Gesundheitsgefahren: Viele Kräuter- und Pfefferminztees enthalten Pflanzengifte

Viele Kräutertees enthalten Rückstände von Pflanzengiften, die gesundheitliche Schäden verursachen können. (Bild: torsakarin/fotolia.com)
Fabian Peters
NDR-Recherche weist Toxine in Tees namhafter Hersteller nach
Viele Menschen gehen davon aus, dass sie etwas Gesundes für ihren Körper tun, wenn sie Kräutertee trinken. Neue Recherchen des NDR haben jetzt aber ergeben, dass die Kräutertees vieler namhafter Hersteller mit Pflanzengiften belastet sind.

Kräuter- und Pfefferminztee wird meist nachgesagt, eine positive Wirkung auf unsere menschliche Gesundheit zu haben. Diese weitverbreitete Meinung scheint aber nicht immer richtig zu sein. In einem Test konnten Experten vom Wirtschafts- und Verbrauchermagazin „Markt“ des NDR feststellen, dass einige Kräutertees von namhaften Herstellern stark mit Pflanzengiften verunreinigt waren.

Viele Kräutertees enthalten Rückstände von Pflanzengiften, die gesundheitliche Schäden verursachen können. (Bild: torsakarin/fotolia.com)
Viele Kräutertees enthalten Rückstände von Pflanzengiften, die gesundheitliche Schäden verursachen können. (Bild: torsakarin/fotolia.com)

In vier von sechs Kräutertees Pyrrolizidinalkaloide nachgewiesen
Die aktuelle Laboranalyse ergab, dass Kräutertees oft mit Pflanzengiften belastet sind. Teilweise seien die Verunreinigungen so stark, dass der Konsum von solchen Produkten durchaus als gesundheitlich bedenklich eingestuft werden könne, berichtet das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin „Markt“. Sie hatten in einer Stichprobe bei vier von sechs Kräutertees sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt. Diese Alkaloide sind schätzungsweise in etwa drei Prozent aller Blütenpflanzen enthalten. Die Pflanzen nutzen solche Toxine, um sich vor Fressfeinden und Schädlingen zu schützen. „PA“ sind wasserlöslich und temperaturbeständig. Die hohe Konzentration in Kräuter- und Pfefferminztee könne zu Leberschädigungen oder sogar zu Leberkrebs führen, warnten die Experten vom NDR.

Toxikologe erklärt: Geringste Mengen Pflanzengift können Krebs auslösen
Für den Test wurden jeweils drei unterschiedliche Marken von Pfefferminztee und Kräutermischungen untersucht. Die getestete Sorten waren: „Ja! Pfefferminze“ von Rewe, „Minze“ von Teekanne, „Westminster Pfefferminze“ von Aldi, „Kloster Kräuter Mischung“ von Edeka, „Kräuter pur würzig frisch“ von Meßmer und „Lord Nelson 6 Kräuter“ von Lidl. Die Preise der Sorten lagen zwischen 49 Cent und 1,99 Euro. Der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Kieler Christian-Albrechts-Universität erklärte in einem Interview gegenüber dem Verbrauchermagazin „Markt“, dass schon geringste Mengen von „PA“ ausreichend seien, um Krebs beim Menschen zu verursachen. Jegliche Lebensmittel sollten keinesfalls Spuren von „PA“ enthalten, warnte der Mediziner. Die Gifte sind im Unkraut enthalten, das zwischen den Teekräutern wächst. Bei einer maschinellen Ernte können solche Unkräuter dann fälschlicherweise zwischen die geernteten Teepflanzen geraten.

Große Mengen Pflanzengift in Eigenmarke-Tees von Rewe und Edeka
Für Pyrrolizidinalkaloide gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert. Trotzdem hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine sogenannte Höchstaufnahmemenge festgelegt. Demnach sollte ein erwachsener Mensch maximal 0,42 Mikrogramm „PA“ am Tag zu sich nehmen., warnt das Verbrauchermagazin „Markt“. Das Labor ermittelte in den Tests, dass beispielsweise bei dem Pfefferminztee der Rewe-Eigenmarke, eine Tasse einen „PA“-Wert von 0,67 Mikrogramm enthielt. Somit überschreitet bereits eine Tasse des Getränkes die Höchstaufnahmemenge pro Tag. Das Unternehmen habe auf Anfrage mitgeteilt, dass bereits zum jetzigen Zeitpunkt umfangreiche Maßnahmen zur Minimierung des „PA“-Gehaltes durchführt würden, berichtet der NDR. Auch bei den Kräutermischungen sah es nicht viel besser aus. So enthielt beispielsweise die Edeka-Eigenmarke 0,36 Mikrogramm Pyrrolizidinalkaloide pro Tasse. Die enthaltene Menge sei durchaus geeignet, um schnell die empfohlenen Höchstaufnahmemenge zu erreichen, warnte der Toxikologe Prof. Maser. Edeka erklärte hierzu, dass es keine konkreten gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für diese Art von Produkt gebe. Trotzdem würde das Unternehmen versuchen, zusammen mit seinen Lieferanten ein Konzept umzusetzen, das auf eine Minimierung von „PA“ in Kräutertees abziele.

Zwei Tees im Test enthielten keinerlei Pflanzengifte
Auch in anderen Pfefferminz- und Kräutertees konnten Toxine festgestellt werden. Bei dem Pfefferminztee von Aldi und dem Kräutertee von Meßmer wurden ebenfalls Pflanzengifte gefunden, allerdings fielen die festgestellten Werte geringer aus. Das Produkt von Aldi enthielt 0,02 Mikrogramm „PA“ pro Tasse. In dem Tee von Meßmer seien 0,005 Mikrogramm des Giftes gefunden worden, berichtet der „NDR“ von den Recherchen. Auch in diesen Fällen teilten die betroffenen Unternehmen dem NDR mit, dass bereits die erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden seien, um den Gehalt von Pyrrolizidinalkaloiden zu senken. Erfreulicherweise gab es aber auch zwei getestete Marken, die keinerlei Toxine enthielten. Sowohl der Teekanne Pfefferminztee, als auch der Kräutertee Lord Nelson von Lidl würde keinerlei Belastung durch Pflanzengifte aufweisen, erläuterten die Wissenschaftler vom „Markt“.(as)

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