Gezeigte Empathie lindert Schmerzen

Alexander Stindt

Wie wirkungsvoll ist Empathie bei der Behandlung von Schmerzen?

Wenn Menschen unter Schmerzen leiden, werden ihnen häufig Schmerzmittel verschrieben. Forscher fanden jetzt heraus, dass nicht immer Schmerzmittel nötig sind, um den Betroffenen zu helfen. Empathische, positive Botschaften von Ärzten an ihre Patienten führen dazu, dass die erlittenen Schmerzen gelindert werden.


Die Wissenschaftler der international angesehenen University of Oxford und der University of Southampton stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Empathie von Ärzten und Medizinern Menschen mit Schmerzen bei der Reduzierung ihrer Schmerzen helfen kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of the Royal Society of Medicine“.

Wenn Menschen unter Schmerzen leiden, kann Empathie von Ärzten und Mediziner bewirken, dass diese Schmerzen reduziert werden. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Wissenschaftler analysierten die Daten von mehr als 6.000 Probanden

Für ihre Studie untersuchten die Mediziner insgesamt 28 klinische Studien, welche mehr als 6.000 Patienten umfassten. Die Auswertung zeigt, dass die Behandlungsergebnisse verbessert werden können, wenn die Ärzte empathischer auf ihre Patienten eingehen. Die untersuchten Studien befassten sich mit den Auswirkungen von Empathie oder positiver Kommunikation in Gesundheitsberatungen. Die Forscher untersuchten die Auswirkungen von Empathie auf Schmerz, Asthma, Reizdarmsyndrom, Osteoarthritis und Erholung nach der Operation. Die Mediziner untersuchten außerdem auch die Auswirkungen positiver Kommunikation auf Lebensqualität und Patientenzufriedenheit, basierend auf Berichten von Patienten in diesen Studien.

Wie wirkte sich die Empathie aus?

Die wichtigsten Vorteile wurden erzielt, wenn Ärzte den Patienten positive und beruhigende Botschaften mit der Absicht mitteilten, die Erwartungen eines Patienten zu verbessern. In diesen Studien berichteten Patienten, dass sie mit ihrer Behandlung fünf bis 20 Prozent zufriedener waren als diejenigen, die nur eine Standardversorgung erhielten. Außerdem berichteten die Teilnehmer über eine leicht verbesserte Lebensqualität.

Ist der Effekt klinisch relevant?

In Schmerzversuchen, bei denen die von Ärzten geäußerte verstärkte Empathie mit der üblichen Behandlung verglichen wurde, berichteten die Patienten im Durchschnitt auf einer visuellen Zehn-Punkte-Skala eine zusätzliche Schmerzreduktion um einen halben Punkt, sagen die Experten. Zwar deutet diese Reduzierung darauf hin, dass Empathie einen geringen Effekt auf den Schmerz hat, allerdings ist dieser nicht ausreichend für eine Reduktion um ein bis zwei Punkten, was vermuten lässt, dass der Effekt nur begrenzt klinisch relevant ist.

Empathie kann Schmerzen und Ängste lindern

Ärzte können viel mehr tun als Medikamente und andere Behandlungen zu verschreiben, um Patienten mit leichten bis mittelschweren Schmerzen zu helfen, erklärt Studienautor Dr. Jeremy Howick von der University of Oxford. Basierend auf den untersuchten klinischen Studien scheint das Potenzial für diese Art von Interventionen vielen Patienten in der Allgemeinmedizin zu helfen. Es ist klar, dass egal ob Patienten Medikamente brauchen oder nicht, eine Dosis Empathie ihre Schmerzen reduzieren und ihre Angst verringern kann, erläutern die Autoren der Studie.

Weitere Forschung ist nötig

Bei vielen der untersuchten Studien war die Qualität der Beweise nur relativ gering und es gab wenig Studien zu dem Thema. Dies bedeutet, dass sich die aktuellen Schlussfolgerungen mit zukünftigen Untersuchungen ändern könnten, erklärt Dr. Jeremy Howick. Die Studie zeigt, dass Empathie und positive verbale Kommunikation den Patienten einen relativ geringen Nutzen bringen und wahrscheinlich keine schädlichen Auswirkungen haben. Daher muss genauer untersucht werden, wie sich dieser Nutzen maximieren lässt. Während jetzt größere, qualitativ hochwertige Studien benötigt werden, ist die aktuelle Studie ein wichtiger Schritt vorwärts auf diesem konzeptionell schwierigen Feld, fügt Dr. Howick hinzu. (as)