Gesundheitsrisiko: Wenn sich nach einem Training die Muskeln regelrecht auflösen

Alfred Domke

Rhabdomyolyse: Übertriebenes Fitnesstraining bringt drei junge Frauen ins Krankenhaus

Millionen Europäer besuchen regelmäßig Fitnessstudios. Eigentlich ist das Training dort gesund und fördert den Muskelaufbau. Allerdings kann man es mit dem Sport auch übertreiben, wie ein Fall aus Schottland zeigt. Dort sind drei junge Frauen aufgrund ihres extremen Trainings mit heftigen Muskelschmerzen im Krankenhaus gelandet.


Sport kann auch ungesund sein

Sport dient der Gesundheit: Regelmäßige Bewegung kann unter anderem dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzinfarkt zu mindern. Außerdem leiden Sportler seltener an Übergewicht oder Adipositas. Wenn man es allerdings damit übertreibt, kann Sport sehr ungesund sein. Das zeigt auch ein Fall aus Schottland, wo drei Frauen wegen ihres übertriebenen Trainings ins Krankenhaus mussten.

Fitnesstraining ist populär und eigentlich auch gesund. Man kann es aber auch damit übertreiben. So wie drei junge Frauen, die nach intensivem Training mit extremen Muskelschmerzen ins Krankenhaus mussten. (Bild: Peter Atkins/fotolia.com)

Mit extremen Muskelschmerzen zum Arzt

Die Fitness-Branche in Deutschland boomt genauso wie auch in anderen europäischen Ländern.

Trainieren mit Gewichten oder der neue Trendsport Kettlebell sind nicht nur bei „typischen“ Bodybuildern beliebt.

Auch drei junge Frauen aus Schottland wollten mit solchen Trainings ihre Muskel stärken. Doch stattdessen entwickelten sie durch den Sport extreme Muskelschmerzen und mussten ärztlich behandelt werden.

Abfall aus toten Muskelzellen kann lebensbedrohliche Beschwerden verursachen

In der Fachzeitschrift „BMJ Case Reports“ wird über den Fall von drei jungen Frauen aus Schottland berichtet, die sich 2016 mit Zeichen und Symptomen der körperlich bedingten Rhabdomyolyse in ärztliche Behandlung begaben.

„Rhabdomyolyse bedeutet – direkt übersetzt – Zerfall von Skelettmuskulatur“, heißt es auf dem Internetportal „Deximed.de“.

„Dies bedeutet, dass der Inhalt von Muskelzellen, wie Elektrolyte (z. B. Kalium und Kalzium), Myoglobin (ein Muskelprotein) sowie andere Proteine in das Blut austreten“, erklären die Experten.

„Die plötzliche und große Absonderung von „Abfall“ aus toten Muskelzellen kann zu zahlreichen verschiedenen Veränderungen im Körper führen, von Bagatellproblemen bis hin zu lebensbedrohlichen Beschwerden.“

Typische Symptome sind unter anderem Schmerzen, Schwellungen und Schwäche der betroffenen Muskeln und die Ausscheidung von großen Mengen Muskelprotein im Urin, sodass der Urin rötlich beziehungsweise teefarben erscheint.

Bei manchen Patienten kommt es zudem zu Fieber, Schwäche, Übelkeit und Erbrechen.

Eine häufige Komplikation ist akutes Nierenversagen. Zwar erholen sich die meisten Patienten, für manche kann die Erkrankung jedoch wegen akuter/chronischer Nierenschäden schwerwiegend verlaufen.

Ungewöhnlich große Muskelbelastungen

Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen für Rhabdomyolyse. So kann es unter anderem nach Verletzungen oder Infektionen zu der Erkrankung kommen.

Auch genetische Defekte, ein Sauerstoffmangel in den Muskeln oder bestimmte Medikamente oder Drogen können die Krankheit auslösen.

Und auch nach extremer körperlicher Erschöpfung kann es dazu kommen:

„Menschen, die großen körperlichen Anstrengungen ausgesetzt waren, können Rhabdomyolyse entwickeln“, so „Deximed.de“.

Dies geschieht etwa in Zusammenhang mit einem Marathonlauf oder mit anstrengenden Trainingseinheiten bei relativ untrainierten Personen oder bei ungewöhnlich großen Muskelbelastungen.

Auch bei den in der Fachzeitschrift „BMJ Case Reports“ beschriebenen Patientinnen war dies der Fall.

Zwölf Liter Infusionen pro Tag

Die schottischen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren hatten alle das gleiche Fitnessstudio besucht und ein intensives körperliches Training absolviert.

Sie hatten starke Muskelschmerzen und -schwellungen, eine signifikant reduzierte Bewegungsfreiheit in den betroffenen Muskeln und in zwei Fällen dunkel gefärbten Urin.

Die Patientinnen hatten offenbar Glück, denn eine frühe Diagnose und Behandlung sind sehr wichtig für die Prognose. Sie wurden von der Hausärztin umgehend in eine Klinik eingewiesen und stationär aufgenommen.

Da sich das Krankheitsbild bei Patienten mit Rhabdomyolyse durch einen signifikanten Flüssigkeitsverlust auszeichnet, was das Risiko von akuten Nierenschäden erhöht, besteht die Primärtherapie folglich aus einer intensiven intravenösen Flüssigkeitsversorgung.

Bis zu zehn bis zwölf Liter pro Tag können erforderlich sein. Diese Behandlung muss schnellstmöglich erfolgen. Je später mit der Flüssigkeitsversorgung begonnen wird, desto größer ist das Risiko einer Nierenschädigung.

Die drei Frauen aus Schottland sind alle ohne Folgen für die Nieren genesen und konnten nach ein bis sechs Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Nicht mit dem Training übertreiben

Gesundheitsexperten zufolge besteht unter anderem bei intensivem Crossfit-Training oder dem Arbeiten mit Kettlebells ein erhöhtes Rhabdomyolyse-Risiko.

Aber auch andere Übungen, die für den Körper ungewohnt sind, oft wiederholt und übertrieben werden, erhöhen die Gefahr für die Erkrankung.

Daher wird allgemein dazu geraten, es mit dem Sport nicht zu übertreiben, sich immer wieder Ruhe zu gönnen und ganz wichtig: bei körperlicher Aktivität stets ausreichend zu trinken. (ad)