Gewichtszunahme nach der ersten Geburt birgt Gefahren bei weiteren Schwangerschaften

Fabian Peters
Vermehrte Totgeburten und erhöhte Säuglingssterblichkeit bei Gewichtszunahme
Übergewicht und Fettleibigkeit sind bekannte Risikofaktor bei Schwangerschaften, wobei bislang allerdings unklar blieb, wie sich eine Gewichtszunahme nach der ersten Geburt auf die Gefahr von Früh- oder Totgeburten bei weiteren Schwangerschaften auswirkt. Wissenschaftler der University of Michigan (USA) und des Karolinska Institutes in Stockholm (Schweden) haben nun in einer aktuellen Studie festgestellt, dass bei einer Erhöhung des Körpergewichts nach der ersten Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit von Totgeburten steigt. Zudem ging die Gewichtszunahme mit einer höheren Säuglingssterblichkeit der Kinder in den ersten vier Wochen einher, berichten Professor Eduardo Villamor von der University of Michigan und Kollegen in dem Fachmagazin „The Lancet“.

Den Ergebnissen der Forscher zufolge steigt mit der Gewichtszunahme nach dem ersten Kind das Risiko für Totgeburten bei dem zweiten Kind. Frauen, die vor ihrer ersten Geburt Normalgewicht hatten, und anschließend sechs bis elf Kilogramm zunahmen, wiesen ein um 38 Prozent erhöhtes Risiko einer Totgeburt auf, erläutern die Forscher. Gleichzeitig habe sich bei den Kindern die Wahrscheinlichkeit eines Todes in den ersten Lebensmonaten um 27 Prozent erhöht. Im Gegenzug sei bei übergewichtigen Frauen, die nach der ersten Schwangerschaft abnahmen, eine reduziertes Risiko von Totgeburten und eine verringerte Säuglingssterblichkeit festzustellen gewesen. Die aktuellen Studienergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Körpergewichts für den Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit des ungeborenen Kindes, betonen Professor Villamor und Familie.

Übergewicht in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Totgeburten und Säuglingssterblichkeit. (Bild: ia_64/fotolia.com)
Übergewicht in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Totgeburten und Säuglingssterblichkeit. (Bild: ia_64/fotolia.com)

Steigender BMI führt zu mehr Totgeburten und höherer Säuglingssterblichkeit
Anhand der Daten von 456.711 Frauen zu ihren ersten und zweiten Schwangerschaften aus einer schwedischen Bevölkerungsstudie (Laufzeit 1992 bis 2012) haben die Wissenschaftler mögliche Zusammenhänge zwischen dem Schwangerschaftsverlauf und dem Körpergewicht überprüft. Die festgestellten Veränderungen des Body-Mass-Index (BMI) bei den Müttern zwischen der ersten und zweiten Schwangerschaften wurden mit dem Risiko der Totgeburten und der Säuglingssterblichkeit verglichen. Bei einem stabilen BMI zeigte sich in beiden Bereichen ein nahezu unverändertes Risiko. Mit steigendem Körpergewicht nach der ersten Schwangerschaft erhöhte sich allerdings auch das Risiko von Totgeburten und einem Tod der Kinder in den ersten Lebensmonaten. Nahmen die Frauen mehr als elf Kilogramm zu, war die Wahrscheinlichkeit einer Totgeburt um ganze 55 Prozent erhöht und die Säuglingssterblichkeit stiegt um 60 Prozent, berichten die Forscher.

Gewichtsabnahme reduziert das Risiko
Die aktuellen Studienergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, ein gesundes Körpergewicht vor der Schwangerschaft zu fördern, so Professor Villamor. Normalgewichtige Frauen sollten dabei unterstützt werden, ihr Gewicht zu halten, und bei Übergewichtigen sei vor der Schwangerschaft eine Gewichtsabnahme angeraten, berichten die Forscher. Ein solcher Gewichtsverlust kann das Risiko von Totgeburten und die Säuglingssterblichkeit laut Aussage von Villamor und Kollegen deutlich senken. (fp)