Größerer Masern-Ausbruch in Berlin

Heilpraxisnet

Berliner Masern-Ausbruch weist auf Lücken beim Impfschutz hin

06.02.2015

Derzeit verzeichnet Berlin den größten Masern-Ausbruch seit Jahren. „Seit Oktober 2014 sind schon mehr als 370 Masernerkrankungen aus allen Berliner Bezirken übermittelt worden (Stand: 28. Januar 2015)“, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Das Ziel einer Eliminierung der Masern in Deutschland im Jahr 2015 ist damit eindeutig gescheitert. Fehlender Impfschutz beziehungsweise Lücken im Impfschutz sind laut Angaben des RKI Ursache für den aktuellen Masern-Ausbruch.

Bis zum 28. Januar wurden laut Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) insgesamt 375 Masernerkrankungen aus allen Berliner Bezirken Berlins gemeldet. Seit der 41. Meldewoche 2014 läuft der aktuelle Masern-Ausbruch bereits und die Zahl der Neuerkrankungen ist laut Angaben des RKI weiterhin steigend. Allein in der vierten Meldewoche 2015 wurden dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales 82 neue Fälle übermittelt. Dies war „die höchste Zahl für Berlin seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)“, so die offizielle Mitteilung.

Auch Erwachsenen im Rahmen des Masern-Ausbruchs häufig betroffen
Zunächst verbreitete sich der aktuelle Masern-Ausbruch laut Angaben der Behörden vor allem „unter Asylsuchenden, von denen die meisten aus Bosnien und Herzegowina oder Serbien stammten.“ Unter den Infizierten waren dabei vornehmlich Kinder. Allerdings weitete sich der Masern-Ausbruch anschließend schnell aus und mittlerweile sind laut Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales „Erkrankungsfälle überwiegend in der übrigen Berliner Bevölkerung“ festzustellen, wobei insbesondere nach 1970 geborene Erwachsene häufig betroffen seien. Dies sei auf bekanntermaßen bestehende große Impflücken in dieser Altersgruppe zurückzuführen. Das Durchschnittsalter der Infizierten lag bei 22 Jahren.

Eliminierung der Masern 2015 unerreichbar
Aus den übermittelten Daten geht laut Mitteilung der LAGeSo auch hervor, dass 89 Prozent der Infizierten nicht geimpft waren. Von den 375 Erkrankten mussten 104 im Krankenhaus behandelt werden. Eigentlich hätten nach Plänen der Bundesregierung dieses Jahr noch maximal 82 Masern-Erkrankungen auftreten dürfen, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“. Doch die Zahlen allein in Berlin erreichen nun bereits im Januar diese Höhe. Die gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingegangene Verpflichtung zur Eliminierung der Masern 2015 ist damit nicht mehr erreichbar. Verbesserungen seien dennoch feststellbar, berichtet die „dpa“. So habe sich bei Kindern die Impfquote seit dem Jahr 2000 deutlich verbessert und erreiche heute bei der Erstimpfung 96,7 Prozent und beim zweiten Piks 92,4 Prozent.

Impfstatus zu gering
Trotzdem bleibt der Impfstatus in der Bevölkerung insgesamt weiterhin zu gering, zitiert die „dpa“ die amtierende Leiterin des Fachbereichs Impfprävention am RKI, Anette Siedler. Der aktuelle Ausbruch mache die bestehenden Impflücken äußerst deutlich und bedeute einen herben Rückschlag auf dem Weg zu Eliminierung der Masern. Der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler, zeigte sich über den aktuellen Masern-Ausbruch wenig verwundert und erklärte gegenüber der „dpa“, dass die Politik hier einfach noch zu wenig tue. So wäre es seiner Ansicht nach schon hilfreich, wenn alle öffentlichen Einrichtungen von der Kita bis zur Schule einen Impfnachweis vor der Aufnahme eines Kinder verlangten, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“.

Impfzwang der falsche Weg
Einen Impfzwang, wie er bereits von verschiedenen Seiten ins Gespräch gebracht wurde, hält Anette Siedler laut Mitteilung der „dpa“ für den falschen Weg. So habe auch der verpflichtende Impfnachweise an Schulen in den USA wenig gebracht. Der aktuelle, maßgeblich von Disneyland in Kalifornien ausgehende Masern-Ausbruch in den USA wird von den dortigen Gesundheitsbehörden ebenfalls in Zusammenhang mit zu geringen Impfquoten gebracht. In den USA galten die Masern eigentlich seit dem Jahr 2000 als eliminiert. Hierzulande wurde dieses Ziel bislang nicht erreicht und nach Einschätzung der Experten bräuchte es dafür Impfquoten von mehr als 95 Prozent.

Masern nicht auf die leichte Schulter nehmen
Um dies zu erreichen setzt Siedler laut Angaben der „dpa“ auf Information und Überzeugung, statt auf Zwang. „Masern sollte man auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, weder bei Erwachsenen, noch bei Kindern“, zitiert die Nachrichtenagentur die Warnung der Expertin. Hier überwiege der Nutzen der Immunisierung in jedem Fall das Risiko. So seien als Nebenwirkungen im Einzelfall zwar Hautrötungen, Schwellungen, Fieber und leichter Hautausschlag zu beobachten, aber dies sei kein Vergleich zu den Effekten einer Masern-Erkrankung. „Dieser Ausbruch ist wie ein Appell, Impfungen jetzt nachzuholen … Denn den Viren ist es egal, wen sie treffen. Das ist wie russisches Roulette“, zitiert die „dpa“ die Expertin des RKI. Ulrich Fegeler betonte, dass seiner „Meinung nach es für jeden ein Gebot der Verantwortung (ist), selbst für einen ausreichenden Impfschutz zu sorgen.“ (fp)

Bild: hamma / pixelio.de