Grippe- und Erkältungszeit: Viele junge Erwachsene erwarten Antibiotika-Rezept vom Arzt

Alfred Domke

Unkritischer Einsatz: Viele junge Erwachsene nehmen oft Antibiotika

Erst vor kurzem wurde über den positiven Trend berichtet, dass Ärzte Kindern weniger Antibiotika verschreiben. Doch junge Erwachsene setzen offenbar verstärkt auf solche Medikamente. Experten zufolge wird der unkritische Umgang mit Antibiotika besonders während der Grippe- und Erkältungszeit deutlich.


Verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika

Obwohl die Zahl der Antibiotikaresistenzen immer weiter steigt und regelmäßig dazu aufgerufen wird, solche Medikamente nicht massenhaft einzusetzen, verordnen Mediziner in Deutschland Antibiotika laut einer Studie oftmals nur auf Verdacht. Zudem werden solche Mittel auch gegen Krankheiten eingesetzt, gegen die sie vollkommen unwirksam sind. Wie eine aktuelle Umfrage nun zeigt, erwarten viele Patienten offenbar, dass ihnen Ärzte Antibiotika verschreiben, wenn ihre Erkältungsbeschwerden länger anhalten. Der unkritische Einsatz solcher Arzneimittel ist demnach vor allem bei jungen Erwachsenen verbreitet.

Einer aktuellen Umfrage zufolge hat fast jeder zweite junge Erwachsene im vergangenen Jahr von einem Arzt Antibiotika verschrieben bekommen. In vielen Fällen auch gegen Erkrankungen, bei denen in der Regel kein Antibiotikum nötig ist. (Bild: nenetus/fotolia.com)

Bei einer Erkältung ist in der Regel kein Antibiotikum nötig

Fast jeder zweite junge Erwachsene hat im vergangenen Jahr von einem Arzt Antibiotika verschrieben bekommen. Viele dieser Verordnungen waren fragwürdig: Jeder Fünfte hatte eine Erkältung, bei der in der Regel kein Antibiotikum nötig ist.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der DAK-Gesundheit, für die das Forsa-Institut über 3.000 Menschen in Deutschland befragt hat.

Während der Grippe- und Erkältungszeit wird der unkritische Umgang mit Antibiotika demnach besonders deutlich: 72 Prozent der Befragten erwarten eine Verordnung, wenn ihre Erkältungsbeschwerden nicht von selbst besser werden (2014: 76 Prozent).

Risiko der Resistenzbildung

Vor allem die jungen Erwachsenen setzen auf solche Wirkstoffe, bei den Menschen ab 60 Jahren sind es nur 67 Prozent.

„Diese Erwartungshaltung ist problematisch, vor allem, wenn sie sich auf das Verordnungsverhalten der Ärzte auswirkt“, so Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

„Antibiotika sind lebensrettende Medikamente, die wir dringend benötigen. Werden sie unkritisch eingenommen, verschärft sich das Risiko der Resistenzbildung. Deshalb brauchen wir einen Bewusstseinswandel in Deutschland.“

Häufige Wissenslücken

Laut der Krankenkasse sind viel Deutsche über die Einsatzgebiete der Wirkstoffe nicht ausreichend informiert: 31 Prozent der Befragten denken, Antibiotika würden bei Virusinfekten wirken (2014: 38 Prozent), 19 Prozent erhoffen sich Hilfe bei Pilzinfektionen (2014: 23 Prozent).

Dabei dienen die Medikamente nur der Behandlung bakterieller Infektionen – bei Erkältungen oder Bronchitis beispielsweise sind sie in den meisten Fällen unnötig.

Rückgängig ist die Tendenz, sich mit Antibiotika wieder fit machen zu wollen für den Job: 2014 wünschte sich noch jeder Vierte (25 Prozent) ein Rezept, um schnell wieder auf die Beine zu kommen, 2017 nur noch jeder Sechste (16 Prozent).

Menschen jüngeren Alters stärker betroffen

Das Alter spielt beim Umgang mit Antibiotika eine Rolle: Die Gruppe derjenigen, die bei hartnäckigen Beschwerden ein Antibiotika-Rezept erwarten, ist bei jungen Menschen besonders groß (78 Prozent).

Die über 60-Jährigen sind eher zurückhaltend.

Von ihnen hat im vergangenen Jahr nur etwa jeder Dritte (35 Prozent) Antibiotika verordnet bekommen, bei den jüngeren knapp jeder Zweite (48 Prozent). (ad)