Greenpeace: Schadstoffe in Outdoor-Kleidung

Fabian Peters

Greenpeace warnt vor Schadstoffen in Outdoorjacken und -hosen

29.10.2012

Wetterfeste Outdoor-Kleidung ist einem Bericht der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge häufig mit „umwelt- und gesundheitsschädlichen“ Substanzen belastet. Zur Herstellung der „Outdoor-Marken wie Jack Wolfskin, The North Face und Mammut“ werden laut Angaben der Umweltschützer unter anderem „perfluorierte und polyfluorierte Chemikalien (PFC) eingesetzt, die eine massive Umweltbelastung mit sich bringen“.

Mehr zum Thema:

Spuren der seit über 50 Jahren hergestellten und verarbeiteten PFC finden sich heute „vom arktischen Polareis bis in die Tiefsee, vom menschlichen Blut bis in die Muttermilch“, schreiben die Experten von Greenpeace. Die Outdoor-Kleidung sei eine mögliche Emissionsquelle für die schädlichen Substanzen. Hier werde zur Herstellung beispielsweise Perfluoroktansäure (PFOA) verwendet, die sich – wie alle PFC – in der Umwelt, in der Nahrung und im Trinkwasser anreichert und sich so auch auf die menschliche Gesundheit auswirkt. PFOA kann laut Greenpeace „krebserregend und reproduktionstoxisch wirken.“

Hohe Schadstoff-Konzentrationen auch in Outdoor-Kinderjacken
Die Hersteller der Outdoor-Kleidung werben mit Bildern von unberührter Natur, verwenden jedoch zur Produktion der wasser- und schmutzabweisenden Kleidung umwelt- und gesundheitsschädliche Schadstoffe, so die Kritik der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Zwei unabhängige Labore hatten im Rahmen der Greenpeace-Untersuchung die Belastungen der Outdoor-Kleidung untersucht und dabei auffällige Konzentrationen von PFOA „in Jacken von The North Face, Patagonia, Jack Wolfskin, Kaikkialla und einer Kinder-Hose von Marmot gemessen.“ Außerdem seien „hohe Konzentrationen von Fluortelomeralkoholen (FTOH), die in der Umwelt und im menschlichen Körper ebenfalls zu PFOA umgewandelt werden, in einer Kinderjacke von Vaude und den Jacken von Mammut, Kaikkialla und Patagonia“ festgestellt worden, berichtet Greenpeace.

Outdoor-Branche soll entgiften
In den 14 untersuchten Outdoor-Kleidungsstücken für Damen und Kinder entdeckten die Umweltschützer nicht nur PFC, sondern auch besorgniserregende Konzentrationen der „hormonell wirksamen Weichmacher (Phthalate) und der Nonylphenolethoxylate (NPE). Laut Mitteilung von Greenpeace wurde der höchste NPE-Gehalt in einer Kinder-Regenjacke des Herstellers „Seven Summits“ nachgewiesen und die höchste Konzentration an Weichmachern enthielt ein Kinder-Poncho der Firma „Northland“. Angesichts der bedenklichen Schadstoff-Belastungen forderte die Chemie-Expertin von Greenpeace, Christiane Huxdorff: „Die Outdoor-Branche muss entgiften und gefährliche Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen ersetzen.“

Milliarden-Geschäft mit Outdoor-Kleidung
Mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro ist Deutschland laut Angaben von Greenpeace „der größte europäische Markt für Outdoor-Produkte.“ Dabei werbe die „Outdoor-Bekleidungsindustrie mit Bildern von unberührter Natur. Aber die Realität ist, dass die schädlichen Substanzen, die durch diese Industrie genutzt werden jetzt in der Umwelt und im Blut von Menschen auf der ganzen Welt gefunden werden“, erläuterte Manfred Santen von Greenpeace Deutschland. Entgegen den Werbebildern von waghalsigen Kletterern und Tiefschneefahrern seien die meisten Kunden zudem „keine Ausnahmeathleten, sondern Großstädter, die bei einer Radtour oder Herbstwanderung warm und trocken bleiben wollen“, so Greenpeace weiter. Christiane Huxdorff zufolge sind „mit viel Chemie ausgerüstete Outdoorjacken inzwischen Alltagskleidung.“ Selbst Kinder tragen laut Greenpeace „bei Regen und Matsch auf dem Spielplatz oft Jacken und Hosen, die für eine Polar-Expedition geeignet wären.“ Huxdorff forderte Verbraucher daher dazu auf, zu „prüfen, ob sie eine Regenjacke für den Gipfelsturm oder einen Spaziergang benötigen.“ (fp)

Bild: M.E. / pixelio.de