Gewalt durch zuckerhaltige Softdrinks?

Fabian Peters

Studie: Vermehrte Gewalttaten bei hohem Softdrink-Konsum

26.10.2011

Jugendliche, die viele zuckerhaltige Softdrinks konsumieren, tendieren offenbar eher zu Gewalttaten als ihre Altersgenossen. US-Wissenschaftler haben in einer umfassenden Studie den Zusammenhang zwischen dem Softdrink-Konsum und der Gewaltbereitschaft Jugendlicher untersucht. Das Ergebnis war ebenso eindeutig wir überraschend: Jugendliche die mehr als fünf Dosen zuckerhaltiger Softdrinks pro Woche tranken, waren bis zu 15 Prozent öfter in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt, als Gleichaltrige, die weniger Softdrinks zu sich nahmen.

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Kohlensäure- und zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke als Ursache für Gewalt?
Die Forscher um Professor David Hemenway von der Gesundheitsfakultät der Harvard-Universität hatten im Rahmen ihrer Studie 1.878 Schüler an staatlichen Schulen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren befragt, um möglichen Zusammenhängen zwischen dem Softdrink-Konsum und der Gewaltbereitschaft der Jugendlichen auf den Grund zu gehen. Sämtliche Studienteilnehmer kamen aus dem Bostoner Innenstadtbereich, der für seine – gegenüber den Vorstädten – deutlich erhöhten Kriminalitätsrate bekannt ist. Ein Großteil der Studienteilnehmer war dabei laut Aussage der US-Forscher lateinamerikanischer oder afroamerikanischer Abstammung, die Minderheit waren Asiaten oder Weiße. Die Wissenschaftler befragten die Jugendlichen zu ihrem Konsum von kohlensäure- und zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken, die nicht als Diät-Trunk angeboten werden. Darüber hinaus wurde im Rahmen der Studie auch erfasst, ob die Jugendlichen Alkohol oder Tabak konsumierten, eine Waffe trugen und in der Vergangenheit bereits gewalttätig wurden. Auch der familiären Hintergrund der Jugendlich fand dabei Berücksichtigung.

Enge Verbindung zwischen Softdrink-Konsum und Gewaltbereitschaft
Die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen, die mehr als fünf Dosen kohlensäure- und zuckerhaltiger Softdrinks pro Woche zu sich nahmen, lag laut Aussage der US-Forscher zwischen neun und 15 Prozent höher, als bei Altersgenossen, die weniger entsprechende Erfrischungsgetränke konsumierten. Studienleiter David Hemenway betonte, dass die aktuelle Studie eine „enge Verbindung“ zwischen dem Konsum der Softdrinks und der Gewalttätigkeit der Jugendlichen bestätigt. Dabei bestehe die erhöhte Gewaltbereitschaft „nicht nur ihresgleichen gegenüber, sondern auch gegenüber Beziehungspartnern und Geschwistern“, erklärte der US-Wissenschaftler gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. David Hemenway zufolge war es „erschreckend“ festzustellen, „wie klar die Verbindung“ zwischen Softdrink-Konsum und Gewaltbereitschaft ist. Allerdings konnten die Forscher bisher nicht erklären, ob der Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken tatsächlich Ursache oder möglicherweise nur Anzeichen für gewalttätiges Verhalten ist. Aus diesem Grund seien weitere Untersuchungen erforderlich, die analysieren, wie der Zusammenhang zwischen dem Softdrink-Konsum und der Gewalttätigkeit zu Stande kommt.

Gewaltbereit durch Softdrinks?
Der Vergleich zwischen den Studienteilnehmern, die keine oder lediglich eine Dose Softdrink pro Woche konsumierten und den Probanden, die 14 oder mehr Dosen Softdrinks tranken war erschreckend, so die Aussage der US-Wissenschaftler. So hätten 23 Prozent der Jugendlichen, die selten oder nie Softdrinks zu sich nehmen angegeben regelmäßig eine Pistole oder ein Messer mit sich zu führen, 15 Prozent von ihnen bestätigten gewalttätiges Verhalten gegenüber ihren Partnern und 35 Prozent gaben zu auch gegenüber Gleichaltrigen schon Gewalt angewendet zu haben. Wer bei diesen Zahl bereits Sorge um das Sozialverhalten der Jugendlichen hat, für den sind die Angaben der jugendlichen Softdrink-Konsumenten kaum zu glauben. Ganze 43 Prozent der Jugendlichen, die 14 Dosen Erfrischungsgetränk pro Woche tranken, erklärten regelmäßig eine Waffe zu tragen, 27 Prozent von ihnen haben bereits Gewalt gegen ihre Partner eingesetzt und deutlich mehr als die Hälfte (58 Prozent) waren schon gewalttätig gegenüber Gleichaltrigen. Durchschnittlich stieg die Bereitschaft zur Gewalt bei erhöhtem Konsum zuckerhaltiger Softdrinks um neun bis 15 Prozent, erklärten die US-Wissenschaftler. Laut Aussage von David Hemenway bestätigen die aktuellen Ergebnisse die Aussage früherer Studien, die bereits eine Verbindung zwischen dem erhöhten Zuckerkonsum und Schwierigkeiten im Sozialverhalten festgestellt haben. Auch seien ähnliche Zusammenhänge mit der Gewaltbereitschaft in Bezug auf den Alkohol- und Tabakkonsum nachgewiesen worden.

Bisher kein Kausalzusammenhang bestätigt
Ob tatsächlich ein Kausalzusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Softdrinks und der Gewaltbereitschaft besteht, darf jedoch bezweifelt werden. Zwar lassen sich statistisch durchaus Korrelationen nachweisen, doch dies muss nicht zwangsweise auf den Softdrink-Konsum als Ursache der Gewaltbereitschaft hinweisen. So könnte zum Beispiel in Familien mit schlechterem sozialen Umfeld eher ungesunde Ernährung mit erhöhtem Softdrink-Konsum an der Tagesordnung sein und gleichzeitig könnte das schlechte Umfeld Auswirkungen auf die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen haben. Hier wären sowohl der erhöhte Softdrink-Konsum als auch die Gewaltbereitschaft lediglich Folge des persönlichen Umfelds. (fp)