Hamburger Gesundheitsstudie: Zehntausende Herzen werden untersucht

Fabian Peters
Ärzte untersuchen Hamburger Bevölkerung auf 26 Volkskrankheiten

Am Montag stellte das Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die Hamburg City Health Study (HCHS), die größte städtische Gesundheitsstudie der Welt, vor. Zwischen 45.000 und 50.000 Hamburger Bürger im Alter von 45 bis 75 Jahren sollen im Rahmen eines sechsstündigen Prozedere Fragebögen zu ihrer Gesundheit ausfüllen und an Untersuchungen teilnehmen. Die Ärzte und Forscher wollen Daten zu 26 der häufigsten Erkrankungen sammeln.

Hamburger Gesundheitsstudie untersucht Risikofaktoren von Volkskrankheiten
Nach wie vor gibt es zahlreiche Rätsel in der Medizin, die trotz intensiver Forschung und moderner Technik nicht gelöst werden konnten. Mit einer großangelegten Gesundheitsstudie könnten einige dieser Phänomene zukünftig gelöst werden. So nennt Stefan Blankenberg vom UKE im Gespräch mit „sueddeutsche.de“ das Beispiel Herzschwäche. „Die ist immer wieder ein Rätsel“, so der Leiter der Kardiologie am Herzzentrum. „Wir wissen nicht, warum die Pumpfunktion des Herzens bei manchen Menschen im Alter von 60 bis 80 Jahren nachlässt.“ Finden die Ärzte tatsächlich eine Erklärung, könnte mancher frühzeitige Herztod verhindert werden.

Untersuchung-Volkskrankheiten

Die Ergebnisse der Gesundheitsstudie, die in eine Daten- und Biomaterialbank einfließen, könnten dazu beitragen. Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen sollen dafür genutzt werden, um mehr über Erkrankungen wie Herzschwäche, Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall oder Demenz zu erfahren. Dabei stehen unter anderem die Risikofaktoren im Mittelpunkt. So könnten daraus Therapien abgeleitet werden, die Menschen helfen, bevor sie erkranken. „Die Hoffnung ist, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen zu können, welche Volkserkrankung ein Mensch bekommen wird“, so Blankenberg.

„Die HCHS will das Geflecht verstehen, das hinter Erkrankungen steht. Denn Krankheit und Gesundheit hängen nicht von einzelnen Risikofaktoren ab, sondern sind Folge eines komplexen Netzwerks von Einflussfaktoren wie Genetik, Vorerkrankungen, Lebensstil oder Umwelteinflüssen“, informiert das UKE in einer Mitteilung. „Je besser diese Zusammenhänge bekannt sind, desto fokussierter können die großen Volksleiden diagnostiziert und behandelt werden.“

Hamburger Gesundheitsstudie ist weltweit die größte ihrer Art
„Im Rahmen der Studie werden insgesamt 270 Millionen Biodaten gesammelt – pseudonymisiert und unter strengsten Datenschutzauflagen gespeichert“, teilt das UKE mit. „Sie ermöglichen den Aufbau einer der größten Biomaterialdatenbanken der Welt und machen eine weitreichende Netzwerkforschung überhaupt erst möglich.“

Die Studienteilnehmer werden vom UKE per Zufallsprinzip eingeladen. Sie müssen innerhalb von sechs Stunden standardisierte Fragebögen beantworten und neun Untersuchungsstationen absolvieren, die bildgebende, klinische und genetische Analysen umfassen. Für jeden Probanden fallen 6.000 Analysedaten an, zusätzlich Bilder und eingefrorenes Biomaterial. Die Untersuchungen werden in zwei Untersuchungszyklen von jeweils sechs Jahren durchgeführt. Die ersten Ergebnisse der HCHS wird das UKE voraussichtlich Ende 2016 vorlegen. 2021 können die ersten Langzeitergebnisse präsentiert werden.

Hamburger Gesundheitsstudie soll Nationale Kohorte ergänzen
Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen für die Hamburger Gesundheitsstudie, an der mehr als 30 Kliniken und Institute des UKE arbeiten. Sie tragen auch einen Teil der Kosten. Zudem unterstützen Sponsoren und Förderer die Finanzierung. Das UKE hat für nur die Studie 65 Vollzeitkräfte eingestellt und ein Studienzentrum eingerichtet.

In Deutschland wird derzeit bereits eine andere Gesundheitsstudie durchgeführt, die Nationale Kohorte, an der 200.000 Probanden bundesweit teilnehmen. Die HCHS soll diese Studie ergänzen.

Ein ähnliches Projekt wird seit 1948 in den USA durchgeführt, die Framingham Heart Study, bei der Ärzte und Forscher etwa 15.000 Einwohner von Framingham über Generationen auf Koronare Herzkrankheiten und Arteriosklerose untersuchen. (ag)

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Bildnachweis: Dieter Schütz  / pixelio.de