Gesundheitsminister: Härteres Vorgehen gegen Impfgegner vorgesehen

Dr. Utz Anhalt
In Deutschland gibt es keine Impfpflicht, im Unterschied zu anderen Ländern. Allerdings gibt es eine Pflicht, sich über Impfen beraten zu lassen.

Maserntote in Deutschland
Jüngst starb eine 37-jährige Frau an Masern, die sich nur einmal in ihrer Kindheit gegen die Krankheit hatte impfen lassen.

Wer seine Kinder nicht impfen lässt, gefährdet damit sie und die Mitmenschen. Eine Impfberatung ist deshalb in Deutschland Pflicht. (stockWERK /fotolia.com)

Stärkere Überwachung
Bundesgesundheitsminister Gröhe möchte jetzt die Pflicht zur Impfberatung mit härteren Sanktionen als bisher durchsetzen.

In Zukunft sollen Kitas das Gesundheitsamt informieren, wenn Eltern keinen Nachweis über eine Impfberatung vorlegen.

Masern lassen sich verhindern
Laut „Bild“ sagte Gröhe, es könne niemand kalt lassen, wenn immer noch Menschen an Masern stürben.Es handelt sich um eine Krankheit, die in Ländern wie den USA, die „durchgeimpft“ sind, als ausgerottet gilt.

„Kitaplatz nur bei Impfungen“
Der Vorsitzende des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte, Fischbach, plädiert sogar dafür, Impfungen zur Voraussetzung für einen Kita-Platz zu machen.
Impflücken zum Beispiel bei Masern, dürfe der Staat nicht zulassen.

Bußgeld
Eltern, die die Beratung über Impfungen verweigern oder schlicht versäumen, müssen jetzt schon bis zu 2.500 Euro Bußgeld zahlen.

Kitas sind ein Virenparadies
Impfverweigerer bringen Kinder in Gefahr: Kitas sind für Viren, Bakterien und Pilze nämlich ein Paradies: Unter ungeimpften Kindern können sie sich innerhalb kurzer Zeit epidemisch verbreiten.

Denunziation oder Seuchenschutz?
Menschen bei staatlichen Behörden zu denunzieren hat gerade in Deutschland eine üble Tradition. Ist es beim Impfen, also dem Seuchenschutz, angebracht?

Impfgegner als Staatsopfer?
Impfverweigerer spielen sich oft als Märtyrer für die Freiheit des Individuums auf. Das sind sie aber nicht: Sie schaden nämlich nicht nur sich selbst, sondern ihren Kindern und ihren Mitmenschen.

Durchimpfung und Herdenimmunität
Bei Impfungen gilt: Je durchgeimpfter eine Gesellschaft ist, umso weniger kann sich der jeweilige Erreger verbreiten. Auch Ungeimpfte werden durch die Herdenimmunität geschützt. Bei Masern liegt die Impfquote für eine Herdenimmunität bei 95 %.

Schutz der Säuglinge
Ungeimpft sind nicht nur Impfverweigerer, sondern auch Säuglinge. Zudem sind Babys den Krankheitserregern besonders schutzlos ausgesetzt, weil ihr Immunsystem sich noch nicht entwickelt hat.

Impfgegner
Impfgegner tummeln sich besonders in klassisch religiösen wie esoterischen Szenen: Anthroposophen, „deutschgläubige“ Neonazis und manche Mythen der Homöopathie lehnen Impfungen ebenso ab wie Taliban in Pakistan.

Religion führt zu Krankheitsausbrüchen
So verbreiteten sich Masernwellen in Deutschland in anthroposophischen Waldorfschulen. Bei Calvinisten im sogenannten „bible belt“ in Holland grassierten Polioepidemien, Masernausbrüche und schwerste Rötelnembryopathien mit Todesfällen bei Föten, tauben und mehrfach behinderten Babys.

Verschwörungsmythen
Impfgegner überschneiden sich auch mit dem „lunatic fringe“, also dem „verrückten Rand“ des politischen Spektrums. Im Verschwörungswahn sehen sie sich als Auserwählte, die geheime Machenschaften durchschauen.

Paranoia und Projektion
Die Angst, im Beruf, bei Behörden und im Alltag hintergangen zu werden, wird zur Projektion, die immer und überall zutrifft. Paranoia trifft hier auf „Germanische Medizin“ und borniertes Halbwissen.

Große Impflücken
In Deutschland nehmen als Folge fehlender Impfungen Maserninfektionen wieder zu – also Wellen einer Krankheit, die in anderen Industriestaaten bereits besiegt ist. Der Grund dafür sind die Impflücken.

Misstrauen und Halbwissen
Wenn jemand sich über Impfungen bisher kein Urteil gebildet hat, ihm Ärzte nicht erklären, wie Impfungen wirken, oder, schlimmer noch, Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden skeptische Fragen abwürgen, dann informiert er sich vermutlich bei Freunden und Bekannten oder im Internet. Wenn Menschen schlechte Erfahrung mit Ärzten und Behörden machen, steigert das die Kritik, und die Betroffenen werden empfänglich für die Impfgegner.

Berechtigte Skepsis?
Kaum etwas in der Medizin ist so umfassend belegt wie die Wirksamkeit von Impfungen, und die Behauptungen der Impffeinde sind längst widerlegt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt: „Aufgrund dieser Studien weiss man heute, (…)dass die Masern-Impfung keinen Autismus verursacht, dass die Impfung gegen Hirnhautentzündung nicht zu Diabetes führt und dass für den weltweiten Anstieg von allergischen Erkrankungen nicht Impfungen verantwortlich sind.“

Fahrlässigkeit
Die Gefahr vor allem für Kinder in Kitas besteht weniger in den ideologischen Impfgegnern, sondern in Eltern, die ihre Kinder aus Fahrlässigkeit nicht impfen lassen. Folgerichtig wäre es ebenfalls fahrlässig vom Staat, diese Impflücken zu ignorieren.

Empfehlung statt Pflicht
In Deutschland wird es auch in Zukunft keine Impfpflicht geben. Ärzte beraten die Eltern aber „tendenziös“, sie empfehlen also zum Beispiel, dass alle Kinder bis zum zweiten Lebensjahr die erste Masernimpfung erhalten sollen. Bis 2016 waren das gerade einmal 75 %.

Impfpflicht kontra Selbstbestimmung
Von 1949 bis 1975 gab es in Deutschland eine allgemeine Impfpflicht gegen Pocken, heute gibt es Impfpflichten nur noch für bestimmte Berufsgruppen wie zum Beispiel Soldaten.

Impfpflicht nicht verfassungswidrig
Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass die Pflicht zur Pockenschutzimpfung mit dem Grundgesetz vereinbar war – und dies würde folgerichtig auch für andere Schutzimpfungen gelten.

Impfempfehlung
Deutschland, die Schweiz und Österreich haben keine gesetzliche und allgemeine Impfpflicht, sondern Impfempfehlungen.

Impfpflicht
Tschechien hat zum Beispiel eine Impfpflicht für Masern, Belgien für Kinderlähmung, Frankreich für Diphterie, Tetanus und Polio – Italien außerdem für Hepatitis B.

Beratung zeigt Wirkung
Eine Pflicht zur Beratung ist sinnvoller als eine Laissez-Fair Haltung. So werden Eltern wenigstens einmal von einem Arzt aufgeklärt – auch über die Gefahren, denen sie durch Impfverweigerung ihre Kindern aussetzen.

Kinderschutz in Australien
Der australische Sozialminister Scott Morrison sagte 2015: „Wenn einige Familien die Entscheidung treffen, ihre Kinder nicht zu impfen, dann wird das weder von der medizinischen Forschung unterstützt noch sollte dieses Verhalten von den Steuerzahlern unterstützt werden.“

Gelder gestrichen
Seit 2016 verlieren Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, in Australien fast bis zu 10.000 Euro pro Jahr und Kind. Staatliche Unterstützung für Kinderbetreuung und Steuererleichterungen entfallen.

Staatliche Notwehr gegen Seuchengefahr
Zuvor behielten Impfgegner aus „Gewissensgründen“ die volle staatliche Unterstützung. Dafür stieg die Zahl der ungeimpften Kinder unter sieben Jahren in zehn Jahren von 24.000 auf 39.000.

Keine komplette Durchimpfung
Immer noch liegt die Durchimpfung in Australien bei 90%. Als stabile Herdenimmunität gelten bei den meisten Krankheiten 95%. (Dr. Utz Anhalt)