Grillunfälle: Ärzte warnen vor Brandbeschleuniger

Heilpraxisnet

Vorsicht: Brandverletzungen durch Grillunfälle

30.06.2014

Auch wenn das Wetter derzeit viele davon abhält: Beim Grillen kommt es jedes Jahr zu Tausenden von Unfällen mit teils schwersten Verbrennungen. Rund ein Drittel der Verletzten sind Kinder. Ärzte warnen vor Brandbeschleunigern beim Grillen.

Jährlich Tausende von Grillunfällen

In der warmen Jahreszeit kommt es in Deutschland jedes Jahr zu Tausenden von Grillunfällen, Fachkliniken für Brandverletzte haben dann wieder alle Hände voll zu tun. Allein im Brandverletzten-Zentrum in Halle werden pro Sommermonat zwei Schwerstverletzte aufgrund von Grillunfällen eingeliefert, wie der Leitende Arzt des Zentrums, Mathias Kaiser, laut einer dpa-Meldung, mitteilte. Typische Grillunfälle würden beim Kohlenanzünden entstehen, wenn Brandbeschleuniger ins Feuer gegossen werden und dadurch „explosionsartig“ „eine Feuerwand auf umstehende Personen“ prallt, so Kaiser. Stichflammen könnten dann mehrere Meter aus dem Grill schlagen. „In Sekunden können dann bis zu 50 Prozent der Körperoberfläche verbrannt werden.“

Ein Drittel der Verletzten sind Kinder

Rund ein Drittel der Grillunfall-Verletzten sind Kinder, wie die Initiative für Brandverletzte Kinder, einem in Hamburg ansässigen Verein, mitteilte. „Kinder stehen oft bei ihren Eltern am Grill“, so Initiativen-Vorsitzende, Adelheid Gottwald. „Die Kinder sind mit dem Grill auf Augenhöhe und werden so besonders stark verletzt.“ Die Folge davon sein oft lebenslange Narben und eine lange, schmerzhafte Behandlung. Gunter Klohs, Oberarzt der Kinderchirurgie an der Uniklinik Halle, erklärte: „Bei der Behandlung der Kinder ist die Tiefe und Fläche der Brandverletzung entscheidend.“ Experten raten zu mehr Sicherheitsmaßnahmen beim Grillen. So sollte nicht nur bei Brandbeschleunigern Vorsicht walten, sondern auch beim Aufstellen des Grills, um das Risiko des Umkippens mit anschließenden Verbrennungen zu vermeiden. Zudem wird empfohlen, spezielle Grillschürzen und Grillhandschuhe zu tragen, die nicht so leicht entzündlich sind, wie herkömmliche Kleidung.

Unfälle sind vermeidbar

Wie das Statistische Bundesamt für das Jahr 2012 berechnete, werden jährlich bundesweit rund 10.000 Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr mit Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben der Initiative für Brandverletzte Kinder sind rund 1.300 davon Opfer von Grillunfällen. „Die Leute denken, sie haben alles im Griff – und begehen fahrlässig folgenschwere Fehler“, so Gottwald. „Grillunfälle sind die einzigen Unfälle, die zu 100 Prozent vermeidbar sind.“ Sie habe erst vor wenigen Tagen Spiritus in der Grillabteilung einer Tankstelle stehen sehen. „Nur weil Spiritus billig ist, wird er noch immer verwendet, das ist furchtbar“, sagte die Expertin.

Professionelle Hilfe bei Brandverletzungen

Der Leitende Arzt des Brandverletzten-Zentrums in Halle meinte: „Dass es ab und an zu Brandverletzungen kommt, ist normal. Wichtig ist es nur, schnell professionelle Hilfe zu holen.“ Mehr schaden als nützen würden Hausmittelchen wie etwa Zahnpasta auf der Wunde. Der Mediziner rät zu Wundsalbe und professioneller Hilfe. „Ab einer Verbrennung von etwa einem Prozent der Körperoberfläche, das ist eine handtellergroße Verletzung, sollte ein Spezialist aufgesucht werden“, so Kaiser. Bei leichteren Verbrennungen können aber in manchen Fällen auch natürliche Hausmittel zur Anwendung kommen. Dabei kommt etwa den Heilwirkungen der Aloe Vera eine bedeutende Rolle zu. (ad)

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