GKV: Weniger Krankenhausschließungen geplant

Heilpraxisnet

Gutachten: Weniger Kliniken geschlossen als angenommen

26.08.2014

Ein Gutachten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kommt zu dem Ergebnis, dass in den letzten zehn Jahren wesentlich weniger Kliniken in Deutschland geschlossen wurden, als bislang angenommen. Das Statistische Bundesamt geht jedoch von anderen Zahlen aus.

Weniger Kliniken geschlossen als angenommen
Nach Darstellung der Krankenkassen wurden in Deutschland viel weniger Kliniken geschlossen, als bislang angenommen. Zwar gehe das Statistische Bundesamt laut einer dpa-Meldung für 2003 bis 2012 von einem Rückgang der Zahl der Krankenhäuser um insgesamt 204 auf 2017 aus, doch einer am Montag veröffentlichten Studie im Auftrag des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zufolge haben nur 74 völlig aufgegeben. Einige der Häuser seien beispielsweise von anderen Trägern übernommen oder mit anderen Kliniken zusammengelegt worden. Klinikschließungen waren zudem nur für einen Bruchteil der insgesamt 46.000 abgebauten Betten die Ursache, nur 5.200 Betten seien so zu erklären. Schon seit Jahren machen Experten steigenden Kostendruck durch den Fortschritt in der Medizin-Technik sowie den demografischen Wandel für Klinikschließungen verantwortlich.

Vor allem kleine Krankenhäuser betroffen
Vor allem habe es „kleinere und kleinste Krankenhäuser“ mit durchschnittlich 70 Betten getroffen, wie es in der Studie heißt. Von diesen Marktaustritten seien wiederum 70 Prozent in Ballungszentren – offenbar in Konkurrenz zu größeren Kliniken – registriert worden. Nach Möglichkeit werde die Schließung eines Krankenhauses vermieden, sogar dann, wenn an Wirtschaftlichkeit und Relevanz für die Versorgung der Bevölkerung schon lange Zweifel bestünden, heißt es in der Studie weiter. Demnach hätten vor allem öffentliche Träger und verantwortliche Politiker aus wahlstrategischen Erwägungen Hemmungen, Krankenhäuser vollständig zu schließen. „Um nahezu jeden Preis“ werde dann an dem Haus festgehalten.

Strukturkrise im Krankenhausmarkt
Das habe zu einer Strukturkrise im Krankenhausmarkt geführt. Die Autoren der Studie kritisieren: „Die aufgrund der hohen Marktaustrittsbarrieren unterbleibende … Anpassung der Kapazität hat dazu geführt, dass viele Marktteilnehmer dauerhaft hohe Verluste erwirtschaften, von einer Insolvenz bedroht sind und keine optimale Versorgung mehr erbringen.“ Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), hielt der Studie entgegen: „Die Analyse bestätigt, dass im Krankenhauswesen sehr intensive Strukturanpassungen stattfinden. Denn hinter jedem der 204 geschlossenen beziehungsweise nicht selbstständig weitergeführten Krankenhäusern stehen Kapazitäts- und Leistungsanpassungen an den konkreten örtlichen Bedarf.“

Hohe Kosten für Schließungen
Mit ihrer Studie brächten die Krankenkassen erneut „zum Ausdruck, dass ihr Ziel Kostensenkung ohne Rücksicht ist, nicht aber die medizinische Versorgung der Menschen in den Regionen“, so Baum. Allerdings stimme die DKG mit dem GKV-Spitzenverband überein, dass die Strukturanpassungen finanzielle Unterstützung bräuchten „und dass im Rahmen der Gesundheitsreform darüber Entscheidungen getroffen werden müssen.“ In der Studie wird auf hohe Schließungskosten für den Träger bei einem Marktaustritt verwiesen und empfohlen, dringend „Marktaustrittsbeihilfen oder Beihilfen zur Umwandlung von Krankenhäusern in andere gesundheitliche Versorgungsangebote zu schaffen.“ Konkrete Planungen dafür in Höhe von 500 Millionen Euro seien von Union und SPD im Herbst 2013 „in letzter Minute wieder aus dem Koalitionsvertrag gestrichen“ worden. (ad)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de