Große Hitze erschwert Muslimen das Ramadan-Fasten

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Fabian Peters
Gesundheitsschutz beim Ramadan-Fasten: Kein Zwang für Kinder und Jugendliche
Die aktuellen hohen Temperaturen führen bei vielen Menschen zu körperlichen Beschwerden. Gesundheitsexperten raten stets dazu, viel zu trinken. Für Muslime ist dies derzeit jedoch wegen des Fastenmonats Ramadan eigentlich untersagt. Die körperliche Unversehrtheit ist aber für die Gläubigen wichtiger als das Fasten.

Fasten-Gebot gilt ab der Pubertät
Bis zu 15 Stunden Sonnenschein täglich und Temperaturen um die 40 Grad: Die Hitze durch Hoch Annelie macht den Menschen ganz schön zu schaffen. Gesundheitsexperten raten daher: Trinken, Trinken, Trinken! Für Muslime ist das derzeit aber tabu. Seit Beginn des Fastenmonats Ramadan am 18. Juni verzichten Gläubige tagsüber auf Essen und Trinken. Erst nach dem Abendgebet wird das tägliche Fasten mit einem gemeinschaftlichen Mahl gebrochen. Ärzte warnen jedoch, dass es zu Beschwerden wie starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder einem Kreislaufkollaps kommen kann, wenn man nicht trinkt, während die Sonne brennt. Vor allem für Kinder und Jugendliche könnte es gefährlich sein. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, erklären Islamverbände aber ohnehin, dass das Fasten-Gebot erst ab der Pubertät gilt.

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Das Ramadan-Fasten kann bei der enormen Hitze zu einem Gesundheitsrisiko werden. (Bild: saiyood/fotolia.com)

Ganztägiger Verzicht sollte für Heranwachsende tabu sein
Zwar stehen religiöse Motive im Vordergrund, doch es gibt durchaus auch gesundheitliche Vorteile beim Ramadan-Fasten. Allerdings fällt die tägliche Fastenzeit in diesem Jahr besonders lange aus. Da der Ramadan diesmal – vom 18. Juni bis 16. Juli – auf lange Sommertage mit heißen Temperaturen fällt, sind gesundheitliche Risiken größer. Bei Heranwachsenden sollte der ganztägige Verzicht auf Essen und Trinken tabu sein, wenn es nach dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ginge. „Das Fasten schädigt die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, meinte Verbandschef Wolfram Hartmann. Folgen könnten laut dem Experten unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Kreislaufkollaps sein.

Körperliche Unversehrtheit ist wichtiger
„Bei Kindern ist der Wasseranteil am Körpergewicht sehr hoch, sie müssen daher regelmäßig über den Tag verteilt ausreichend trinken“, so Hartmann. Die Kleinen könnten Flüssigkeit schlecht speichern. Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, betonte, dass der Ramadan eine wichtige Zeit sei: „In diesem Monat erfährt der Muslim spirituelle Reinigung.“ Das Fasten-Gebot gelte zwar ab der Pubertät, doch oft würden Kinder schon mitfasten wollen. Manche Eltern handeln daher einen Kompromiss mit ihnen aus, beispielsweise ein Verzichten am Wochenende. Wichtig dabei ist: „Die körperliche Unversehrtheit ist ein religiöses Gebot und steht noch über dem Fasten.“

Kranke sollen nicht fasten
Von der Türkisch-Islamischen Union Ditib wurde hervorgehoben: „Die islamische Lehre, aber auch die Tradition, sieht das Fasten für Kinder nicht vor.“ Manchen Kindern, die den Erwachsenen nacheifern wollen, würde es von Eltern aber erlaubt, jedoch nicht ganztägig. Jugendliche könnten das Fasten körperlich durchstehen. Grundsätzlich gilt: „Ein Zwang zum Fasten kann und darf nicht von Außenstehenden ausgeübt werden.“ Die Gründerin des Liberal-Islamischen Bunds, Lamya Kaddor, erläuterte: „Der Islam ist keine rigide Religion. Manche Muslime wissen das aber nicht und machen es sich und ihren Kindern zu schwer.“ Es gebe auch klare Ausnahmen: „Wer krank ist oder droht, krank zu werden, soll nicht fasten.“

Kinder ohne Druck an das Thema heranführen
Die Islamexpertin empfiehlt, den Nachwuchs ohne Druck an das Thema heranzuführen. „Man könnte zum Beispiel zwei Stunden am Tag vereinbaren, in denen Kinder altersgemäß das Verzichten üben.“ Ihrer Einschätzung nach fastet ein Großteil der muslimischen Heranwachsenden in Deutschland auch wegen des Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühls mit. Ärzte meinen jedoch, es werde bei Minderjährigen mitunter übertrieben. „Die meisten unserer Kollegen haben bereits negative Erfahrungen gemacht, wenn Kinder und Jugendliche fasten“, erklärte Jugendmediziner Hartmann. An die Eltern appellierte er, den Kindern allein schon wegen des Bewegungsdrangs über den Tag zumindest kleine Mengen Essen und Trinken zu geben. Zudem sagte er: „Nutzen Sie den Ramadan, um von Limo, Fruchtsaftgetränken, Eistee und Cola auf gesundes Wasser umzustellen.“ (ad)