Gesundheitsrisiko Sonnenbaden: Bräune ist kaum gesund

Sebastian
Experten-Tipps für das Sonnenbaden
Sommerliche Bräune ist für viele Menschen ein Schönheitsideal, dem sie mit ausgedehnten Sonnenbädern entgegen fiebern. Dass sie damit ein hohes gesundheitliches Risiko eingehen, ist nicht jedem Sonnenanbeter bewusst. Angesichts der stetigen Zunahme von Hautkrebs ist das Thema Sonnenschutz jedoch wichtiger denn je. Die Online-Ausgabe des Senders „Schweizer Radio und Fernsehen“ sprach mit Prof. Ralph Braun von der dermatologischen Klinik des Unispitals Zürich über die gesundheitlichen Auswirkungen von UV-Strahlung.

Wasserfeste“ Sonnencreme ist lediglich ein „wasserabweisender“ Sonnenschutz
Wird die Haut der Sonne ausgesetzt, muss sie Schwerstarbeit leisten. Die entstehende Bräune ist dabei eine Schutzreaktion, die jedoch nur minimal vor UV-Strahlung schützt. Zur Vorbeugung von Sonnenbrand und Hautkrebs ist ein ausreichender Sonnenschutz etwa durch Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor deshalb unerlässlich. Verbraucher haben dabei die Wahl zwischen herkömmlichen und „wasserfesten“ Produkten. Dabei sollten man jedoch beachten, dass auch „wasserfeste“ Cremes nur begrenzt auf der Haut verbleiben.

Sonnenbrand ist keine Bräune. (Bild: Rostislav Sedlacek/fotolia)
Sonnenbrand ist keine Bräune. (Bild: Rostislav Sedlacek/fotolia)

„Die Bezeichnung ‚wasserfest‘ ist wie die Bezeichnung ‚Sun Blocker‘ irreführend, denn die Cremes sind lediglich ‚wasserabweisend‘. Jede Sonnenschutzcreme ist irgendwann einmal abgewaschen. Bei den ‚wasserresistenten‘ dauert es einfach etwas länger als bei den anderen“, erläutert Braun. „Weil wasserresistente Cremes weniger fettig sind als andere, werden sie aber häufiger als unangenehm auf der Haut empfunden.“

Helle Haut reagiert besonders empfindlich auf Sonnenbäder
Generell sollte man nie auf Sonnencreme verzichten, wenn man sich an sonnigen Tagen im Freien aufhält und keine körperbedeckende Kleidung trägt. Einige Hauttypen reagieren jedoch weniger empfindlich auf die UV-Strahlung als andere. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht von folgenden Hauttypen aus:

Als Hauttyp I („Keltischer Typ“) bezeichnen Dermatologen Menschen mit einer sehr hellen und extrem empfindlichen Haut. Sie haben helle Augen, rotblondes Haar und Sommersprossen. Die Haut reagiert sehr schnell mit einem Sonnenbrand auf UV-Strahlung. Menschen mit dem Hauttyp I werden nicht braun.

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Der Hauttyp II („Nordeuropäischer Typ“) hat helle und empfindliche Haut, helle Haare sowie helle Augen und bräunt nur sehr langsam. Menschen, die zu diesem Hauttyp zählen, bekommen schnell einen Sonnenbrand.

Menschen mit dem Hauttyp III („Mischtyp“) haben mittelhelle Haut, braunes Haar und helle bis dunkle Augen. Sie bräunen langsam und bekommt nur manchmal einen Sonnenbrand.

Als Hauttyp IV („Mediterraner Typ“) bräunt dagegen schnell und tief. Ein Sonnenbrand tritt nur selten auf. Meist haben Menschen dieses Hauttyps eine bräunliche, wenig empfindliche Haut, dunkelbraunes oder schwarzes Haar und dunkle Augen.

Der Hauttyp V („Dunkler Hauttyp“) hat eine dunkle und wenig empfindliche Haut, schwarzes Haar sowie dunkle Augen. Auch dieser Typ leidet nur selten an Sonnenbrand.

Menschen mit dem Hauttyp VI („Schwarzer Hauttyp“) haben eine schwarze, wenig empfindliche Haut, schwarzes Haar und dunkle bis schwarze Augen aus. Sonnenbrand tritt bei diesem Hauttyp nur sehr selten auf.

Abhängig vom Hauttyp sollte ein ausreichender Sonnenschutz gewählt werden. So benötigen beispielsweise Hauttyp I und II einen Lichtschutzfaktor von mindestens 50.

Das BfS weist auf die Europäische Klassifikation hin, nach der Sonnenschutzmittel in folgende Schutzstufen unterteilt ist:

  • leichter Schutz („low protection“): Lichtschutzfaktor (LSF) 6 bis 10
  • mittlerer Schutz („medium protection“): LSF 15 bis 25
  • hoher Schutz („high protection“): LSF 30 bis 50 und
  • sehr hoher Schutz („very high protection“): LSF mehr als 50

Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, wie viel länger man sich mit einem Sonnenschutzmittel in der Sonne aufhalten kann als ohne das Sonnenschutzmittel – ohne dabei einen Sonnenbrand zu bekommen. Lichtschutzfaktor 30 bedeutet beispielsweise, dass man sich theoretisch 30-mal länger der Sonnenstrahlung aussetzen kann, bevor ein Sonnenbrand auftritt, als wenn man ungeschützt sonnenbadet.

Auch für UV-Textilien gilt der Lichtschutzfaktor
Mittlerweile sind auch spezielle UV-Textilien erhältlich, die einen besseren Sonnenschutz bieten sollen als herkömmliche Kleidung. „Bei UV-Textilien sind die Stoffe enger gewebt oder chemisch so behandelt dass weniger UV-Licht auf die Haut gelangen kann. UV-Textilien sind wie Sonnencremes mit einem Hinweis zum Lichtschutzfaktor versehen. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Textilien nur die Stellen schützen, die vom Stoff bedeckt oder beschattet sind. Eine Mütze etwa schützt Ohren und Nacken nicht“, gibt Braun zu bedenken.

Zudem weist der Dermatologe daraufhin, dass es keine „gesunde Bräune“ gibt. Die Haut merke sich jeden Sonnenstrahl. „Regelmäßige und intensive Sonnenbäder begünstigen die Entstehung von Hautkrebs und dessen Vorstufen. Zudem lässt die UV-Strahlung die Haut vorzeitig altern.“

Braun rät dazu, bei sehr hohen UV-Index-Werten Aktivitäten, die im Freien stattfinden, auf die Randzeiten zu legen und sich im Schatten aufzuhalten. Ein Spaziergang sei dann im Wald besser als unter freiem Himmel.  Kam es dennoch zu einem Sonnenbrand, können diese Hausmittel der Natur helfen. (ag)