Grippe-Infektionen werden auch bei normaler Atmung über die Luft übertragen

Alexander Stindt

Mediziner untersuchen wie sich die Grippe übertragen lässt

Bisher dachten die meisten Menschen sicherlich, dass sie sich mit einer Grippe infiziert haben, nachdem sie dem Husten oder dem Niesen von einer infizierten Person ausgesetzt waren oder eine kontaminierte Oberfläche berührt haben. Forscher fanden jetzt aber heraus, dass die Grippe auch durch die normale Atmung an andere Personen weitergegeben werden kann.


Die Wissenschaftler der San Jose State University, der UC Berkeley und der University of Maryland stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Grippe durch die normale Atmung auf andere Menschen übertragen werden kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Proceedings der National Academy of Sciences“.

Bisher wurde angenommen, die Grippe übertrage sich hauptsächlich durch das Husten und das Niesen. Experten stellten jetzt fest, dass die Grippe auch durch die normale Atmung übertragen werden kann. (Bild: psdesign1/fotlia.com)

An Grippe erkrankte Menschen haben große Mengen an infektiösen Viren im Atem

Die Arbeit der Mediziner liefert neue Belege für die Bedeutung der luftgetragenen Partikel der Grippe. So kann die Grippe leicht auf andere Menschen übertragen werden. Die Wissenschaftler entdeckten große Mengen an infektiösen Viren im Atem, die von den erkrankten Personen ausgeatmet wurden. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Reinigung von Oberflächen, das Waschen der Hände und das Vermeiden von Hustenanfällen keinen vollständigen Schutz vor einer Grippe bieten, erklärt Autorin Sheryl Ehrman von der San Jose State University. Wenn Erkrankte allerdings zu Hause bleiben und sich nicht in der Öffentlichkeit bewegen, könne dies die Verbreitung des Influenzavirus hemmen, fügt die Expertin hinzu.

Untersuchung umfasste 178 Probanden

Die Studie wurde während der Grippesaison vom Dezember im Jahr 2012 bis zum März im Jahr 2013 durchgeführt. Für die Untersuchung wurden 178 freiwillige Teilnehmer rekrutiert. Diese waren meist Studenten mit Grippesymptomen. Während der Zeit der Untersuchung erfassten und charakterisierten die Forscher das Grippevirus in 142 der Freiwilligen mit bestätigten Fällen der Grippe, während diese atmeten, redeten, husteten oder niesten.

Wie verlief die Studie?

Die Mediziner bewerteten anschließend den Schweregrad von natürlich vorkommenden Grippe-Aerosolen. Diese winzige Tröpfchen, schweben lange in der Luft. Die Teilnehmer der Studie gaben per Tupfer 218 Proben aus ihrem Nasopharynx ab, dem oberen Teil des Rachens, welcher direkt hinter der Nase liegt. Sie lieferten außerdem 218 Proben von ausgeatmeter Luft, spontanem Husten und Niesen am ersten, zweiten und dritten Tag nach Beginn der Grippesymptome, welche über einen Zeitraum von 30 Minuten genommen wurden, erklären die Forscher.

Grippepatienten übertragen das Virus über die Luft

Die Analyse des infektiösen Virus, welches aus diesen Proben gewonnen wurde, ergab, dass eine signifikante Anzahl von Grippepatienten routinemäßig ein infektiöses Virus in winzigen Aerosolpartikeln abgibt, welche durch die Luft übertragen werden können. Überraschenderweise legte die Studie nahe, dass Husten oder Niesen nicht notwendig war, um eine Ansteckung hervorzurufen, sagen die Mediziner.

Erkrankte Menschen sollten das Haus nicht verlassen

An Grippe erkrankte Menschen verunreinigen die Luft um sie herum mit dem infektiösem Virus. Dies geschieht schon durch die Atmung, ohne das Auftreten von Husten oder Niesen, sagt Autor Professor Dr. Donald Milton von der School of Public Health der University of Maryland. Menschen mit Grippe erzeugen infektiöse Aerosole, auch wenn sie nicht husten – besonders während der ersten Krankheitstage. Wenn Personen an der Grippe erkranken, sollten sie also zu Hause bleiben und nicht zur Arbeit gehen und dort andere Menschen anstecken, rät der Experte.

Ergebnisse könnten Auswirkungen von Influenza-Epidemien reduzieren

Die Forscher glauben, dass die Ergebnisse ihrer Studie dazu nutzen könnten, um mathematische Modelle über das Risiko der Übertragung von Grippe durch die Luft von Menschen mit Grippesymptomen zu verbessern. Dies könnte dazu beitragen, dass die Auswirkungen von Influenza-Epidemien und Pandemien besser kontrolliert und dadurch reduziert werden können

Gewisse Maßnahmen bieten Schutz vor der Grippe

Es könnten außerdem auch Verbesserungen an Lüftungssystemen vorgenommen werden, um zum Beispiel das Übertragungsrisiko in Büros, Schulräumen und U-Bahn-Wagen zu verringern, erläutern die Autoren der Studie. Obwohl ein Grippeimpfstoff keine Garantie dafür biete, dass sich Menschen nicht mit der Grippe infizieren, kann auch eine solche Impfung einen gewissen Schutz bieten und so die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Menschen ernsthaft an der Grippe erkranken, erklären die Experten weiter. (as)