Giftstoffe aus Körperpflegeprodukten im Urin vieler Männer sichtbar

Alexander Stindt
Wie schädlich sind aufgenommene Chemikalien aus Pflegeprodukten?
Bei der Herstellung von vielen Produkten werden Chemikalien verwendet. Diese gelangen nicht selten in den Körper der nutzenden Personen und verursachen dort verschiedene gesundheitliche Probleme. Forscher fanden jetzt heraus, dass sogenannte Phthalate und Parabene, welche in vielen Körperpflegeprodukten enthalten sind, auch im Urin von Männern festgestellt werden können.

Bestimmte Chemikalien wie beispielsweise Phthalate und Parabene sind weit verbreitet in Körperpflegeprodukten. Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard T.H. Chan School of Public Health stellten bei einer aktuellen Untersuchung fest, dass diese Chemikalien auch in den Urinproben von Männern nachweisbar sind. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Environmental Health Perspectives“.

Die Verwendung von einige Produkten zur Körperpflege könnte bei Männern zu gesundheitlichen Problemen führen. Forscher stellten fest, dass solche Produkte bei Männern zu einer erhöhten Konzentration von Phthalaten und Parabenen im Urin beitragen. (Bild: Alexander Raths – fotolia)

In welchen Produkten kommen Phthalate und Parabene vor?
Sogenannte Phthalate werden in der als Weichmacher in zahlreichen Produkten verwendet. Die Verwendung reicht dabei von Vinylböden bis hin zu Lebensmittelverpackungen. Parabene sind weitverbreitet in verschiedenen Körperpflegeprodukten, wie Sonnencreme und Deodorants. Sie sollen deren Haltbarkeit verlängern. Einige der Chemikalien sind sogenannte endokrine Disruptoren (hormonaktive Substanzen), welche negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Nutzer haben können.

Was sind endokrine Disruptoren?
Als endokrine Disruptoren werden Stoffe bezeichnet, welche das menschliche Hormonsystem verändern können. Wenn eine zu hohe Dosis dieser Chemikalien in den Körper gelangt, kann dies zu einer Schädigung der Gesundheit führen, erläutern die Experten. Endokrine Disruptoren können natürlicherweise in der Umwelt vorkommen oder synthetisch hergestellt werden. Die tatsächlichen Auswirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel sind bisher weitgehend unerforscht gewesen.

Mediziner untersuchen die Urinproben von 400 Männern
Für ihre Studie untersuchten die Experten insgesamt 1.037 Urinproben von 400 Männern. Diese Männer berichteten über die Verwendung von 14 verschiedenen Körperpflegeprodukten. Die Urinproben wurden im Zeitraum zwischen dem Jahr 2004 und dem Jahr 2015 genommen.

Parfüms, Deodorants, Sonnencremes und Lotionen enthalten schädliche Chemikalien
Durch die Analyse der Urinproben konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die größten Mengen der aufgenommenen Phalate mit der Verwendung von Parfüms und Deodorants verbunden waren. Die größte prozentuale Zunahme bei Parabenen stand mit der Verwendung von Sonnencreme und Hand- oder Körperlotionen in Verbindung. Eine erhöhte Konzentration dieser Chemikalien konnte in der Regel innerhalb von nur sechs Stunden nach der Verwendung der Produkte festgestellt werden, sagen die Mediziner.

Schädliche Chemikalien sind in der heutigen Gesellschaft weit verbreitet
Die Identifizierung der wichtigsten Quellen der Exposition durch Phthalate und Parabene ist von größter Bedeutung für Betroffene und Mediziner, weil die Nutzung dieser Chemikalien in unserer heutigen Gesellschaft weit verbreitet ist und negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben kann. Frühere epidemiologische Studien über Phthalate und Parabene waren bisher vor allem auf Frauen und Kinder ausgerichtet. Bei einer dieser Studien fanden die Forscher beispielsweise heraus, dass Phthalate das Allergie-Risiko bei Kindern erhöhen.

Das Verständnis über die Auswirkungen der Chemikalien muss verbessert werden
Es gab nur bisher wenige Studien zu dem Thema, welche sich mit Männern beschäftigten. Hier bestehen jedoch große Unterschiede bei der Art und Häufigkeit des Kontakts mit den Chemikalien zwischen beiden Geschlechtern, erläutern die Wissenschaftler. Ein besseres Verständnis der spezifischen Quellen, welche zu einer erhöhten Konzentration von Phthalaten und Parabenen beitragen, ist daher dringend notwendig, fügen die Forscher hinzu. (as)