Glatze und graues Haar deuten auf ein erhöhtes Herzerkrankungsrisiko hin

Alexander Stindt

Was sagen eine frühzeitige Glatzenbildung und graue Haare über die Gesundheit aus?

Die meisten Männer wünschen sich, die Bildung einer Glatze möglichst lange zu vermeiden, weil sie fürchten, dadurch an Attraktivität zu verlieren. Eine frühzeitige Glatzenbildung kann allerdings auch auf drohende gesundheitliche Probleme hinweisen. Mediziner fanden heraus, dass Erkrankungen der Koronararterien bei Männern mit Glatze oder grauen Haaren häufiger auftreten. Diese Erkrankung ist oft Vorläufer eines Herzinfarkts.

Die Wissenschaftlern der European Society of Cardiology stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Bildung einer Glatze und graue Haare mit einer Koronararterien-Erkrankung in Verbindung gebracht werden können. Die Experten veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie, außerdem stellten sie ihre Forschung auf der diesjährigen Konferenz der Kardiologischen Gesellschaft von Indien vor.

Wenn Männer frühzeitig eine Glatze entwickeln oder graue Haare bekommen, steht dies häufig in Verbindung mit Erkrankungen der Koronararterien, welche oft vor einem Herzinfarkt auftreten. (Bild: Bits and Splits/fotolia.com)

Plaque in den Arterien führt zu koronarer Herzerkrankung

Eine Erkrankung der Koronararterien tritt häufig vor einem Herzinfarkt auf. Die Gefahr, die von solch einer Erkrankung ausgeht ist nicht zu unterschätzen, sagen die Forscher. Das Risiko einer koronaren Herzerkrankung entstehe, wenn sich Plaque in den Arterien bilden.

Studie umfasste mehr als 2.000 männliche Probanden

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler insgesamt mehr als 2.000 indische Männer. Dabei konnte festgestellt werden, dass wenn Männer frühzeitig eine Glatze oder graue Haare bekommen, ein höheres Risiko für koronare Herzkrankheiten vorliegt. 790 der untersuchten Männer waren im Alter unter 40 Jahren und hatten eine koronare Herzkrankheit. 1.270 untersuchte Probanden im ähnlichen Alter waren vollkommen gesund und dienten als Kontrollgruppe.

Die Haare der Teilnehmer wurden genau untersucht und in verschiedene Skalen eingestuft

Alle Teilnehmer hatten ihre Krankengeschichten, Blutuntersuchungen und andere medizinische Untersuchungen analysieren lassen, um so die Gesundheit ihres Herzens festzustellen. Bei der Studie wurde der Grad des Haarverlustes für alle Teilnehmer zwischen eins und drei eingestuft. Eine höhere Zahl bedeutete bei der Einstufung, dass die Teilnehmer weniger Haare hatten. Außerdem wurde auf einer anderen Skala bewertet, wie viele graue Haare die Probanden hatten. Diese Skala reichte von eins bis fünf, die höhere Zahl stand dabei für mehr graue Haare.

Wie wirkten sich graue Haare und eine frühzeitige Glatze aus?

Die Mediziner stellten bei ihrer Studie fest, dass ein früher Haarverlust bei den Männern mit einem 5,6-fach erhöhten Risiko für eine Herzkranzgefäßerkrankung einherging. Wenn Männer frühzeitig Haarpigmente verloren, hatten sie ein um 5,3-fach erhöhtes Risiko für solch eine Herzerkrankung. Diese beiden Faktoren waren stärkere Prädiktoren für die Herzerkrankung als Adipositas, die mit einem erhöhten Risiko um das 4,1-fache verbunden war.

Auswirkungen von Adipositas

Nach Angaben des U.S. Department of Health & Human Services sind überflüssige Pfunde auch mit anderen medizinischen Beeinträchtigungen verbunden, wie beispielsweise einem hohen Cholesterinspiegel, hohen Triglycerid-Werten, Bluthochdruck und Diabetes. Von diesen Erkrankungen wird ebenfalls angenommen, dass sie das Risiko für eine Herzerkrankung stark erhöhen.

Glatzenbildung und vorzeitiges Ergrauen deuten auf das biologische Alter hin

„Kahlköpfigkeit und vorzeitiges Ergrauen sollten als Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit angesehen werden“, sagt Autor Dr. Kamal Sharma vom U.N. Mehta Institute of Cardiology and Research Centre. „Diese Faktoren können eher ein biologisches als ein chronologisches Alter anzeigen, was für die Bestimmung des gesamten kardiovaskulären Risikos wichtig sein kann. Gegenwärtig verwenden Ärzte den gesunden Menschenverstand, um das biologische Alter abzuschätzen, aber eine validierte Skala ist erforderlich“, fügt der Experte hinzu.

Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht

Die Ergebnisse der Studie bedeuten allerdings nicht, dass Sie aufhören sollten, auf ein gesundes Körpergewicht zu achten, nur weil Sie noch mit vollem, nicht ergrauendem Haar gesegnet sind. Ärzte müssen auch weiterhin vor den gesundheitlichen Gefahren warnen, welche durch einen zu hohen Body-Mass-Index ausgelöst werden. (as)