Globaler Vergleich der Gesundheitssysteme: Deutschland belegt nur den 20. Platz

Fabian Peters
Qualität der Gesundheitsversorgung weltweit gestiegen
Weltweit hat sich die Gesundheitsversorgung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, doch ist der Abstand zwischen den Staaten mit dem höchsten Versorgungsniveau und den Staaten mit dem geringsten Versorgungsniveau dabei weiter gestiegen. Deutschland erreicht in dem aktuellen Ranking Platz 20 bei dem „Healthcare Quality and Access Index“ (HAQ-Index).

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung hunderter Wissenschaftler weltweit hat den Zugang zu den Gesundheitssystemen und die Qualität der Gesundheitsversorgung in 195 Staaten untersucht. In den vergangenen 25 Jahren ist demnach der sogenannte HAQ-Index in einem Großteil der Länder gestiegen. Die beste Platzierung bei dem Vergleich des HAQ-Index erreichte Andorra. Deutschland liegt auf Platz 20, was verdeutlicht, dass auch hierzulande noch deutliche Qualitätsverbesserungen bei der Gesundheitsversorgung möglich wären. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden in dem Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht.

Die Qualität der Gesundheitsversorgung hat sich weltweit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. (Bild: bnenin/fotolia.com)

Gesundheitsversorgung in 195 Staaten bewertet
Die Wissenschaftler der „GBD 2015 Healthcare Access and Quality Collaborators“ haben in ihrer Studie die Qualität der Gesundheitsversorgung in 195 Staaten weltweit untersucht und dabei festgestellt, dass sich in 167 dieser Staaten der HAQ-Index zwischen 1990 und 2015 verbessert hat. Der durchschnittlich HAQ-Index weltweit stieg im dem genannten Zeitraum von 40,7 auf 53,7 Punkte. Dennoch fiel der Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten beobachteten HAQ-Index im Jahr 2015 größer aus als noch im Jahr 1990, berichten die Forscher.

Sterblichkeit bei bestimmten Krankheiten als Bewertungsgrundlage
Basis für die Bewertung waren die Daten aus der „Global Burden of Disease Study“, wobei sich die Wissenschaftler auf die Sterblichkeit bei bestimmten Erkrankungen (zum Beispiel Tetanus, Tuberkulose und verschiedene Krebserkrankungen) konzentrierten, die bei adäquater Behandlung normalerweise nicht tödlich verlaufen. Eine hohe Sterblichkeit bei diesen Erkrankungen steht laut Aussage der Forscher in engem Zusammenhang mit der Qualität der Gesundheitsversorgung. Allerdings haben die erfassten Daten die Schwäche, dass viele chronische Erkrankungen nicht berücksichtigt wurden, räumen die Wissenschaftler ein.

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Verbesserungen der Gesundheitsversorgung hätten größer ausfallen können
Zu den Ländern mit den größten Verbesserungen der Gesundheitsversorgung in den vergangenen Jahrzehnten zählen laut Angaben der Forscher Südkorea, die Türkei, Peru, China und die Malediven. Besonders schlecht verlief die Entwicklung zum Beispiel in einigen zentralafrikanischen Staaten und in Afghanistan. Die Forscher errechneten in ihrer Studie außerdem, welche Qualität die Gesundheitsversorgung der Länder auf dem jeweiligen Entwicklungsniveau (Soziodemografischer Index; SDI) theoretisch erreichen könnte. „Wenn jedes Land den höchsten HAQ-Index bezogen auf seinen SDI-Wert erreicht hätte, hätte der Durchschnitt im Jahr 2015 bei 73, 8 Punkten gelegen“, berichten die Wissenschaftler.

Auch in Deutschland noch deutliches Verbesserungspotenzial
Für Deutschland errechneten die Forscher einen theoretisch erzielbaren HAQ-Index von 90,7 Punkten, wobei jedoch lediglich 86,4 Punkte tatsächlich erreicht wurden. Zwar werden in der Studie keine expliziten Defizite benannten, doch zählen beispielsweise Masern mit in den Pool der bewerteten Krankheiten und die Ausrottung der Viren ist in Deutschland bislang weniger erfolgreich als in anderen Staaten. In jedem Fall wird anhand der Bewertung deutlich, dass auch hierzulande noch Verbesserungspotenzial bei der Qualität der Gesundheitsversorgung besteht. (fp)