Gottesglauben durch mehr Sex? Kuschel-Hormon erhöht unsere Spiritualität

Alexander Stindt
Beim Sex werden Hormone freigesetzt, die unsere Religiosität steigern
Kann unsere Sexualität sich auf unsere Spiritualität oder unseren Glauben auswirken? Forscher fanden jetzt heraus, dass beim Sex Hormone freigesetzt werden, die tatsächlich das Gefühl von Religiosität stimulieren können.

Die Wissenschaftler der Duke University in North Carolina stellten jetzt bei einer Untersuchung fest, dass die Freisetzung von Oxytocin tatsächlich die Spiritualität und den Glauben an Gott erhöht. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Social Cognitive and Affective Neuroscience“.

Beeinflusst unsere Sexualität unsere Spiritualität? Mediziner fanden heraus, dass das freigesetzte Hormon Oxytocin unsere Spiritualität zu verbessern scheint. (Bild: detailblick-foto/fotolia.com)
Beeinflusst unsere Sexualität unsere Spiritualität? Mediziner fanden heraus, dass das freigesetzte Hormon Oxytocin unsere Spiritualität zu verbessern scheint. (Bild: detailblick-foto/fotolia.com)

Männer mittleren Alters werden durch Oxytocin gläubiger
Höhere Ebenen von Oxytocin führen bei Männern mittlere Alters zu einer erhöhten Spiritualität. Dieser Effekt blieb bis zu eine Woche bestehen, erläutern die amerikanischen Autoren. Eine Kontrollgruppe erhielt zum Vergleich der Auswirkungen nur ein Placebo. Bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe konnte dann auch keine erhöhte Spiritualität festgestellt werden, fügen die Forscher hinzu.

Oxytocin verbessert spirituelle Erfahrungen
Die bisherige Forschung hat bereits ergeben, dass Spiritualität und Meditation eine Verbindung mit Gesundheit und Wohlbefinden zu Grunde liegt, erklärt die leitende Autorin Dr. Patty Van Cappallen. Das Hormon führte auch zusätzlich zu mehr positiven Emotionen während der Meditation. Die Wissenschaftler waren nun daran interessiert, die biologischen Faktoren besser zu verstehen, welche diese intensiveren spirituellen Erfahrungen auslösen.

Hormon fördert Empathie und Vertrauen
Oxytocin wird natürlicherweise im menschlichen Hypothalamus produziert und frühere Forschungen über das Hormon ergaben bereits, dass es eine Rolle bei der Förderung von Empathie, Vertrauen, sozialer Bindung und Altruismus spielt, erläutern die Wissenschaftler. Eine ältere Studie zu diesem Thema zeigte beispielsweise, dass das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin Männer viel kritischer macht.

Spiritualität gibt dem Leben Sinn und Zweck
Die Oxytocin-Gruppe berichtete während der Untersuchung, dass die Spiritualität in ihrem Leben einen wichtigen Platz einnimmt. Durch Spiritualität hat das Leben Sinn und Zweck, erläuterten einige der Probanden. Dies bestätigte sich unabhängig davon, ob Teilnehmer zu einer organisierten Religion gehören oder nicht, berichtet die Forscher.

Teilnehmer sprechen von höheren Ebenen des Bewusstseins
Wenn Teilnehmer das Hormon erhielten, unterstützten sie eher die Aussagen, dass alles im Leben miteinander verbunden ist und es durchaus höhere Ebenen des Bewusstseins oder der Spiritualität gibt, die alle Menschen miteinander verbinden, berichten die Autoren.

Oxytocin-Gruppe erlebt mehr positive Emotionen
Die Probanden in der Oxytocin-Gruppe berichteten über mehr positive Emotionen von Ehrfurcht, Dankbarkeit, Inspiration, Liebe, Hoffnung, Interesse und Gelassenheit, erläutern die Mediziner. Die Ergebnisse liefern jetzt die ersten experimentellen Hinweise dafür, dass die Spiritualität durch das Hormon Oxytocin unterstützt wird.

Die Spiritualität ist ein komplexes Thema
Die Ergebnisse sollten aber nicht verallgemeinert werden, warnt Dr. Van Cappellen. Die Spiritualität ist äußerst komplex und wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, fügt die Medizinerin hinzu. (as)