Gesundheitsgefahr durch Kinderspielzeug

Fabian Peters

Stiftung Warentest: Jedes sechste Kinderspielzeug ein Gesundheitsrisiko

27.10.2011

Immer noch sind zahlreiche Kinderspielzeuge im Handel erhältlich, die ein erhebliches Gesundheitsrisiko mit sich bringen können. Die Stiftung Warentest hat erneut gravierende Sicherheitsmängel und potenzielle Gesundheitsgefahren bei Kinderspielzeugen aufgedeckt.

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Mehr als jedes Sechste getestete Kinderspielzeug enthielt gefährliche Schadstoffe oder wies technische Mängel (verschluckbare Kleinteile, Schlaufen mit Strangulationsgefahr) auf, die zu einer ernsthaften Bedrohung für die Kinder werden können, berichtet die Stiftung Warentest. Verbraucher sollten daher laut Aussage der Stiftung beim Kauf von Kinderspielzeug besonders vorsichtig sein.

Insgesamt 40 Kinderspielzeuge für drei- bis sechsjährige Kinder hat die Stiftung Warentest in der aktuellen Untersuchung überprüft. Sieben der getesteten Produkte erhielten die Note „mangelhaft“ und vielen damit durch – darunter auch zahlreiche Markenartikel. Allerdings wurde auch rund die Hälfte der getesteten Kinderspielzeuge mit der Note „gut“ oder „sehr gut“ bewertet, was im Vergleich zu der Spielzeug-Untersuchung Ende letzten Jahres eine durchaus erfreuliche Entwicklung darstellt. Damals entsprach der Großteil der untersuchten Spielwaren (80 Prozent) aufgrund der Gesundheitsrisiken nicht den Ansprüchen der Tester. Nach der aktuellen Untersuchung betont die Stiftung Warentest hingegen ausdrücklich, dass auch zahlreiche sichere und schadstofffreie Kinderspielsachen erhältlich sind, darunter auch Produkte von Markenherstellern wie Lego, Haba, Plantoys, Playmobil und Schleich.

Krebserregende Schadstoffe in Kinderspielzeugen
Eine erhöhte Schadstoffbelastung konnte die Stiftung Warentest unter anderem in Markenprodukten wie dem „Knights Angriffsturm" von Simba, den Safari Figuren (8er Set) von Brio und dem Modellzug von Tedi feststellen. Bei dem „Knights Angriffsturm" von Simba fanden die Tester in dem schwarzen Zugtorseile und dem grünen Ritter krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Bei dem Safari-Set von Brio entdeckte die Stiftung Warentest in den Metallrädern der Lok Nickel, das sich aus dem Spielzeug löst und bei Hautkontakt eine Kontaktallergie verursachen kann. Zudem enthielt der Lack der Brio-Lok zinnorganische Verbindungen, PAK und Octylphenolethoxylate. Die Schadstoffe beeinträchtigen das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit und gelten als potenziell krebserregend, begründete die Stiftung Warentest ihre Note „mangelhaft“. Der Tedi-Modellzug habe in den schwarzen Kunststoffschienen den krebserregenden Schadstoff PAK enthalten, so die Aussage der Tester. Andere Spielsachen vielen aufgrund von Schlaufen, die sich um den Hals des Kindes legen können und daher erhebliche Strangulationsgefahr mit sich bringen oder wegen löslicher, verschluckbarer Kleinteile bei dem aktuellen Test durch. Zudem warnte die Stiftung Warentest vor gefährliche Weichmachern wie Bisphenol A, die in Spielsachen mit weichen Plastikteilen enthalten sein können.

Verbraucher sollten auf Aussehen, Geruch und Haptik der Spielwaren achten
Den Verbrauchern empfiehlt die Stiftung Warentest beim Kauf von Kinderspielsachen besonders vorsichtig zu sein und auf die eigenen Sinne zu vertrauen. Riechen die Spielwaren auffällig oder sind knallig bunt, sollten laut Aussage der Experten die verarbeiteten Materialien zu hinterfragt werden und im Zweifelsfall ist auf die entsprechenden Kinderspielzeuge lieber zu verzichten. Bei Holzspielsachen sollten Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde am besten ausschließlich auf unlackierte Produkte zurückgreifen, mahnte die Stiftung Warentest. Zudem ist aufgrund der Weichmacher Plastikspielzeug aus hartem Kunststoff gegenüber weichem Plastikspielzeug vorzuziehen, so die Aussage der Stiftung Warentest. Stoffteile bei Puppen und Kuscheltiere sollten den Testern zufolge vor dem ersten Spielen unbedingt gewaschen werden. Ob sich möglicherweise verschluckbare Kleinteile lösen oder Strangulationsgefahr durch Schlaufen und Kordeln besteht, müssen die Verbraucher im Zweifelsfall selbst abschätzen, betonte die Stiftung Warentest.

Alternative: Spielwaren mit Bio Siegel oder aus Natur
Entdeckten Kunden einen Defekt an den Kinderspielsachen, der zum Gesundheitsrisiko für die Heranwachsenden werden könnte, sollte sie laut Aussage der Stiftung Warentest zum betreffenden Händler gehen. Wurde bei dem Produkt gegen rechtliche Regelungen verstoßen, haben Kunden ohnehin die Möglichkeit den Kaufpreis zurückzufordern und in dem Fall, dass eine generelle Gefahr für die Gesundheit der Kinder vermutet wird, können die entsprechenden Kinderspielzeuge auch beim Gewerbeaufsichtsamt gemeldet werden, erläuterten die Tester. Auch besteht bei online, per Post oder per Telefon bestellten Spielwaren generell die Option diese innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt ohne Angabe weiterer Gründe zurückschicken, erklärte die Stiftung Warentest. Um sicher zu gehen können Verbraucher sich auch bei Kinderspielsachen am Bio Siegel orientieren, wobei solche Spielwaren in speziellen Bio-Geschäften und in einigen großen Spielwaren Märkte erhältlich sind, allerdings meist deutlich mehr kosten als andere Kinderspielzeuge. Als kostengünstige Alternative bietet sich vor allem bei Kleinkindern auch ein Gang in die Natur an. So können aus Eicheln, Stöcken, Blättern und Kastanien verschiedenste Spielzeuge selbst kreiert werden. (fp)

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Bild: Rike / pixelio.de (Abbildung ist nicht betroffen)