Gesundheitsgefahren beim Pilzesammeln: Risiko lebensbedrohlicher Pilzvergiftung

Dr. Utz Anhalt
Der verregnete Sommer ist ein Paradies für Pilze. Schon im August gehen die Pilzsammler auf die Pirsch. Doch es besteht Lebensgefahr: Vorsicht bei der Pilzsuche. Der Grüne Knollenblätterpilz lässt sich leicht verwechseln – und das kann tödlich sein.

Giftnotruf auf Hochtouren
Der Giftnotruf in der Berliner Charité läuft derzeit auf Hochtouren. Die Pilzsaison startet und damit die Warnung vor gefährlichen Giftpilzen.

Der grüne Knollenblätterpilz ist tödlich giftig und lässt sich leicht mit Speisepilzen verwechseln. (awfoto/fotolia)

Vergiftung aus Unkenntnis
Die Toxikologin Friedrike Wittchen sagt: „Uns fällt eine Zunahme an Fällen auf, die Menschen betreffen, die einfach mal Lust hatten, Pilze zu sammeln, ohne sich auszukennen.“

Falsche Warnungen
Ein Grund für die Unkenntnis ist die Verteufelung des Fliegenpilzes. Der lässt sich nicht nur leicht erkennen, sondern wirkt vor allem halluzinogen statt tödlich. Um ernsthaft in Gefahr zu geraten, müssten sie Töpfe voller Fliegenpilze verschlingen – beim grünen Knollenblätterpilz kann hingegen ein einziges Exemplar tödlich sein.

Asylbewerber gefährdet
Betroffen sind besonders Asylbewerber. Viele kommen aus Ländern, in denen es keinen Knollenblätterpilz gibt. Sie halten ihn für essbare Pilze ihrer alten Heimat und bringen sich so in Lebensgefahr.

Guter Geschmack
Der tödliche Knollenblätterpilz schmeckt nicht schlecht, und deswegen erkennen ihn Betroffene nicht sofort als giftig.

Symptome sind trügerisch
Nach mehreren Stunden kommt es zu Durchfall und Erbrechen. Das Tückische dabei ist: Danach fühlen sich die Vergifteten erst einmal besser und denken vorschnell, die Vergiftung wäre vorbei.

Leberschäden
Die ernsten Symptome setzen jedoch erst nach einem bis vier Tagen ein. Dann schädigt das Gift die Leber.

Übelkeit nach Pilzessen? Sofort Arzt alarmieren
Die MHH in Hannover klärt mit einem Plakat auf mehreren Sprachen auf und rät, bei Verdacht auf Pilzvergiftung sofort eine Klinik aufzusuchen.

Knollenblätterpilz
Der grüne Knollenblätterpilz ist in Deutschland für 90% aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Der weiße Knollenblätterpilz ist ebenfalls tödlich giftig, nur der gelbe Knollenblätterpilz bedroht nicht das Leben – er ist lediglich ungenießbar.

Amanitin
Knollenblätterpilze enthalten Amanititin, ein Gift, das die Organe schädigt. Darum können bereits 50 Gramm des Pilzes das Leben beenden.

Woran lässt sich der Giftpilz erkennen?
Ein junger grüner Knollenblätterpilz hat einen Hut in Form einer Halbkugel. Später färbt sich der Hut oliv bis gelbgrün. Er hat lange weiße, später grünliche Lamellen. Sein Stiel ist sehr lang und zylindrisch, dabei grün oder gelb.

Weißer Knollenblätterpilz
Der weiße Knollenblätterpilz lässt sich jung mit weißen Champignons verwechseln. Seine Lamellen sind dicht angeordnet und weiß, der Stiel lang und weiß.

Typischer Geruch
Der Grüne Knollenblätterpilz hat innen weißes Fleisch und riecht angenehm nach Honig.

Wo wachsen Knollenblätterpilze?
Knollenblätterpilze wachsen von Juli bis Oktober in Laubwäldern und Parks, sie bevorzugen Buchen und Eicheln.

Magen auspumpen?
Bereits nach einer Stunde nach dem Verzehr gelangen die Phallotoxine in das Blut. Melden sich mit Bauchschmerzen und Durchfall die ersten Symptome ist es zu spät, den Magen auszupumpen.

Wie verläuft die Vergiftung?
Nach vier bis sechs Tagen wirken die Amatoxine. Leber- wie Nierenversagen sind die Folge, hinzu kommen innere Blutungen und Gelbsucht. Jetzt hilft nur noch eine Lebertransplantation, sonst tritt nach circa zehn Tagen der Tod ein.

Was tun?
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie rät: „Sammeln Sie nur Pilze, die Sie sicher kennen. Erst, wenn Sie sich nach wiederholter Bestimmung der Kenntnis sicher sind, denken Sie an die Bratpfanne.“

Fragen Sie Experten
Die DgfM rät: „Lassen Sie sich ihre Pilze nur von geprüften Pilzsachverständigen auf Essbarkeit hin überprüfen und fragen Sie ihn nach seinem Ausweis der DgfM.“

Informieren Sie sich
Sie können auch Seminare zur Pilzbestimmung besuchen, die die DgfM anbietet. Zumindest sollten Sie sich ein Pilzbestimmungsbuch anschaffen und, bevor sie Pilze verarbeiten, erst einmal die Arten kennen lernen.

Exkursionen
Der NABU, Volkshochschulen, Wildparks wie das Wisentgehege in Springe oder Umweltämter bieten geführte Pilzexkursionen an, auf denen Sie gängige Speise- und Giftpilze kennenlernen.

Lamellen, Farbe, Geruch
Pilzbestimmungsbücher zeigen die Pilzarten nicht nur auf Bildern, sondern informieren auch darüber, wie der Pilz riecht, welche Farbe er hat, wo er wächst und, vor allem, welche giftigen Arten mit essbaren zu verwechseln sind.

Keine Lamellenpilze
Für Anfänger gibt es einen Grundregel: Sammeln Sie keine Lamellenpilze. Die Killer unter den Pilzen sind vor allem solche Lamellenpilze, die sich mit anderen Lamellenpilzen verwechseln lassen: Knollenblätterpilze sehen Champignons sehr ähnlich.

Keine Champignons, Pfifferlinge und Stockschwämmchen
Auf einige der beliebtesten Sammlerpilze sollten sie anfangs verzichten: Pfifferlinge, Stockschwämmchen, Champignons und Hallimasch haben alle giftige Doppelgänger.

Schwammpilze
Schwammpilze haben unter dem Hut keine Lamellen, sondern ein schwammartiges Gewebe. Deswegen heißen sie in Bayern Schwammerl. Hier sind selbst die giftigsten nur in sehr großen Mengen lebensbedrohlich, und nur wenige Arten sind ernsthaft giftig, so der Satansröhrling.

Kein Alkohol
Der Netzstielige Hexenröhrling lässt sich zwar essen, wird aber giftig, wenn wir zugleich Alkohol trinken.

Der Gallenröhrling
Andere Schwammpilze schmecken bitter wie Galle: Der Gallenröhrling hat ein schwarzes Netz auf dem Stiel und ein weiß bis lachsfarbenes Futter, das unter dem Hutrand „wuchert“ und lässt sich so einfach von Speisepilzen wie Maronen unterscheiden.

Welche Schwammpilze sind essbar?
Zu Schwammpilzen gehören einige der besten Speisepilze: Steinpilze, Maronenröhrlinge, Birkenpilze oder Rotkappen.

Leicht erkennbar?
Leicht erkennen lässt sich auch der Riesenschirmling oder Parasolpilz, der sich paniert zu Pilzschnitzeln verarbeiten lässt. (Dr. Utz Anhalt)