Größere Gesundheitsgefahr: Risikobereitschaft steigt durch Helme

Durch das Tragen von Helmen steigt die Risikobereitschaft, was vermehrte Unfälle zur Folge haben kann. (Bild: Lars Zahner/fotolia.com)
Fabian Peters
Schutzausrüstung veranlasst uns, größere Risiken einzugehen
Wenn Menschen einen Fahrradhelm tragen, hoffen sie dadurch ihre Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern. Wissenschaftler stellten jetzt aber fest, dass ein Fahrradhelm bei Erwachsenen die Risikobereitschaft erhöht. Der positive Effekt des Schutzes könnte somit durch die unterbewusst erhöhte Risikobereitschaft zunichte gemacht werden. Helmträger sind möglicherweise weniger gesichert, als bisher gedacht.

Gehören Sie zu den Menschen, die im Straßenverkehr einen Fahrradhelm tragen? Dann hoffen Sie bestimmt, dass der Helm ihre Sicherheit auf dem Fahrrad erhöht. Eine aktuelle Untersuchung stellte aber fest, dass Helmträger eher dazu neigen, größere Risiken einzugehen. Die Unfallgefahr steigt. Somit könnte es vielleicht gefährlich sein, einen Helm zu tragen. Die Ergebnisse ihrer neuen Studie veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Psychological Science“.

Durch das Tragen von Helmen steigt die Risikobereitschaft, was vermehrte Unfälle zur Folge haben kann. (Bild: Lars Zahner/fotolia.com)
Durch das Tragen von Helmen steigt die Risikobereitschaft, was vermehrte Unfälle zur Folge haben kann. (Bild: Lars Zahner/fotolia.com)

Studie analysiert Risikobereitschaft von Erwachsenen
Macht das Tragen eines Fahrradhelmes unser Leben wirklich sicherer? Bei Stürzen oder Unfällen kann ein Helm unbestritten helfen, unseren Kopf zu schützen. Aber entstehen für uns auch Nachteile, wenn wir einen Helm auf dem Fahrrad tragen? Experten stellten jetzt fest, dass Menschen mit Fahrradhelm oft dazu neigen, größere Risiken einzugehen. Die Studie von der „University of Bath“ analysierte das Verhalten und die Risikobereitschaft bei Erwachsenen im Alter von 17 bis 56 Jahren. Dazu verwendeten die Wissenschaftler eine Computersimulation. Die Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe trug Fahrradhelme, die andere Gruppe trug Baseball-Kappen, berichten die Forscher.

Ergebnisse könnten weitreichende Auswirkungen haben
Die Probanden beider Gruppen hatten anschließend die Aufgabe, in der Computersimulation einen virtuellen Ballon aufzublasen. Umso mehr der Ballon aufgeblasen wurde, umso mehr Punkte bekamen die Teilnehmer. Platze der Ballon allerdings, verloren die Probanden alle ihre Punkte, erklären die Wissenschaftler. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe mit Helmen eher dazu neigte, größere Risiken beim Aufblasen des Ballons einzugehen. Die Studie sollte klären, ob bestimmte Sicherheitsratschläge tatsächlich wirksam sind – einschließlich der Verwendung von Helmen für verschiedene Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise das Radfahren, berichten die Experten Dr. Ian Walker und Dr. Tim Gamble.

Die beiden Wissenschaftler vermuten, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchung auch weitreichende Auswirkungen für Soldaten auf dem Schlachtfeld haben könnten. Denn die Studie mache deutlich, dass Menschen mit Schutzausrüstung gegebenenfalls Risiken eingehen, gegen die sie ihre Ausrüstung nicht schützen kann, so Dr. Walker. Mehrere Studien hätten bereits in der Vergangenheit versucht, den sogenannten „Risikoausgleich“ zu analysieren, der durch getragene Schutzausrüstung ausgelöst wird. Zum Beispiel fahren Menschen möglicherweise anders Auto, wenn sie Sicherheitsgurte tragen, erläutern die Mediziner.

Menschen mit Gefühl der Sicherheit, verhalten sich leichtsinniger
In all den untersuchten Fällen war die Sicherheitsausrüstung und die Aktivität direkt verbunden. Es ist logisch, dass Menschen zum Beispiel beim Sport aggressiver spielen, wenn sie eine Ausrüstung tragen, die speziell dazu bestimmt ist, ihren Sport sicherer zu machen, erläutern die Forscher. Dies sei der erste Hinweis, dass eine Sicherheitsausrüstung Menschen dazu veranlassen könnte, größere Risiken einzugehen. Der Umstand bedeute jedoch keineswegs, dass Menschen keine Sicherheitsausrüstung tragen sollten. Die Studienergebnisse zeigen lediglich, dass das Thema Schutzausrüstung viel komplizierter ist, als die meisten Leute denken, erläutern die Mediziner. Wir sollten beachten, dass durch das Tragen von Schutzausrüstung manchmal unbeabsichtigte Auswirkungen entstehen können, die unseren gesunden Menschenverstand beeinflussen. Die Studie zeige: Wenn Menschen das Gefühl haben, geschützt zu sein, verhalten sie sich in der Regel leichtsinniger. Dadurch könnten alle möglichen Situationen beeinflussen werden, erläutern die Experten. Nicht zuletzt beeinflusse das Tragen von Schutzausrüstung vermutlich sogar die strategischen Entscheidungen von Soldaten. (as)

Advertising