Gibt es bald keine Hebammen mehr?

Sebastian

Die freie Geburtshilfe in Deutschland ist in Gefahr: Weil die Berufshaftpflichtversicherung in keinem Verhältnis zum Verdienst steht, müssen immer mehr Hebammen aufgeben.

22.11.2013

Wird es in Deutschland künftig keine freien Hebammen mehr geben? Wie der Deutsche Hebammen-Verband mitteilte, werden die Prämien zur Berufshaftpflichtversicherung zum 1. Juli 2014 erneut um 20 Prozent angehoben. Das würde bedeuten, dass eine freiberufliche Hebamme 5000 Euro und mehr pro Jahr allein für die Versicherung ausgeben muss. Die allermeisten freien Hebammen werden sich das nicht leisten können und deshalb ihren Beruf aufgeben, sagt auch Birgit Dreyer, Hebamme und Mitgesellschafterin des Geburtshauses Eilenriede, in Hannover.

Frau Dreyer, ist die Situation wirklich so akut?
Die Situation ist akut. Es gibt Regionen in Deutschland die keine außer-klinische Geburtshilfe mehr anbieten. In Hannover-Langenhagen beispielsweise hat der Kreißsaal in der Paracelcusklinik geschlossen. Kleinere Geburtshäuser werden nicht mehr lange durchhalten können. Und neue junge Kolleginnen werden den Schritt in die Freiberuflichkeit aus Existenzgründen nicht mehr wagen.

Sind alle Hebammen betroffen?
Die Erhöhung der Berufshaftpflichtversicherung betrifft die Freien Hebammen die Zuhause, im Geburtshaus oder als Beleghebammen Geburtshilfe anbieten. Die Klinikhebammen werden über die Kliniken versichert, allerdings oft nicht ausreichend.

Bereits im letzten Jahr gab es Proteste? Haben diese nichts bewirkt?
Die Proteste haben bewirkt das wir mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung gekommen sind. Einige Parteien haben uns entdeckt und kleine Anfragen an die Bundesregierung gestellt. Unsere Gebührenverordnung ist nicht zeitgemäß. Es gibt keinerlei Reglung mit den Versicherungen. Die Frage ist: Ist diese Monopolstellung in Deutschland überhaupt erlaubt?

Welche Folgen kommen insbesondere auch auf die Eltern zu?
Lange und schwierige Geburten, die auch teilweise traumatisch empfunden werden. Viele medizinische Interventionen, Eingriffe, Medikamente. Die Babys reagieren darauf. Und wahrscheinlich noch mehr Kaiserschnitte.

Ist es schon zu Versorgungsengpässen gekommen?
Ja, natürlich. Auf Sylt zum Beispiel wurde der Kreißsaal geschlossen. Die Frauen müssen zum Gebären ans Festland. Um dieses Dilemma zu lösen, werden die Chirurgen in der Sylter Klinik ausgebildet, um Kaiserschnitte zu unternehmen. Den Frauen wird angeraten, sich genau dafür zu entscheiden.

Ist es zu erwarten, dass die Politik sich dem Thema annimmt?
Schwer zu beantworten. Wir hoffen es.

Wir können Eltern Euch unterstützen?
Wir fangen gerade an bundesweit Aktionen zu planen. Wir brauchen zum Beispiel mehr Medienpräsenz. Das heißt wir müssen alle Familien mobilisieren die in Funk, Presse und Fernsehen arbeiten. Vielleicht werden wir streiken, denn es werden auf alle Fälle dunkle Zeiten anbrechen. Woraufhin die Familien laut werden sollten. Falls Demos geplant sind, sollten Alle immer mitgehen. (sb)

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