Gesundheitsrisiko: Waschmittel-Challenge ist lebensgefährlich

Alfred Domke

Warnung vor „Tide Pod Challenge“: Teenager beißen in Waschmittel-Tabs

In sozialen Netzwerken kursiert derzeit die sogenannte „Tide Pod Challenge“. Dabei beißen Jugendliche in Waschmittel-Tabs und erhoffen sich dadurch Internet-Ruhm. Doch die Aktion ist hochgefährlich. Beim Verschlucken der Flüssigkeit drohen schlimme Vergiftungen. Der Hersteller der Kapseln warnt jetzt ausdrücklich vor dem lebensgefährlichen Trend.

Gefährlicher Trend im Internet

In den vergangenen Jahren sorgte die sogenannte „Ice Bucket Challenge“ für großes Aufsehen. Im Rahmen dieser Aktion hatten sich Tausende Menschen weltweit Eiswasser über den Kopf geschüttet, um Geld zu sammeln und damit die Erforschung einer unheilbaren Nervenkrankheit zu finanzieren. In den sozialen Netzwerken werden manchmal aber auch andere Personen ohne vernünftigen Grund herausgefordert. Etwa bei der „Cinnamon Challenge“ bei der Jugendliche einen Löffel Zimt ohne Flüssigkeit schlucken sollen. Ein niederländischer Junge fiel dadurch ins Koma. Nun gibt es einen weiteren skurrilen Trend: Im Rahmen der „Tide Pod Challenge“ beißen Teenager in eine Waschmittel-Kapsel. Der Hersteller der Tabs warnt nun vor der gefährlichen Mutprobe.

Im Internet macht derzeit ein neuer Trend die Runde: Im Rahmen der „Tide Pod Challenge“ beißen Teenager in eine Waschmittel-Kapsel. Die „Mutprobe“ kann lebensgefährlich werden, warnen Experten. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Jugendliche zerbeißen Waschmittel-Kapseln

Der Chef des US-Konzerns Procter & Gamble (P&G), David Taylor, hat Teenager in einem Blogeintrag davor gewarnt, Waschmaschinen-Tabs ihrer Marke „Tide“ für die sogenannte „Tide Pod Challenge“ zu nutzen.

Bei dieser „Herausforderung“ stecken sich die Teilnehmer die bunten Kapseln des Waschmittels in den Mund und beißen so lange darauf herum, bis die feine Gelhaut platzt, sich das flüssige Waschmittel auf der Zunge verteilt und langsam aus dem Mund herausläuft.

Die Videos davon werden anschließend auf YouTube oder Facebook gepostet. Offenbar ist vielen der Jugendlichen nicht klar, welchen Gefahren sie sich damit aussetzen.

Nicht zum Lachen

„Die möglichen lebensverändernden Folgen dieser Tat, die Internet-Ruhm sucht, kann die Hoffnungen und Träume junger Menschen und letztlich ihre Gesundheit zu Fall bringen“, schreibt Taylor.

„Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um mit den jungen Menschen in unserem Leben zu sprechen und sie wissen zu lassen, dass ihr Leben und ihre Gesundheit wichtiger sind als Klicks, Ansichten und Likes“, so der Konzernchef.

„Bitte helfen Sie ihnen zu verstehen, dass dies nicht zum Lachen ist.“

Challenge sorgte für zahlreiche Krankenhaus-Einlieferungen

Dass die „Mutprobe“ tatsächlich nicht zum Lachen ist, weiß auch der amerikanische Verband der Giftnotrufzentralen.

Dieser verzeichnete in den ersten beiden Wochen des Jahres 2018 bereits fast 40 Fälle, in denen Jugendliche wegen Kontakts mit Waschmittel-Tabs ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

In mehr als 90 Prozent der Fälle hatten die Teenager das flüssige Waschmittel geschluckt.

Kinder können sich vergiften

Auch deutsche Experten wiesen in der Vergangenheit darauf hin, dass Waschmittel-Kapseln eine Vergiftungsgefahr für Kinder darstellen.

So erklärte der Präsident der Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, schon vor Jahren, dass „die bunten, glänzenden, wie große Bonbons aussehenden Liquid Caps gerade für Kinder sehr attraktiv“ seien.

In manchen Fällen werde das Waschmittel im Bonbon-Look wegen des bunten Aussehens geschluckt.

Vergiftungen mit Waschmittel führen zu gesundheitlichen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Atemnot und Bewusstlosigkeit. Im Extrem-Fall droht Lebensgefahr.

Das Bundesinstitut hat die Hersteller aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, mit denen diese Produkte in Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit für Kinder weniger attraktiv gestaltet werden können.

Gefährlichen Trend stoppen

Im Rahmen der „Tide Pod Challenge“ werden die Kapseln aber nicht versehentlich, sondern absichtlich in den Mund genommen.

„Selbst die strengsten Standards und Protokolle, Etiketten und Warnungen können vorsätzlichen Missbrauch nicht verhindern, der durch ein schlechtes Urteilsvermögen und den Wunsch nach Popularität angeheizt wird“, schrieb Taylor.

Seinen Angaben zufolge arbeite P & G mit weiteren Partnern zusammen, „um diesen gefährlichen Trend zu stoppen“.

Es solle auch sichergestellt werden, „dass Social-Media-Netzwerke Videos entfernen, die dieses schädliche Verhalten verherrlichen“.

YouTube und Facebook haben mittlerweile angekündigt, Videos der „Tide Pod Challenge“ zu sperren. (ad)