Gewebe-Pflaster Therapie fürs Herz nach Infarkten

Alfred Domke

Forscher entwickeln neues Gewebe-Pflaster fürs Herz

05.04.2013

Noch scheint es ein futuristischer Traum, aber Forscher sind dabei ein Gewebe-Pflaster für Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, zu entwickeln. Das geschädigte Herz soll damit wieder auf Trab gebracht werden. Allerdings wird der klinische Einsatz erst in einigen Jahren möglich sein.

Erste Entwicklungsphase
Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologe in Mannheim informierten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), dass sie an einem Gewebe-Pflaster für das Herz arbeiten, das nach einem Infarkt den Herzmuskel unterstützen soll. Der Leiter der Kardiologie der Universitätsmedizin Göttingen, Gerd Hasenfuß sagte dazu, dass das Gewebe auf das geschädigte Herz aufgenäht oder aufgeklebt werden könnte. Noch sind die Forschungen in einem frühen Stadium und erst in einigen Jahren sollen mit dem Verfahren Tests am Menschen gemacht werden. Wie auch in anderen Bereichen der Herzinfarkt-Therapie ist die Erforschung und Entwicklung oft langwierig.

Wie Hasenfuß weiter erläuterte, sei den Forschern bereits gelungen, spezielle Zellverbände zu konzipieren. Mit diesen könnten Mediziner in der Zukunft ein "lebendes Pflaster" verwenden, um zerstörter Ariale des Herzmuskels zu überbrücken. So könnte die Herzleistung verbessert werden. Noch aber sei "unbekannt wie sich ein solches Pflaster tatsächlich verhalten würde".

Einsatz erst im nächsten Jahrzehnt
Hasenfuß, der auch im Vorstand der DZHK ist, schätzt, dass das Verfahren frühestens in zehn Jahren eingesetzt werden kann, wenn alle Tests erfolgreich verlaufen. Noch wird an Nagetieren getestet. Da bei einem Infarkt Herzmuskelzellen absterben, suchen Forscher weltweit seit Jahren nach Möglichkeiten, neue Zellen im Herzen entstehen zu lassen. Erst wurde versucht, Knochenmarkstamzellen ins Herz einzubringen, damit sie dort zu Herzzellen werden und die Regeneration des Herzens begünstigen, das alles jedoch ohne große Erfolge. „Das ist vom Tisch“, so Hasenfuß. Es wurden nur kurzzeitig positive Effekte festgestellt. Darum werden jetzt auch andere Methoden durch die Wissenschaftler geprüft. Vor allem sogenannte rückprogrammierte Zellen (iPS-Zellen) sind jetzt im Blickpunkt. Das sind zum Beispiel "Blut- oder Hautzellen, die in den anpassungsfähigen Zustand einer Stammzelle versetzt werden aus denen dann im Labor Herzmuskelzellen werden, die zusammengesetzt zu einem Gewebe mutieren.

Erste Ergebnisse
Derartige Zellverbände herzustellen ist bereits gelungen, erläuterte Hasenfuß. Eines Tages sollen sie als eine Art lebendes Pflaster auf den zerstörten Teil des Herzmuskels aufgebracht werde, um die Pumparbeit des Herzens zu unterstützen, so das Ziel. Dabei gibt es noch Unsicherheiten wie dass das Verhalten der Zellen im Verband noch nicht bekannt sei, sagte Hasenfuß.

DZHK-Kongress
Mit Mannheim hat das DZHK bundesweit zusammen sieben Standorte. Noch bis Samstag können sich rund 7500 Experten auf dem dortigen Kongress über die neuesten Erkenntnisse der Herzmedizin informieren. (ad)

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