Giftige Stoffe in Tattoo-Farben

Sebastian

Giftige Stoffe in Tattoo-Farben: In Analysen fanden Verbraucherschützer krebserregende Substanzen und verbotene Konservierungsstoffe

19.02.2011

Das Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg warnt vor giftigen Inhaltsstoffen in Tattoo-Farben. In den Farben wurden bei Stichproben teilweise krebserregende Stoffe und Spuren von Autolacken gefunden. Der Verbraucherschutzminister fordert strengere Regeln und eine neue Tätowiermittel-Verordnung.

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Seit dem ersten Mai 2009 gilt in Deutschland die Tätowiermittel-Verordnung, an die sich alle Tattoo-Anbieter halten müssen. Anscheinend reicht diese Verordnung allerdings nicht aus. Im letzten Jahr wurden im Auftrag des Verbraucherschutzministers zahlreiche Farben auf Inhaltsstoffe untersucht. Insgesamt 38 Tätowierfarben hatten die Wissenschaftler von unterschiedlichen Studios analysiert. Die Tester konzentrierten sich dabei besonders auf die Tätowierfarben Rot, Orange und Gelb, weil hier die größten gesundheitlichen Risiken vermutet werden. Insgesamt 34 Proben (etwa ein Drittel) wurden beanstandet, weil zum Teil verbotene Stoffe gefunden wurden. In der Hälfte aller untersuchten Farben wurden bedenkliche Inhaltsstoffe gefunden, diese enthielten Stoffe wie aromatische Amine, Nitrosamine und Phenol. In zwei Drittel der Fällen wurden sogar technische Farbpigmente gefunden, die auch zur Herstellung von Autolacken verwendet werden. In nur 5 Prozent der getesteten Farben konnten gesundheitlich schädliche Substanzen ausgeschlossen werden.

Verbraucherschützer fordern strengere Richtlinien
In diesem Zusammenhang fordert der Baden-Württembergische Verbraucherschutzminister Rudolf Köberle strengere Richtlinien für Tätowierfarben. "Die Sicherheitsbewertung von Tätowierfarben muss zur Pflicht gemacht werden, bevor diese mit der menschlichen Haut in Berührung kommen", forderte Köberle gestern in Karlsruhe. Um Verbraucher vor gesundheitlichen Folgen zu schützen, muss die Tätowiermittel- Verordnung dringend nachgebessert werden. Die Regelung existiert bereits seit 2009 und wurde seit dem nicht mehr verändert. Die Hersteller, Importeure und Tattoo-Shops müssen in die Verantwortung genommen werden, damit die Farben auf Unbedenklichkeit geprüft werden können. Zudem solle der Bund eine sogenannte Positivliste erstellen, damit öffentlich kenntlich gemacht wird, welche Bestandteile in den Farben für den Konsumenten unbedenklich sind. Denn die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass von einem Großteil der Farben zum Teil erhebliche Risiken für die Gesundheit ausgehen.

Tattoo-Willige sollten sich im Vorfeld genau informieren
Für die Verbraucher entsteht nun eine unsichere Situation. Wie sollen schädliche Stoffe deutlicher kenntlich gemacht werden? Die Leiterin des Labors für kosmetische Mittel am Chemischen Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe rät Tattoo-Willigen, sich vor einer Tätowierung bei dem Betreiber schlau zu machen. Dafür sollte man im Vorfeld die „Leitlinien der Untersuchungsämter für Betreiber von Tattoo-Studios durchlesen“. Diese sind online verfügbar. Danach kann der Betreiber gezielt nach den Inhaltsstoffen der Farben befragt werden. Wer im Nachhinein unzufrieden ist oder gesundheitliche Schäden davon trug, sollte dies dem Veterinäruntersuchungsamt zeitnah melden.

Mehr als zehn Prozent sind tätowiert
Die Freude am Tätowieren hat in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. Noch vor einigen Jahrzehnten verbanden die meisten Menschen Farbmuster auf Haut mit einem kriminellen Hintergrund oder einer Jugendsubkultur. Heute sind Tattoos beinahe gesellschaftlich anerkannt. Selbst Bankmanager tragen mittlerweile kunstvolle Farbbilder auf ihrer Haut. Nach Schätzungen der WHO sind rund 10 bis 20 Prozent der Menschen in den westlichen Industrienationen tätowiert. Etwa ein Prozent davon ist zum Teil stark tätowiert. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, welche Langzeitfolgen entstehen können. Einzig und allein wurde bereits wissenschaftlich nachgewiesen, dass Tattoo-Träger oftmals Farbstoffe in den Lymphknoten aufweisen. Hieraus kann sich nach Meinung von Gesundheitsexperten auch Krebs entwickeln. Ob generell das Krebsrisiko steigt, wird zwar von vielen Medizinern vermutet, konnte aber bislang nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Hierzu gab es bislang keine hinreichenden Langzeitstudien, die das beweisen könnten.

Betreiber bestellen Tätowierfarben im Internet
Für die Betreiber könnte es zukünftig schwieriger werden, kostengünstige Farbstoffe zu erwerben. Eine Vielzahl der Shop-Besitzer bestellt nämlich die Farben im Internet. Diese werden dann zum Teil aus asiatischen Ländern geliefert. Eben bei jenen Farben ist die Gefahr groß, dass krebserregende Substanzen, verbotene Konservierungsmittel oder giftige Farbstoffe enthalten sind. Aus diesem Grund fordert der Verbraucherschutzminister eine einheitlich verbindliche Regelungen, die auch international gelten solle. Die Laborleiterin bemängelte, dass die Kosmetik-Verordnung sehr genau und eindeutig geregelt ist, bei der Tätowiermittel-Verordnung gebe es einen akuten Nachholbedarf. Hier müssten zahlreiche Änderungen und Neuerungen vollzogen werden. (sb)

Bild: Christoph Aron (Pixelmaster-X,deep-pixel) / pixelio.de