Grippe-Saison: Behörden rufen zur Grippeimpfung

Heilpraxisnet

Husten, Schnupfen; Kopfschmerzen und Fieber: Die Grippesaison hat Deutschland erreicht und die Gesundheitsbehörden rufen nicht nur ältere, chronisch Kranke sondern erstmals auch Schwangeren zur Schutzimpfung auf. Der aktuelle Impfstoff schützt laut Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, vor den drei häufigsten Influenza-Virustypen inklusive der Schweinegrippe, die auch dieses Jahr wieder in Deutschland auftreten wird.

(26.09.2010) Die Grippesaison hat Deutschland erreicht und die Gesundheitsbehörden rufen nicht nur ältere, chronisch Kranke sondern erstmals auch Schwangeren zur Schutzimpfung auf. Der aktuelle Impfstoff schützt laut Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, vor den drei häufigsten Influenza-Virustypen inklusive der Schweinegrippe, die auch dieses Jahr wieder in Deutschland auftreten wird. Alljährlich raten die Gesundheitsbehörden erneut zur Grippe-Impfung, doch die Deutschen folgen ihrem Aufruf bisher nur zögerlich. Wer sich impfen lässt, „schützt nicht nur sich selbst vor einer schweren Influenza-Erkrankung, sondern vermeidet auch eine Ansteckung anderer", betont Reinhard Burger, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) und warnt davor Grippe als Infektionskrankheit zu unterschätzen. Viele Deutsche stehen den Impfungen jedoch kritisch gegenüber und nicht nur von Vertretern der Naturheilkunde erfolgt ein Hinweis auf die möglichen Nebenwirkungen einer Grippeimpfungen. Für die Gesundheitsbehörden steht jedoch fest, dass die Impfquoten in der Bevölkerung derzeit zu niedrig sind und gesteigert werden müssen, um großen Grippewellen nachhaltig vorzubeugen. Dabei wären Impfquoten von 50 bis 60 Prozent, wie sie in skandinavischen Ländern die Regel sind, nach Ansicht des RKI-Präsidenten Burger langfristig auch für Deutschland wünschenswert.

Die Impfempfehlung für Schwangere ist eine Konsequenz aus dem schweren Krankheitsverlauf, den die Schweinegrippe im letzten Jahr bei vielen erkrankten werdenden Müttern genommen hat. Die Impfkommission rät daher Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Grippeimpfung."Wir haben bei den Erkrankungen mit dem Schweinegrippevirus A-H1N1 gesehen, dass Schwangere dreimal so häufig schwere Lungenentzündungen bei einer Grippeinfektion entwickeln als andere Erwachsene", erläutert Ole Wichmann vom RKI. Zudem seien die 10 jährigen Impferfahrungen an Schwangeren aus den USA äußerst positiv. Nebenwirkungen seien kaum aufgetreten und der Impfschutz wirke auch auf das ungeborene Kind.

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Wer an Schweinegrippe erkrankt war, ist sehr wahrscheinlich immun gegen den H1N1-Virus
Wer bereits im vergangenen Jahr an der Schweinegrippe erkrankt war, ist nach Aussage der Fachleute vom RKI gegen die H1N1-Erreger dieses Jahr wahrscheinlich noch immun. Es besteht jedoch ein relativ großes Risiko sich mit einem der anderen Grippe-Erreger zu infizieren. Die Grippeimpfung schütze allerdings auch vor den momentan auf der Südhalbkugel zirkulierenden Grippeviren H3N2 und dem Influenza-B-Virus. In einem der 18 zugelassenen Impfstoffe sei zudem ein Wirkverstärker enthalten; damit auch Personen im Alter über 65 Jahre noch einen wirksamen Impfschutz aufbauen können. Denn „unser Immunsystem altert ja mit", erläutert Klaus Cichutek und „damit es auf die Grippeimpfung trotzdem gut anspricht, ist in einem der insgesamt 18 zugelassenen Influenzaimpfstoffe ein wirkungsverstärkender Zusatz enthalten."

Die Wirkverstärker standen letztes Jahr im Zusammenhang mit dem Schweinegrippeimpfstoff schwer in der Kritik, da sie massive Nebenwirkungen verursachen können. So hat das Paul-Ehrlich-Institut in diesem Jahr nicht ohne Grund darauf geachtet, dass in 17 von 18 Präparaten keine dementsprechenden Zusatzstoffe enthalten seien sollen. Selbstverständlich haben auch die zuständigen Gesundheitsbehörden ein natürliches Interesse an nebenwirkungsfreien Arzneimitteln und da Impfungen meist unter größeren Vorbehalten stehen als generelle ärztliche Behandlungen, ist hier besondere Sorgfalt geboten. Denn Experten wie Peter Wutzler, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten“befürchten, dass die Impfraten unter die Zahlen der vergangenen Jahre sinken, die ohnehin nicht befriedigen können." Wutzler betont:"die Influenza ist nicht harmlos. Wir haben seit 20 Jahren jährlich 3000 bis 5000 Todesfälle."

Selbst kleine Kinder sollten geimpft werden
Wenn es nach dem Präsidenten der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten geht, sollten sogar kleine Kinder gegen Grippe geimpft werden, wobei Peter Wutzler mit dieser Forderung weiter geht als die Ständige Impfkommission. Diese empfiehlt Eltern, nur Kinder mit Vorerkrankungen gegen Grippe impfen zu lassen. Wutzler hingegen erklärt, dass es "Fakt ist, dass man Kinder als Feuer der Influenza bezeichnen kann." und dass in Kindergärten, Kitas und Schulen die Viren aufgenommen und nach Hause getragen werden. "Deshalb sollten Kinder auf jeden Fall geimpft werden, auch um die Erwachsenen vor der Virusgrippe zu schützen", erklärte Wutzler.

Ärzte und medizinisches Personal werden von den Gesundheitsbehörden besonders dringend zur Impfung aufgefordert, um eine Ansteckung der betreuten Patienten zu vermeiden. So reicht die derzeitige Impfquote von 20 bis 25 Prozent auch nach Ansicht von Birte Kirschbaum von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bei weitem nicht aus. "Der Hausarzt ist die zentrale Persönlichkeit für die Akzeptanz einer Grippe-Impfung. Da müssen wir ansetzen und die Ärzte von der Sinnhaftigkeit einer Impfung überzeugen", betonte Peter Wutzler. Und Ole Wichmann vom RKI ergänzt: "Wir würden es uns natürlich wünschen, dass Ärzte und Pflegepersonal von sich aus die Verantwortung übernehmen, damit sie ihre Patienten nicht unnötig gefährden." Die BzgA stellte allen 65.000 niedergelassenen Ärzte neue Informationsmaterialien zur Verfügung, um eine höhere Durchimpfungsrate bei den Risikogruppen zu erreichen.

Millionen Menschen erkranken jedes Jahr deutschlandweit an Grippe. Für viele Betroffenen wie zum Beispiel Personen mit einem geschwächten Abwehrsystem, chronischen Lungenerkrankungen, Herzkreislaufkrankheiten oder Diabetes, ist die Infektion eine ernsthafte gesundheitliche Bedrohung. Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut sind in der vergangenen Grippesaison rund 2,9 Millionen zusätzliche Arztbesuche sowie 5.300 influenzabedingte Einweisungen in Kliniken notwendig gewesen, wobei Influenza-Erkrankte rund 1,5 Millionen mal arbeitsunfähig geschrieben wurden.

Kritische Stimmen zur Impfung
Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, die einer Impf-Empfehlung nicht uneingeschränkt folgen wollen. So engagieren sich einige Mediziner in dem Verein "Ärzte für eine Individuelle Impfentscheidung e.V". Zwar sind die Ärzte des Vereins nicht grundsätzlich gegen vorbeugende Impfungen, bemängeln allerdings die undifferenzierte Diskussion in der Öffentlichkeit. Denn Impfstoffe können – wie alle Arzneimittel auch – zu schweren, unerwünschten Nebenwirkungen führen, die im Einzelfall auch mit einen bleibender Beeinträchtigung der Gesundheit für den Betroffenen enden können. Solche Vorfälle sind zwar relativ selten, doch sollten Patienten auch darüber umfassend aufgeklärt werden.

Als präventive, am Gesunden vorgenommene Maßnahmen müssen Impfungen besonders hohen Sicherheitsansprüchen genügen, so der Verein. Deshalb sollte in jedem Einzelfall abgewägt werden, ob die Risiken der jeweiligen möglichen Erkrankung im Verhältnis zu den möglichen Nebenwirkungen steht. Deshalb sei es von größter Wichtigkeit, so der Verein, dass eigentlich gesunde Menschen umfassend über die kurz- mittel- und langfristige Auswirkungen von Impfstoffen und Impfmaßnahmen informiert werden. Die Ärzte kritisieren zudem, dass Pharmaunternehmen kaum Information über mögliche gesundheitlliche Folgen zur Verfügung stellen. Denn Untersuchungen über langfristige Impfauswirkungen und der Nachhaltigkeit von Impfprogrammen fehlen weiterhin fast vollständig. Die Schweinegrippe-Hysterie hatte gezeigt, dass selbst die WHO mit Mitarbeitern der Pharmalobby durchsetzt ist. Eine Impfentscheidung sollte davon abhängig gemacht werden, ob tatsächlich der medizinische Nutzen das mögliche Risiko übersteigt. Diese Entscheidung sollte gemeinsam mit den Arzt des Vertrauens getroffen werden. (fp,sb)