Größere Lebensgefahr durch Cyanid: Erneuter Rückrufaktion für Aprikosenkerne

Alfred Domke
Erhöhter Blausäuregehalt festgestellt: Rückruf von „MorgenLand“-Aprikosenkernen
Der Lebensmittelproduzent „Ege Sun“ ruft Aprikosenkerne der Marke „MorgenLand“ zurück. In dem Produkt war ein erhöhter Gehalt an giftiger Blausäure festgestellt worden. Der Verzehr dieses Stoffes kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, bei kleinen Kindern kann er sogar zum Tode führen. Dieser Rückruf ist nicht der erste seiner Art.

Erhöhter Gehalt an Blausäure in Aprikosenkernen festgestellt
Der Lebensmittelhersteller „Ege Sun“ hat einen Rückruf von Aprikosenkernen (Bio) der Marke „MorgenLand“ bekannt gegeben. Wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt, wurde bei einer behördlichen Nachprüfung „in zwei Packungen ein erhöhter Gehalt an Blausäure festgestellt“. Dieser Stoff kann vor allem für Kinder gefährlich werden.

Der Lebensmittelproduzent „Ege Sun“ ruft Aprikosenkerne der Marke „MorgenLand“ zurück. Bei Kontrollen wurde ein erhöhter Blausäuregehalt in den Kernen festgestellt. Dieser Stoff kann lebensgefährliche Folgen haben. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Kaufpreis wird erstattet
„Unsere Wareneingangsanalysen zeigten keine Abweichungen, dort sind die Werte im erlaubten Bereich“, schreibt das Unternehmen.

„Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes“ werden der Artikel „MorgenLand Süße Aprikosenkerne, Bio, 250g“, mit folgenden Haltbarkeitsdaten/Chargennummern zurückgerufen:

13.09.2017 (L161948), 18.09.2017 (L162030), 08.12.2017 (L162785), 08.01.2018 (L162786), 08.04.2018 (L170875), 07.07.2018 (L171781)

Diese Angaben sind auf der Rückseite der Verpackung zu finden. Der Hersteller weist darauf hin, „das Produkt nicht zu konsumieren und in die jeweiligen Verkaufsstellen zurückzubringen“. Der Kaufpreis werde erstattet.

Auch schon vor einem Jahr waren „MorgenLand“-Aprikosenkerne wegen Blausäure zurückgerufen worden.

Kerne zur Krebstherapie
Blausäure (Cyanwasserstoff) ist hochgiftig und kann Gesundheitsexperten zufolge gerade bei Kindern zu Gesundheitsschädigungen führen und Vergiftungserscheinungen verursachen.

Manche Menschen setzen Aprikosenkerne zur Prävention der Ausbreitung von Krebs ein. Wissenschaftler von der European Food Safety Authority (EFSA) haben jedoch vor solchen gefährlichen Krebstherapien gewarnt.

Die Kerne bilden in unserem Körper Cyanid, einen Stoff, der laut einer Mitteilung der EFSA giftig ist und sogar zum Tod führen kann.

Cyanidvergiftung kann tödlich enden
„Eine Cyanidvergiftung kann Übelkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durst, Trägheit, Nervosität, diverse Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Blutdruckabfall zur Folge haben. In extremen Fällen kann sie zum Tode führen“, schreiben die Experten.

Laut Studien können bereits 0,5 bis 3,5 Milligramm (mg) Cyanid pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.

EFSA-Sachverständige schätzen, dass Erwachsene drei kleine Aprikosenkerne (370 mg) verzehren können, ohne dass die sogenannte akute Referenzdosis („ARfD“) überschritten wird. Für Kleinkinder läge diese Menge bei 60 mg, was etwa der Hälfte eines kleinen Kerns entspricht.

Der normale Verzehr von Aprikosenfrüchten stellt laut EFSA aber kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher dar.

„Bei den Kernen handelt es sich um die Samen im Inneren des Aprikosensteins. Man erhält sie durch Knacken und Entfernen der harten Steinschale, die verhindert, dass die Kerne in Kontakt mit der Frucht gelangen“, erklären die Experten. (ad)