GPS-Schuhe für Alzheimer-Patienten

Fabian Peters

Alzheimer-Patienten sollen über GPS-Schuhen geortet werden

25.10.2011

Mit speziellen GPS-Schuhen sollen Alzheimer-Patienten in Zukunft jederzeit aufspürbar sein. Die ungeplanten, bisweilen äußerst riskanten Ausflüge der geistig Verwirrten lassen sich auf diese Weise fortan vermeiden, so das Versprechend der US-Herstellerfirmen.

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Immer wieder verlassen Patienten, die unter Alzheimer leiden, spontan ohne Begleitung ihr gewohntes Umfeld und irren in verwirrtem Zustand umher. Durch GPS-Sender in den Schuhen könnte das plötzliche Verschwinden der Alzheimer-Patienten in Zukunft möglicherweise vermieden werden. Auf diese Weise ließe sich die Sicherheit der Alzheimer-Patienten deutlich verbessern. Entsprechende Schuhe eines amerikanischen Herstellers stehen derzeit kurz vor der Markteinführung.

3.000 Paar GPS-Schuhe für Alzheimer Patienten bereits ausgeliefert
Den Plänen der GPS-Firma GTX Corp und des Schuhherstellers Aetrex Worldwide zufolge sollen die GPS-Schuhe für Alzheimer-Patienten vorerst auf dem amerikanischen Markt eingeführt werden und jederzeit die Aufspürung der verschwundene Alzheimer-Patienten ermöglichen. Das Global Positioning System (GPS) biete hier eine gute Möglichkeit, die Opfer der neurodegenerativen Erkrankung vor möglichen Risiken durch ungeplante Ausflüge zu bewahren, erklärten die US-Hersteller. Bereits ab Oktober sollen die Schuhe mit dem Satellitenortungssystem im Absatz zum Preis von circa 300 Dollar in den USA erhältlich sein. Wie die GTX Corp berichtete, wurden bereits die ersten 3.000 Schuhpaare an Aetrex Worldwide ausgeliefert.

Hightech-Schuhe sollen Sicherheit der Alzheimer-Patienten erhöhen
Das Prinzip der GPS-Schuhe ist Andrew Carle von der George-Mason-Universität (USA) zufolge relativ einfach. Mit Hilfe des Ortungssystems lasse sich eine Art virtueller Zaun um die Wohnung der Alzheimer-Patienten ziehen und sobald die Schuhe den vorgesehen Bereich verlassen, werde ein Alarm auf einem hierfür vorgesehenen Handy oder Computer ausgelöst, erklärte Carle. Die Angehörigen und Pflegekräfte können anschließend auf einem speziell hierfür eingerichteten Portal die verschwundenen Alzheimer-Patienten umgehend lokalisieren. Andrew Carle hatte die GTX Corp und Aetrex Worldwide bei der Entwicklung des GPS-Schuhs beraten. Die Unterbringung des Senders im Absatz der Schuhe bietet laut Aussage des Experte einen zusätzlichen Vorteil, denn hier bemerken die Alzheimer-Patienten diesen nicht. Ein schlichtes GPS-Arm- oder Halsband sei hingegen keine Lösung, da die Patienten ungewohnte Gegenstände oftmals abnehmen, erläuterte Andrew Carle. Denn häufig gehe „Paranoia mit Alzheimer einher.“ Erhalten die Patienten „eine Armbanduhr nehmen sie (diese) ab, weil es nicht ihre ist,“ so Carle weiter. Daher sei es erforderlich das GPS vor den Alzheimer-Patienten zu verbergen.

Gesundheitliche Risiken bei ungeplanten Ausflügen der Alzheimer-Patienten
Für die Alzheimer-Patienten stellen die ungeplanten Ausflüge in die Öffentlichkeit laut Aussage der Experten häufig ein erhebliches Risiko dar, weil sich die geistig Verwirrten nicht selten selbst in Gefahr bringen. So helfe das neuartige System nicht nur im Sinne der Betroffenen „peinliche Momente“ zu vermeiden, sondern könne unter Umständen sogar Leben retten, betonte Andrew Carle. Dem US-Wissenschaftler zufolge sind die GPS-Schuhe in erster Linie „für Alzheimer-Patienten im frühen Stadium“ besonders geeignet, da diese „möglicherweise noch zu Hause wohnen, aber schon verwirrt“ sind und daher besonders gefährdet scheinen. Die Betroffenen „spazieren einfach los – und können tagelang verloren gehen,“ erläuterte Carle. Dies passiere 60 Prozent der Alzheimer-Patienten mindestens einmal im Verlauf ihrer Erkrankung, so der Experte weiter. Für die Betroffenen geht damit ein nicht zu unterschätzendes gesundheitliches Risiko einher, da diese nicht dazu in der Lage sind sich selbstständig zu versorgen. Selbst lebenswichtige Handlungen, wie Essen und Trinken, werden vergessen. So bestehe schon nach einem Tag das Risiko einer Dehydrierung, wobei den Betroffenen gesundheitliche Folgen wie Schwindel, Herzrasen, Schwächegefühl, sowie schlimmstenfalls ein Zusammenbruch des Herz-Kreislauf-Systems und Ohnmacht drohen.

Auch bestehe für Alzheimer-Patienten eine deutlich erhöhte Unfallgefahr, da sie nicht mehr in der Lage sind alltägliche Situationen richtig abzuschätzen, erklärte Andrew Carle. Die neuartigen Hightech-Schuhe sollen hier Abhilfe schaffen. Angesichts der Tatsache das heute bereits mehr als fünf Millionen Menschen allein in den USA an Alzheimer leiden und sich die Anzahl der Betroffenen nach Einschätzung von Andrew Carle in den nächsten Jahrzehnten vervierfachen könnte, hoffen die US-Hersteller auf einen reißenden Absatz der GPS-Schuhe. Am Krankheitszustand der Betroffenen werden diese jedoch nichts ändern und so bleibt der medizinische Nutzen fragwürdig, auch wenn die GPS-Schuhe unter Umständen die Sicherheit der Alzheimer-Patienten erhöhen. Auch ist unklar, warum die Betroffenen ihre GPS-Schuhe beim Verlassen des Wohnumfeldes anziehen sollten, wo sie doch die alltäglichsten Handlungen vergessen und bisweilen nur im Schlafanzug oder sogar nackt das Haus verlassen. (fp)