesund, jedenfalls könnte man angesichts der positiven Zahlen des neu vorgestellten Gesundheitsberichts zu keinem anderen Entschluss kommen. Doch es gibt auch alarmierende Tendenzen, die ernst genommen werden sollten. Zum einen konnte ein kontinuierlicher Anstieg des Alkoholkonsums unter Jugendlichen festgestellt werden. Zum anderen werden die Menschen immer dicker und leiden an Übergewicht. Auch ein Anstieg von psychischen Erkrankungen ist zu beobachten. Denn der wachsenden Stress im Berufsleben macht auch vor dem Bundesland Bayern nicht halt. Am Mittwoch zeigt sich der bayrische CSU-Gesundheitsminister Markus Söder dennoch sehr zufrieden, als er den ersten Gesundheitsbericht für Bayern vorstellte. Schon frohlockte der Ministers, wie es die eigentümliche Art eines Ministers aus Bayern ist: "In Bayern lebt es sich besser und gesünder als im Rest von Deutschland."

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Immer mehr Jugendliche leiden an Übergewicht und trinken mehr Alkohol
Doch im Land des Maß Bier und der Weißwurst sind auch negative gesundheitliche Zahlen zu berichten. Zwar geht der Anteil der Jugendlichen die Zigaretten rauchen immer weiter zurück, dafür entwickelt sich übermäßiger Konsum von Alkohol und deutliches Übergewicht zum zunehmenden gesellschaftlichen Gesundheitsproblem.

18,5 Prozent der Jugendlichen in Bayern berichten, innerhalb der letzten 30 Tage mindestens einmal fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander getrunken zu haben. Bundesweit kommt diese riskante Form des Alkoholkonsums, die Mediziner auch als „Rauschtrinken“ bezeichnen, mit 20,4 Prozent noch etwas häufiger vor. Jugendliche selbst sprechen von „Komasaufen“ oder „Kampftrinken“, wenn innerhalb kurzer Zeit große Alkoholmengen konsumiert werden. Dieses Trinkverhalten ist gesundheitlich besonders riskant, da es sehr schnell zu einer Alkoholvergiftung führen kann.

Deutliche Zunahmen der akuten Alkoholvergiftungen
Die Zahl von jungen Menschen unter 18 Lebensjahren, die wegen einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten, hat innerhalb weniger Jahre dramatisch zugenommen: In Bayern waren es im Jahr 2008 insgesamt 5 005 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren, in ganz Deutschland 25 509. Besonders besorgniserregend: bundesweit waren etwa 4 500 von ihnen erst zwischen 10 und 15 Jahren alt und damit in einer Altersgruppe, an die die Abgabe von Alkohol generell verboten ist. In Bayern gehören etwas mehr als 800 Heranwachsende dieser jungen Gruppe an. Der Organismus von Kindern und Jugendlichen ist besonders anfällig für Schädigungen durch Alkohol. Und je früher mit dem Konsum alkoholischer Getränke begonnen wird, desto höher ist das Risiko, dass sich später eine Abhängigkeit entwickelt.

Zum einen ist zu beobachten, dass sich die Häufigkeit starken Übergewichts (Adipositas) bei 12- bis 25-Jährigen in Bayern innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt hat, von 2,1 Prozent (1995) auf 4,0 Prozent (2005) – ein Trend, der vermutlich auch in Deutschland insgesamt besteht. Hintergrund dieser Zunahme sind sehr wahrscheinlich weniger Bewegung, dafür fett reicheres und ungesundes Essen. "Das sind zentrale Themen für die Zukunft", sagte Gesundheitsminister Söder.

Die Bayern leben am Längsten
Doch es gibt auch zahlreiche positive Entwicklungen zu berichten. In Bayern lebt es sich anscheinend am Längsten. Unter anderem haben die Bayern mit die höchste Lebenserwartung in Deutschland: Neugeborene Jungen werden heute im Durchschnitt 77,4 Jahre, Mädchen sogar 82,5 Jahre alt. Auch der Versorgungsgrad liegt mit 71000 Ärzten, 379 Krankenhäusern und Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheit von 3000 Euro über dem Bundestrend.

Neue Gliederung des Gesundheitsberichts
Neu an der Machart des Gesundheitsberichts sind die einzelnen Gliederungen. Denn man wolle, so Söder, alle Statistiken der Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren gesondert betrachten, um Trends zu erkennen und Strategien zu entwickeln. "Wir haben nun eine Datenbasis, mit der wir Gesundheitsstrategien für die Zukunft entwickeln können", sagte Söder. Um die Probleme in Zukunft besser in den Griff zu bekommen, wolle man in Bayern dazu übergehen, für jede Generation auch eine eigene präventive Kampagne zu starten. Das soll, so der Wunsch des Ministers, perspektivisch Kosten sparen.

Depressionen und Männergesundheit im Fokus
Die Gesundheit der Männer soll ebenfalls mehr in den Mittelpunkt rücken. Denn die Gesundheit von Männern wurde in den letzten Jahren bundesweit immer wieder vernachlässigt und das obwohl Männer im Schnitt häufiger von Erkrankungen betroffen sind als Frauen. Ebenso eine besondere Beachtung sollen psychische Störungen wie Depressionen oder „Burn out“ erhalten. "Zehn Prozent der Krankmeldungen gehen inzwischen auf Probleme wie Burn-out oder Depressionen zurück", sagte Söder. Während 47 Prozent aller Frauen in Bayern Vorsorgeangebote wahrnehmen, praktizieren das nur 17 Prozent der Männer. "Männer leben weniger gesundheitsbewusst. Wir müssen deutlich machen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, zum Arzt zu gehen." Das soll auch für Senioren gelten, die über die Krebsvorsorge besser informiert werden sollen. Weil für Menschen über 65 Stürze die dritt häufigste Todesursache sind, will das Gesundheitsministerium unter anderem mehr über Unfälle und Risiken aufklären.

Angesichts der schwierigen Haushaltslage bleibt abzuwarten, in wie weit das bayrische Gesundheitsministerium mehr Geld zur Prävention und Aufklärung aufbringen will. Für den Minister Söder scheint dies aber kein Problem zu sein. "Suchtberatung und Präventionsarbeit bleiben ungekürzt, wir schichten Mittel höchstens auf die neuen Schwerpunkte um", erklärte Söder. (sb)