Größte Werbelügen 2017: Kinderkeks von Alete mit Goldenem Windbeutel bedacht

Alfred Domke

Goldener Windbeutel für Alete: Keks für Babys mit 25 Prozent Zuckeranteil

Ein Keks, der schon für Babys ab dem achten Monat zum Knabbern beworben wird, ist mit dem „Goldenen Windbeutel“ für die „dreisteste Werbelüge 2017“ ausgezeichnet worden. Der Kinderkeks des Herstellers Alete habe laut der Verbraucherorganisation Foodwatch einen Zuckeranteil von 25 Prozent. Ein hoher Zuckerkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern.

Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres

Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass es in Deutschland immer häufiger zu starkem Übergewicht bei Kindern kommt. Zudem steigt die Zahl der Kleinkinder mit Karies. Beides wird vor allem auf einen hohen Zuckerkonsum zurückgeführt. Auch die Werbung beziehungsweise Lebensmittelhersteller sind dafür mitverantwortlich. Schließlich sind manche Produkte, die speziell für Kinder beworben werden, oft eher eine Süßigkeit, da sie enorm viel Zucker und Fett enthalten. Auch der Kinderkeks des Babynahrungsherstellers Alete enthält reichlich Zucker. Er wurde nun mit dem „Goldenen Windbeutel“ für die „dreisteste Werbelüge 2017“ ausgezeichnet.

Der Kinderkeks von Alete wurde mit dem „Goldenen Windbeutel“ für die „dreisteste Werbelüge 2017“ ausgezeichnet. Der Keks, der laut Foodwatch einen Zuckeranteil von 25 Prozent hat, ist dem Hersteller zufolge „babygerecht“. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Zuckeranteil von 25 Prozent

Der „Goldene Windbeutel“ der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch geht 2017 an Alete. Bei einer Online-Abstimmung hatten sich rund 50 Prozent der mehr als 73.000 Teilnehmer für den „Kinderkeks“ des Babynahrungsherstellers ausgesprochen.

Ein Zuckeranteil von 25 Prozent macht den Keks aus Sicht von Foodwatch zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“.

Alete wirbt auf der Verpackung mit dem Hinweis „zum Knabbern-lernen“ und auf seiner Webseite: „ab 8. Monat: Zum Knabbern mit den ersten Zähnchen“. Laut dem Hersteller sind die Kekse „babygerecht“ und „regen so zum Knabbern und Kauen an“.

„Durch ihre spezielle Form sind sie gut greifbar – auch schon für kleine Babyhände“, so das Unternehmen.

Selbst für Babys ab dem 6. Monat könne man den Kinderkeks als Brei anbieten: „Zerbrösel 2-3 Alete Kinderkekse in einem Teller und übergieß diese mit ca. 3-4 Esslöffeln abgekochter Milch oder Fruchtsaft. Kurz quellen lassen“, schreibt Alete.

Auf Kosten der Kleinsten Kasse machen

Doch die Babykekse sind laut Foodwatch mit 25 Prozent Zuckeranteil sogar zuckriger als Leibniz Butterkekse und fördern Karies.

„Alete nutzt sein positives Image bei Eltern aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen“, schreiben die Verbraucherschützer in einer Mitteilung.

Foodwatch fordert den Hersteller auf, das Produkt vom Markt zu nehmen und sein Sortiment zu überarbeiten. Denn obwohl Ärzte von zugesetztem Zucker für Babys abraten, hat Alete etwa 30 Prozent seiner Babyprodukte Zucker beigemischt, unter anderem Joghurts, Grießbrei und Puddings.

Bereits zweiter Goldener Windbeutel für Alete

Alete wurde von Foodwatch bereits zum zweiten Mal mit dem Goldenen Windbeutel „ausgezeichnet“. 2014 gehörte Alete noch zu Nestlé, der Lebensmittelkonzern gewann damals den Goldenen Windbeutel für die „Alete Mahlzeiten zum Trinken ab dem 10. Monat“.

Denn die flüssigen Trinkmahlzeiten sind alles andere als geeignet für Babys. Im Gegenteil: Ärzte warnen seit langem vor Überfütterung und Karies durch flüssige Trinkbreie.

Alete zeigte sich laut Foodwatch besonders stur: Alle anderen Babynahrungshersteller haben flüssige Trinkbreie mittlerweile aus dem Sortiment genommen – bis auf Alete!

Nach dem Start der diesjährigen Wahl und der Nominierung des Babykekses hatte Alete reagiert und angekündigt, den Hinweis „babygerecht“ nicht weiter auf der Packung abzudrucken und die Rezeptur zu verändern.

Doch auch wenn die dreiste Bezeichnung „babygerecht“ jetzt von der Packung verschwindet: Einen zuckrigen Keks für Säuglinge ab dem achten Monat zu empfehlen, ist unverantwortlich!

„Säuglinge sollten keine Produkte mit zugesetztem Zucker essen, um zum Beispiel Entstehung von Karies und eine frühe Süßgewöhnung zu vermeiden“, sagt Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Leipzig.

„Die Ernährung in den ersten Lebensmonaten ist prägend und beeinflusst das spätere Ernährungsverhalten eines Menschen. Einen Keks mit 25 Prozent Zucker für Babys zu empfehlen, ist schlicht verantwortungslos“, so der Experte.

Auf Irreführung bei Lebensmitteln hinweisen

Außer dem Alete Babykeks waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2017 nominiert. Die überwältigende Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher stimmte für Alete.

Foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel in diesem Jahr zum siebten Mal. Die erste Wahl fand 2009 statt.

Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012).

Ziel ist es, mit dem Negativpreis auf die systematische, ganz legale Irreführung bei Lebensmitteln hinzuweisen und bessere Gesetze zu erwirken. (ad)