Großer Etikettenschwindel bei Olivenöl

olivenoel-test
Nina Reese

Das NDR Magazin "Markt" testet 15 Olivenöle und deckte dabei einen Etikettenschwindel auf

30.04.2013

Olivenöl – ein fester Bestandteil der mediterranen Küche, wobei die Güteklassen "extra vergine" und „nativ extra“ für höchste Qualität stehen. Doch das Öl hält nicht immer, was das Etikett verspricht, stattdessen hat das NDR Magazin "Markt" nun anhand einer Untersuchung von 15 verschiedenen Ölen aus deutschen Discountern und Supermärkten herausgefunden, dass in den Flaschen häufig leider nur minderwertige Qualität steckt.

Öle "extra vergine" und "nativ extra" stehen für höchste Qualität
Wer sein Olivenöl als "extra vergine" oder "nativ extra" verkaufen möchte, muss sich an strenge Vorgaben der europäischen Verordnung für Olivenöl halten, denn gerade diese beiden Bezeichnungen stehen für besondere Hochwertigkeit: „Es gibt bestimmte Anforderungen in der Sensorik und in der Chemie. Wenn Öle diesen Anforderungen nicht entsprechen, dürfen sie nicht als ‚extra vergine‘ verkauft werden", erklärt Lebensmitteltechniker Christian Gertz im NDR Magazin "Markt". So müssen laut der Verordnung Öle mit der Bezeichnung „Nativ extra“ bzw. „extra vergine“ beispielsweise einen Säuregehalt von weniger als 0,8 Prozent aufweisen, fruchtig, bitter oder scharf schmecken und dürfen nicht fehlerhaft (z.B. erdig oder ranzig) riechen.

Viele Öle erfüllen Voraussetzungen der EU-Verordnung nicht
Doch trotz dieser Anforderungen erfüllen viele handelsübliche Öle nicht, was sie versprechen, dabei fielen den Testern von „Markt“ vier Produkte besonders negativ auf: Dalla Quercia, Aro, Rapunzel und das Olivenöl von Alnatura (Bio), die allesamt den Qualitätsmerkmalen von "extra vergine" nicht entsprachen und zudem keine lange Haltbatkeit mehr gehabt hätten – das Alnaura-Öl sei den Experten nach sogar keinen Tag mehr länger haltbar gewesen.

Auch beim Geschmackstest fielen viele Öle durch – denn um als "extra vergine" verkauft werden dürfen, müssen die Produkte laut der europäischen Verordnung auch einen aufwendigen Geschmackstest bestehen. Zu diesem Zweck wurden die 15 Öle zusätzlich von Testern des deutschen Olivenölpanels verkostet, die zu einem ernüchternden Ergebnis kamen: Außer den bereits vier im Labor schlecht abgeschnittenen Ölen, hatten auch das Öl der Marke „Sasso“ sowie ein Großhandels-Produkt namens „Fine Food“ den Test nicht bestanden, da sie laut NDR.de „holzig, schlammig oder modrig“ geschmeckt hatten. Demnach waren es insgesamt sechs von 15 Ölen, die nicht als "extra vergine" verkauft werden dürften. Nur die beiden teuersten Produkte (O-Med Selection und Franci Frantoi) bekamen von den „Markt“-Testern ein gutes Urteil, denn hier seien die „Frucht-, Bitter- und Schärfenoten ausgeglichen“, während die übrigen Öle nur ein Mittelmaß erreicht hatten.

Unzureichende Kontrollen unter laxe Vorschriften der EU Grund für schlechte Qualität
Den Grund für die schlechte Qualität bzw. falsch ausgewiesene Öle sehen die Experten einerseits in unzureichenden Kontrollen, denn laut Christian Gertz könnten „staatliche Lebensmittelkontrolleure falsch deklarierte Öle aus vielen Gründen nicht erkennen.“ So würden zum einen zu wenig Proben untersucht werden und die chemischen Verfahren der EU-Verordnung zu aufwändig sein, zum anderen würden Laboren häufig Referenzwerte fehlen: „Wenn man einmal im Jahr 20 oder 30 Olivenöle untersucht, dann kann man sich kein Urteil über Olivenöle erlauben", so der Experte.

Zentrales Manko wären laut Gertz jedoch die laxen Vorschriften der EU: So sei zwar vorgeschrieben, mittels welcher Verfahren die chemische Analyse von Olivenöl erfolgen soll – doch diese wären von 1991 und damit veraltet: "Mit den Analyseverfahren, die dort fixiert sind, kann man viele Verfälschungen oft gar nicht nachweisen", erklärt der Lebensmitteltechniker. Laut Gertz würden Olivenöl-Experten generell beklagen, dass Öl auch zum bewussten Tricksen einlade, denn „das Problem sei, dass sich mit gepanschten Ölen viel Geld verdienen lasse.“ Das Ergebnis seien hier laut Gertz Fälschungen mit anderen Ölen oder Sorten, das heißt, „billiges, eigentlich ungenießbares Öl werde zum Teil mit normalem Olivenöl gemischt“ und „um unerwünschte Geschmäcker zu entfernen, werde es dann erhitzt“. Ein solches „Gepansche“ könne nach Gertz zwar mit seinen Verfahren nachgewiesen werden, die Instrumente der EU-Verordnung kämen hier jedoch an ihre Grenzen.

Hersteller weisen Schuld von sich
Die betroffenen Hersteller sehen durch die Untersuchung unterdessen jedoch laut „Markt“ keinen Handlungsbedarf, stattdessen wurde auf die Nachfragen des NDR eher zurückhaltend reagiert und auf eigene Untersuchungen verwiesen, die den schlecht bewerteten Ölen eine gute Qualität bescheinigt hätten. So zeigte sich zum Beispiel „Rapunzel“ laut NDR.de „überrascht“, denn „die Öle seien mehrmals mit einem großen, betriebsinternen Panel untersucht worden.“ Und auch Alnatura sowie Metro Cash & Carry, die Produzenten der Öle Fine Food und Aro, seien sich laut laut NDR.de keiner Schuld bewusst und machten eine „schlechte Lagerung und falschen Transport“ für die schlechte Qualität verantwortlich – was allerdings von den Experten bezweifelt wird, denn "diese Fehler sind bei der Produktion vor der eigentlichen Pressung oder Herstellung entstanden – durch eine falsche Ernte, Lagerung oder Verarbeitung der Oliven", so Remo Viani vom Deutschen Olivenölpanel. (nr)

Bild: BrandtMarke / pixelio.de