Grelles Bildschirmlicht: Smartphones rauben in der Nacht den Schlaf

Sebastian
Blaues Bildschirmlicht: Schlafprobleme können am Smartphone liegen
Nicht nur in Deutschland leiden immer mehr Menschen unter chronischem Schlafmangel. Gründe dafür gibt es genügend. Auch Smartphones können dabei eine Rolle spielen. Das Licht der Bildschirme ähnelt dem eines hellen Tages zur Mittagszeit und signalisiert: „Aufwachen!“
Smartphones stören den Schlaf
Smartphones setzen vor allem Kinder und Jugendliche unter Dauerstress, kritisieren Experten schon seit langem. Das hat auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit. So drohen etwa Konzentrationsstörungen und Müdigkeit. Wie Wissenschaftler im vergangenen Jahr berichteten, rauben Handys Kindern den Schlaf und sollten daher am besten nachts aus dem Schlafzimmer verbannt werden. Doch auch bei Erwachsenen kann es aufgrund der Nutzung von Smartphones, Tablets und Co zu Schlafproblemen kommen. Schuld daran ist offenbar vor allem das „blaue“ Bildschirmlicht der Geräte.

Smartphones rauben den Schlaf. Bild: von Lieres - fotolia
Smartphones rauben den Schlaf. Bild: von Lieres – fotolia

Bildschirmlicht ähnelt dem von hellem Sonnenlicht
Experten zufolge sollte man es besser lassen, nachts im Bett noch im Internet zu surfen oder mit Freunden über Skype zu chatten. Das Licht der Bildschirme von Geräten wie Smartphone, Tablet oder Laptop bringt nämlich die innere Uhr des Menschen durcheinander. Einem Bericht der „Welt“ zufolge ähnele dieses Licht in seiner Zusammensetzung dem Sonnenlicht an einem hellen Tag zur Mittagszeit und zwar bei strahlend blauem Himmel. Dieses blaue, kurzwellige Licht sende deshalb für den Menschen das Signal „Aufwachen“ an den Körper. Horst-Werner Korf, Chronobiologe an der Universität Frankfurt, erläuterte gegenüber der Zeitung: „Der Körper schüttet als Folge weniger Melatonin aus – das Dämpfungshormon, das den Schlaf einleitet. Kurz gesagt: Das Licht aus den Bildschirmen verstellt die inneren Uhren.“

Beeinträchtigungen für die Augen
Darüber hinaus bestehen bei langem Starren auf Bildschirme Gefahren für die Augen. Müde und trockene Augen sind keine Seltenheit. Oft kommt es zu juckenden Augen und Kopfschmerzen. Laut einer Studie der US-amerikanischen Organisation „The Vision Council“ kennen fast 70 Prozent der „digital natives“ (zwischen 1981-1996 geboren) solche Symptome. Durch das „blaue“ Licht der Bildschirme werde die Belastung zusätzlich verschlimmert. Die Studienautoren raten dazu, jeden Abend eine kühlende Augenmaske aufzulegen. Zudem empfehlen sie Bildschirmarbeitern, alle 20 Minuten mindestens 20 Sekunden lang vom Bildschirm weg zu gucken und zwar auf etwas das ungefähr sechs Meter entfernt ist. Nicht nur Menschen, die im Büro arbeiten, sondern alle, die häufig Geräte mit Bildschirmen nutzen, sollten sich einen Rat von Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn, zu Herzen nehmen. Der Wissenschaftler, der das Buch „Digitaler Burnout“ verfasste, forderte in einem Interview eine digitale Diät für Handynutzer und sprach sich für „Handy-freie Zonen“, wie etwa im Schlafzimmer aus.

Vorteil von Kunstlicht mit erhöhtem Blauanteil
Nächtliche Internetsurfer und Computerspieler, die jetzt meinen, sie könnten das Problem mit dem „blauen“ Licht einfach umgehen, indem sie später zu Bett gehen und dann eben ausschlafen, liegen falsch. Wenn die biologische Uhr durcheinander gebracht wird, kann dies Schlafstörungen, mangelnde Motivation, Vergessen, Herz-Kreislauf-Probleme und Depressionen zur Folge haben. Laut einer älteren Studie kann die Störung der inneren Uhr auch Diabetes verursachen. Allerdings habe das „blaue“ Licht neben den negativen Begleiterscheinungen auch einige Vorteile für den Menschen. Wenn es an natürlichem Tageslicht fehlt – beispielsweise aufgrund eines ungünstigen Arbeitsplatzes oder Wohnorten mit wenig Sonnenlicht – könne Kunstlicht mit erhöhtem Blauanteil helfen, in Schwung zu kommen. Dies geht aus einer Studie hervor, die unter der Leitung von Claude Gronfier am französischen Forschungsinstitut Inserm erstellt wurde. Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht. (ad)