Gesundheitsgefahr: Nährstoffdefizite können Krebs verursachen

Wer zu wenig Nähstoffe zu sich nimmt, riskiert ein erhöhtes Krebsrisiko. Bild: Selenmangel kann Krebs erzeugen. Bild: vkuslandia - fotolia
Heilpraxisnet
Wissenschaftler haben einen Zusammenhang entdeckt zwischen einem niedrigen Selenspiegel und einem erhöhten Risiko, ein Leberzellkarzinom (HCC) zu entwickeln. Selenmangel steht nachweislich auch mit anderen Krebsarten in Zusammenhang.

Die Nahrung in Europa enthält das Spurenelement Selen nur in geringen Mengen, was eine Erklärung dafür sein könnte, dass so viele Europäer an Krebs erkranken. Eine kürzlich veröffentlichte epidemiologische Studie mit 520.000 europäischen Männern und Frauen aus Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien ergab, dass niedrige Selen-Blutwerte das Risiko erhöhen, eine bestimmte Form von Leberkrebs, das Leberzellkarzinom (HCC), zu entwickeln. Die im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie stützt die Ergebnisse früherer Studien, bei denen Forscher einen Zusammenhang zwischen niedrigen Selenwerten und einem erhöhten Risiko verschiedener Krebsarten festgestellt hatten, insbesondere Prostatakrebs und kolorektale Karzinome.

Wer zu wenig Nähstoffe zu sich nimmt, riskiert ein erhöhtes Krebsrisiko. Bild: Selenmangel kann Krebs erzeugen. Bild: vkuslandia - fotolia
Wer zu wenig Nähstoffe zu sich nimmt, riskiert ein erhöhtes Krebsrisiko. Bild: Selenmangel kann Krebs erzeugen. Bild: vkuslandia – fotolia

Wichtige Selenoproteine
Selen, ein Nährstoff, der vor allem in Fisch, Fleisch, Nüssen, Zwiebeln und Getreide enthalten ist, wird von etwa 30 verschiedenen selenabhängigen Enzymen (Selenoproteinen) im Körper benötigt. Eines dieser Selenoproteine, das Selenoprotein P, scheint für die Krebsprävention besonders wichtig zu sein. In der oben genannten Studie beobachteten die Wissenschaftler darüber hinaus, dass bei den Probanden mit diagnostiziertem Leberzellkarzinom die Werte des im Blut zirkulierenden Selenoproteins P niedriger waren als bei der Kontrollgruppe.

Europäer haben Selenmangel
In vielen Teilen Europas ist die Selenzufuhr besorgniserregend niedrig, wofür es verschiedene Ursachen gibt. Eine davon ist die Tatsache, dass die landwirtschaftlich genutzten Böden in Europa nur vergleichsweise geringe Mengen dieses lebenswichtigen Nährstoffs enthalten. Der Gehalt kann nur erhöht werden, indem der Boden entsprechend angereichert wird. Auf diese Weise begegnete die finnische Regierung dem niedrigen Selenstatus der Bevölkerung in den 1980er Jahren und schrieb für alle Düngemittel einen gesetzlichen Selengehalt vor. In Schweden haben Wissenschaftler kürzlich darauf hingewiesen, dass die Selenwerte der älteren Bevölkerung unter dem Optimum liegen. Außerdem hat sich im Vereinigten Königreich laut der britischen Selen-Expertin Prof. Dr. Margaret P. Rayman von der Universität Surrey in Guildford die Selenzufuhr im Laufe der vergangenen drei bis vier Jahrzehnte mehr als halbiert.

Sind Nahrungsergänzungsmittel die Lösung?
Es ist allgemein bekannt, dass sich nicht alle Europäer an die Richtlinien für eine gesunde Ernährung halten, aber auch wenn sie dies täten, ist fraglich, ob hierdurch eine ausreichende Selenzufuhr gewährleistet wäre. Immer mehr Menschen verwenden Selenpräparate, um den niedrigen Selengehalt in der europäischen Nahrung auszugleichen. Dies könnte eine kluge Entscheidung sein, wie die Ergebnisse einer im Jahr 2013 veröffentlichten schwedischen Studie nahelegen. In der Studie erhielten 443 normale, gesunde ältere Menschen über einen Zeitraum von fünf Jahren entweder ein Selenpräparat (kombiniert mit Coenzym Q10) oder inaktive Pillen ohne Inhaltsstoffe (Placebos). Die mit Selen und Coenzym Q10 behandelte Gruppe wies ein um 54 % niedrigeres Risiko auf, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Außerdem war ihre Herzmuskelfunktion deutlich besser als die der Placebogruppe.

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Quelle:
Prediagnostic selenium status and hepatobiliary cancer risk in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition cohort.