Gibt es gesunde Bräune und wie sehen die ersten Hautkrebs-Merkmale aus?

Sonnenverbrannte Haut ist keine Lappalie. Denn jeder einzelne Sonnenbrand wird auf unserem Haut-Konto gespeichert. (Bild: llhedgehogll/fotolia.com)
Nina Reese
Experten warnen: Eine gesunde Bräune gibt es nicht
Sonnenschein, Strand und Meer: Diese drei Dinge gehören für viele Menschen zu einem perfekten Urlaub einfach dazu. Häufig wird so lange in der Hitze „gebrutzelt“, bis es zu unangenehmen Hautreaktionen wie Sonnenbrand, Allergien oder sogar Hautkrebs kommt. Durch die Sonne können verschiedene Erkrankungen entstehen, daher ist ein richtiger Schutz unerlässlich. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“ klären Experten über die Gefahren auf und geben Tipps, auf welche Warnzeichen man achten sollte.

Die Haut sammelt Schädigungen über Jahre an
Viele Menschen unterschätzen die Gefahren, die von der Sonne ausgehen. Gerade hellhäutige Personen bekommen meist schnell einen Sonnenbrand und haben daher ein besonders hohes Risiko für Hautkrebs. Was viele nicht wissen: Die Haut „merkt“ sich die Schädigungen, die über die Jahre hinweg entstehen. „Sind genügend Schäden vorhanden, funktioniert die Reparatur der Zellen nicht mehr effektiv – dann kommt es zum Krebswachstum“, erklärt der Ärztliche Koordinator des Hauttumorzentrums Mannheim, Jochen Sven Utikal. Vor allem Sonnenbrände aus der Kindheit und Solarienbesuche gelten dabei als Risikofaktoren. „Gebräunt zu sein ist nach wie vor ein Schönheitsideal – dabei gibt es die gesunde Bräune nicht“, betont Oberärztin Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Denn zeigt die Haut Bräune, ist dies bereits ein Anzeichen für eine Schädigung, so die Expertin weiter. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass beim nächsten Mal auf mehr Schutz geachtet werden sollte.

Sonnenverbrannte Haut ist keine Lappalie. Denn jeder einzelne Sonnenbrand wird auf unserem Haut-Konto gespeichert. (Bild: llhedgehogll/fotolia.com)
Sonnenverbrannte Haut ist keine Lappalie. Denn jeder einzelne Sonnenbrand wird auf unserem Haut-Konto gespeichert. (Bild: llhedgehogll/fotolia.com)

Schwarzer Hautkrebs kann am ganzen Körper entstehen
Hat sich ein schwarzer Hautkrebs entwickelt, haben Betroffene zu Beginn meist kaum Beschwerden. „Man sieht einfach ein Muttermal, das sich verändert hat“, erklärt Utikal. Bei einem weißen Hautkrebs käme es zu kleinen Wucherungen auf der Haut wie z.B. einem Knötchen im Gesicht. In beiden Fällen könnte die Hautveränderungen dem Experten zufolge bluten und jucken. Die auch als „heller Hautkrebs“ bezeichnete Form entwickelt sich vor allem in den Körperregionen, die häufig Sonne abbekommen. Der besonders aggressive, bösartige schwarze Hautkrebs („malignes Melanom“) kann hingegen überall am Körper entstehen – auch an Stellen, wo die Sonne kaum hinkommt, wie z.B. auf der Kopfhaut oder unter Fuß- und Fingernägeln. Besonders häufig sind Brust und Rücken bei Männern sowie der Unterschenkel bei Frauen betroffen.

Anstieg von Krebs-Fällen bei jungen Frauen
Im Vergleich zum weißen Hautkrebs tritt ein malignes Melanom recht selten auf. „Bei schwarzem Hautkrebs gehen wir pro Jahr von 22 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner aus“, sagt Facharzt Uwe Reinhold vom Dermatologischen Zentrum Bonn Friedensplatz. Besonders häufig seien dabei Personen zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr sowie mit Mitte 50 betroffen, zudem sei in den letzten Jahren ein Anstieg bei jungen Frauen zu verzeichnen. Bei der hellen Variante geht der Experte von bis zu 400 Neuerkrankungen im Jahr pro 100.000 Einwohner aus. Diese entwickele sich gehäuft bei Männern, die durch Haarausfall oder einem Beruf unter freiem Himmel ein erhöhtes Risiko haben, so Reinhold gegenüber der „dpa“.

Mehr als der Hälfte der Betroffenen kann langfristig nicht geholfen werden
Der Schwarze Hautkrebs ist besonders fies, da er laut Utikal bereits ab einem Millimeter Tumordicke streuen und dadurch z.B. Lymphknoten, Lunge und Gehirn befallen kann. Hier wachse er weiter und könne lebenswichtige Strukturen angreifen. Im weit fortgeschrittenen Stadium sei die Erkrankung daher nur sehr schwer behandelbar, erklärt Jessica Hassel. „Es gehört auch eine Portion Glück dazu, zu denen zu gehören, die das langfristig packen“, so die Oberärztin. Nach Annahme der Expertin könne der gestreute schwarze Hautkrebs heutzutage aufgrund der medizinischen Entwicklung bei etwa 35 Prozent der Patienten langfristig unter Kontrolle gebracht werden. Gleichzeitig bedeute dies aber auch, dass mehr als 50 Prozent der Patienten nicht langfristig geholfen werden könne. „Da können wir allenfalls eine Lebensverlängerung erreichen“, führt Hassel fort. In der Folge versterben viele Betroffen, bei den 18 bis 30-jährigen stelle das maligne Melanom die zweithäufigste Todesursache dar, ergänzt Reinhold.

Bei Hautkrebs ist vor allem die frühzeitige Erkennung wichtig.  (Bild: fovito/fotolia.com)
Bei Hautkrebs ist vor allem die frühzeitige Erkennung wichtig. (Bild: fovito/fotolia.com)

Funktionseinschränkungen durch weißen Hautkrebs
Der helle Hautkrebs streut hingegen bei einem intakten Immunsystem nur sehr selten und muss bei frühzeitiger Erkennung daher überhaupt nicht tödlich enden. Doch auch diese Form darf nicht unterschätzt werden, denn meist sind viele Operationen nötig, wodurch die Lebensqualität der Patienten massiv eingeschränkt wird. „Meist sind das sonnenexponierte Stellen wie Nase oder Ohren und das kann verbunden sein mit Funktionseinschränkungen“, so Reinhold weiter. Ebenso sind Entstellungen möglich, wenn aufgrund mehrere Tumoren auch häufiger operiert werden muss.

Wird der weiße Hautkrebs sehr früh entdeckt, sei demnach eine medikamentöse Tumortherapie in Form einer Creme möglich. „Außerdem gibt es noch die photodynamische Therapie, bei der man mit Creme und Licht behandelt. Bei einem weiter fortgeschrittenen Tumor ist die Operation die Therapie der Wahl“, informiert Uwe Reinhold. Wer an einem schwarzen Hautkrebs erkrankt, komme laut dem Experten schon im Anfangsstadium nicht um eine OP herum. Ist es dafür zu spät, weil der Tumor bereits gestreut hat, können neue Immuntherapien eingesetzt werden. „So kann man versuchen, dass der Patient möglichst lange gut lebt“, erklärt Utikal aus Mannheim.

Frühzeitige Erkennung besonders wichtig
Wie hoch die Heilungschancen stehen, hängt davon ab, wie früh die Erkrankung entdeckt und behandelt wird. Patienten mit weißem Hautkrebs hätten den Experten nach sehr gute Chancen, nach einer OP würden diese für den einzelnen Tumor fast 100 Prozent betragen. Beim schwarzen Hautkrebs bestehe laut Reinhold in den frühen Stadien eine Heilungschance von 93 Prozent, durch zu langes Abwarten würde diese jedoch auf bis unter 50 Prozent sinken. Doch auch eine fortgeschrittene Erkrankung könne aufgrund neuartiger Therapien heutzutage deutlich besser behandelt werden.

Sonnenallergie: Juckende Hautveränderungen durch ungewohnte Strahlenbelastung
Wer im Urlaub gerne stundenlang am Strand liegt, kann auch schnell eine so genannte „Sonnenallergie“ entwickeln. Denn diese in der Medizin als „polymorphe Lichtdermatose“ bezeichnete Hautreaktion entsteht, wenn Menschen mit empfindlicher Haut einer ungewohnt hohen UV-A- und /oder UV-B-Strahlung ausgesetzt sind. In der Folge kommt es zu Hautveränderungen, vor allem an den Stellen, die besonders häufig der Sonne ausgesetzt sind wie z.B. Hals und Dekolleté, Arme, Beine und Gesicht. Meist vergehen jedoch einige Stunden oder sogar Tage nach dem Sonnenbad, bis stark juckende, rötliche Quaddeln oder Stippchen, Hautbrennen oder sogar Schmerzen an der betroffenen Hautstelle auftreten.

Um die polymorphe Lichtdermatose effektiv zu behandeln, sollte in erster Linie UV-Strahlung vermieden bzw. immer auf einen entsprechenden Schutz geachtet werden. Hier empfiehlt sich ein Sonnenmittel mit sehr hohem Lichtschutzfaktor (mindestens 50), zudem sollten sich Betroffene durch einen Hut und bedeckende Kleidung schützen. Bei einer akuten Reaktion kann eine Creme mit so genannten „Kortikoiden“ (z.B. Hydrokortison) helfen, gegen den starken Juckreiz kommen häufig Antihistaminika zum Einsatz.

Eine Sonnenallergie tritt schnell bei ungewohnter Strahlen-Belastung auf. Statt der gewünschten Bräune zeigt sich dadurch ein stark juckender Hautausschlag. (Bild: Astrid Gast/fotolia.com)
Eine Sonnenallergie tritt schnell bei ungewohnter Strahlen-Belastung auf. Statt der gewünschten Bräune zeigt sich dadurch ein stark juckender Hautausschlag. (Bild: Astrid Gast/fotolia.com)

Mallorca Akne lässt unschöne Pickel sprießen
Eine Sonderform der Lichtdermatose ist die so genannte „Mallorca-Akne“ (Acne aestivalis), die für viele Urlauber eine sehr unangenehme Belastung darstellt. Sie entsteht bei Personen mit entsprechender Veranlagung durch die Kombination von UV-Strahlung, körpereigenen Talgfetten und bestimmten Inhaltsstoffen aus Kosmetika bzw. Sonnenschutzmitteln. Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren entsteht an den Haarfollikeln eine Entzündung, die zu kleinen Pickelchen und Pusteln führt – ähnlich wie bei einer Akne. Die Hautveränderungen bleiben meist für mehrere Wochen bestehen, wobei Ausschlag im Gesicht eher selten ist. Häufiger tritt die Mallorca-Akne stattdessen auf den Hautpartien an den Schultern, dem oberen Rücken oder im Dekolleté auf. Anders als bei der „echten“ Akne bilden sich jedoch keine eitrigen Entzündungen – dafür leiden Betroffene aber unter dem extrem juckenden Hautausschlag.

Abhilfe schafft hier nur das rigorose Vermeiden von Sonne und der ausreichende Schutz der betroffenen Körperstellen, damit sich die Haut erholen kann. Rezeptfreie Kortisongels oder Antihistaminika können den Juckreiz lindern, zudem wirken sie gegen die Entzündungsreaktion und können so ursächlich gegen die unangenehmen Pusteln helfen. Keinesfalls sollten Betroffene an den Pickelchen herumdrücken oder kratzen, denn dadurch verschlimmern sich die Symptome nur. (nr)

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