Gesundheitsschäden durch Uranmunition-Rückstände

Fabian Peters

Rückstände von Uranmunition verursachen langfristig massive Gesundheitsschäden

25.11.2013

In ehemaligen Kriegsgebieten wie dem Kosovo, Afghanistan und dem Irak wurde tonnenweise panzerbrechende Munition aus abgereichertem Uran (DU; depleted uranium) verschossen, deren Rückstände auch heute noch ein massives Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung vor Ort darstellen. Bei dem Einsatz der Uranmunition werden laut IPPNW (Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) „radioaktive Uranoxidaerosole in Nanopartikelgröße freigesetzt, die sich mit Wind und Wetter in der Umwelt verteilen.“ Über die Atemwege, das Verdauungssystem und die Haut wird das radioaktive Schwermetall von den Menschen aufgenommen und kann viele Krankheiten verursachen, wie zum Beispiel Leukämie und Lymphome, aber auch Nichtkrebs-Erkrankungen. Inkorporiertes DU schädigt ferner das Erbgut, so dass Kinder von entsprechend belasteten Eltern zahlreiche angeborene Fehlbildungen aufweisen.

Die IPPNW fordert daher eine Ächtung der Uranmunition, ähnlich wie dies durch die internationale Gemeinschaft beispielsweise für Landminen oder Streubomben geschehen sei. Im Gespräch mit „Heilpraxisnet.de“ beantwortete der Kinderarzt Dr. Winfrid Eisenberg vom Arbeitskreis Atomenergie der IPPNW einige Fragen zu diesem in der breiten Öffentlichkeit bislang nur wenig diskutierten Thema.

Von welchen Streitkräften und wo wurde bisher Uranmunition eingesetzt?
Dr. Eisenberg: Unseres Wissens haben die NATO-Staaten USA, Großbritannien und Frankreich bisher Uranmunition eingesetzt und zwar im Irak 1991 und 2003, in Bosnien und Serbien 1995, im Kosovo 1999; die Verwendung von DU in Afghanistan und Libyen wird bestritten, ist aber dennoch wahrscheinlich.

Welche langfristigen Gesundheitsschäden sind durch den Einsatz der Uranmunition zu erwarten beziehungsweise zu verzeichnen?
Dr. Eisenberg: DU entfaltet seine gesundheitsschädigenden Wirkungen nicht "von außen", sondern "von innen", also nach Aufnahme des feinen Uranstaubs über die Atmluft, Essen und Trinken sowie über Verletzungen und in den Körper eingedrungene Splitter. Das Uran ist als radioaktives Element "radiotoxisch" und als Schwermetall zusätzlich "chemotoxisch". Die betroffene Bevölkerung, aber auch die Kriegsveteranen leiden vorrangig an malignen Erkrankungen wie Leukämie, Lymphomen, Lungen- und Knochenkrebs, aber auch an Nicht-Krebserkrankungen, wie zum Beispiel Niereninsuffizienz, Leberschäden und Störungen des Zentralen Nervensystems (ZNS). Ebenso verheerend sind die genetischen Veränderungen, die zahlreiche angeborene Fehlbildungen zur Folge haben. Besonders häufig werden Neuralrohrdefekte (Hydrocephalus, Anencephalus, Spina bifida), angeborene Herzfehler, Fehlbildungen des Urogenitaltrakts und der Extremitäten beobachtet. Das alles betrifft sowohl Neugeborene in den ehemaligen Kriegsgebieten als auch Kinder der amerikanischen und britischen Kriegsveteranen.

Wie ist ihre Einschätzung zur öffentlichen Wahrnehmung dieses kritischen Themas?
Dr. Eisenberg: Die öffentliche Wahrnehmung der durch Uranmunition langfristig verursachten Probleme ist gering; Entscheidungsträger und Medien haben zu wenig Kenntnisse über die Gesundheitsgefahren durch DU; die Risiken für die eigenen Soldaten werden heruntergespielt. Dem versuchen wir entgegen zu wirken.

Welche Maßnahmen wären erforderlich, um die Bevölkerung in Krisen- beziehungsweise Kriegsgebieten vor den langfristigen Gesundheitsrisiken zu schützen – auch bezogen auf die bereits kontaminierten Regionen?
Dr. Eisenberg: Das Besondere an der Uranmunition im Vergleich zu anderer "konventioneller" Munition ist, dass die Gesundheitsfolgen nach Kriegsende über viele Generationen fortdauern. (Der Hauptbestandteil des DU, das Uranisotop U-238, hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren!) Insofern ist ein mit Uranmunition geführter Krieg nie zu Ende. Zur Minderung der Gesundheitsrisiken wäre die exakte Offenlegung der Einsatzorte seitens der Militärführungen, daraufhin die Markierung dieser Stellen und mindestens der Versuch einer "Dekontaminierung" hilfreich. Die US-Armee hat sich aber bisher geweigert, die Koordinaten der DU-Einsatzorte preiszugeben.

Wie können unsere Leserinnen und Leser Sie bei der Forderung nach einer Ächtung der Uranmunition unterstützen?
Dr. Eisenberg: IPPNW und ICBUW (International Coalition to Ban Uranium Weapons) haben gemeinsam eine Petition an die Bundesregierung und den Bundestag auf den Weg gebracht, die Sie bis Oktober 2014 (auch online) unterzeichnen können (s. Websites IPPNW.de und ICBUW Deutschland).

Die Ausführungen des IPPNW-Experten machen deutlich, wie wichtig eine breite Unterstützung der Forderung nach einem Verbot der Uranmunition ist, auch wenn hierzulande die Probleme bislang kaum wahrgenommen werden. Für die Bevölkerung in den Kriegsgebieten dieser Welt hat der Einsatz von DU langfristig fatale Folgen. Über Jahrzehnte werden ganze Landstriche verseucht. Die genannte Petition mit der Forderung nach einem Verbot der Uranmunition finden Sie unter folgendem Link. (fp)

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